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Roald Amundsen gewann 1911 einen absurden Wettlauf zum Südpol gegen Robert Scott.
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Roald Amundsen gewann 1911 einen absurden Wettlauf zum Südpol gegen Robert Scott.

POETICA TERRA

Eine Geschichte der Antarktis

  • Peter Rutkowski
    VonPeter Rutkowski
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„Neu-Schwabenland“, irre Menschen und ausgestorbene Aliens und größenwahnsinnige Forscher: Der Südpol war schon immer ein besonderer Ort.

Die Antarktis war schon bekannt, bevor noch irgendwer sie ganz in Augenschein, geschweige denn kartographiert hatte. Die wohl älteste Dokumentation ist die Weltkarte des Piri Reis von 1513. Der türkische Admiral („Reis“) hielt es zwar nicht so genau mit Distanzen und exakt eingezeichneten Küstenlinien, aber dass da unten im Süden was sein musste, dessen waren er und andere Menschen der Renaissance ziemlich sicher. Die alten Griechen hatten das ja auch schon gemeint.

Die Antipode zur Arktis – deshalb „Antarktis“ – geriet dann schnell zur Heimstatt des sagenhaften Atlantis. Dass dieser Kontinent der Fiktion nach im Meer versunken war, wurde durch die nautische Imagination etwas gestört, aber es konnte ja keiner dort einfach hin und Beweise für das eine oder das andere erbringen.

Mit dem Superkontinent Gondwana (Afrika, Indien, Australien, Südamerika, Antarktis – später Karbon bis in den Jura) wird die Antarktis wohl kaum verwechselt worden sein. Wobei ... so was passiert ja mal. Antarktis, Atlantis, Gondwana – der Fantasie zu erfundenen Landen (poetica terra) sollten auch später keine Grenzen gesetzt sein.

Real, aber absurd war die Expedition von Sir James Clark Ross 1839 bis 1843, bei der endlich die Küstenlinie des Kontinents korrekt vermessen wurde. Aber Ross, aufrechter Kapitän Ihrer Majestät, musste natürlich auch von dem Vermessenen Besitz nehmen für Great Britain. Die Mär will es, dass Ross den Union Jack in den Schnee pflanzte und gegenüber den Einwohnern salutierte, die das alles ruhig und würdig und aufrecht zur Kenntnis nahmen. Wie Pinguine eben sind.

Die antarktischen Bodenschätze wecken große Begehrlichkeiten. Noch ist der Kontinent über den Antarktis-Vertrag geschützt.

Expeditionen sollte es dann noch viele geben, auch den an sich abstrusen Wettlauf zum Südpol, den Roald Amundsen 1911 gegen Robert Scott gewann. Scotts Expedition starb auf der Rückkehr und zementierte damit den Mythos heroischen Versagens britischer Imperialisten. Der Brite Ernest Shackleton brach dann 1914 zu Kriegsbeginn zur Durchquerung des Kontinents auf. 1916 nach seiner Rettung fragte er, wer den Krieg gewonnen habe. Schweigen.

Die Deutschen wollten wie üblich auch nicht zu kurz kommen: Alfred Ritscher unternahm 1938/39 eine fruchtlose Expedition auf dem Schiff „Neu-Schwaben“. Das reichte Nazi-Nostalgikern, um eine, mal arktische, mal antarktische NS-Zuflucht „Neu-Schwabenland“ zu imaginieren. Dieses Hirngespinst hält sich bis heute in diesen Kreisen.

Völlig irre und bis heute unübertroffen aber sollte die Vorstellungskraft des Groschenromanciers, Rassisten und Antisemiten H.P. Lovecraft sein. Der ersann bereits 1930 die Horror-Erzählung „At The Mountains of Madness“, in der Antarktisforscher eine Stadt einer ausgestorbenen extraterrestrischen Riesenspezies finden - und davon in den Irrsinn getrieben werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Welt dann genug vom südpolaren Irrsinn. 1959 trat ein internationaler Vertrag in Kraft, der den siebten Kontintent vor allen nationalen und wirtschaftlichen Begehrlichkeiten schützen sollte. Was aber kaum eine seefahrende Macht oder Großmacht davon abgehalten hat, dort territoriale Ansprüche zu erheben. Noch gibt es aber nur diese - und Forschungsstationen. Noch. rut

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