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„Die Beratung von Schwangeren muss verbessert werden“, fordern Experten.

Schwangerschaft

Bluttest auf Trisomie: Eine „fundamentale ethische Frage“

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Werden Bluttests auf Trisomie künftig von den Kassen bezahlt? Die Entscheidung darüber wird vertagt, die Grünen fordern ein Moratorium.

Das höchste Entscheidungsgremium der gesetzlichen Krankenversicherung hat seinen eigentlich für diesen Donnerstag geplanten Beschluss darüber verschoben, ob der Bluttest auf Trisomie künftig von den Kassen bezahlt wird. Die Geschäftsstelle des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) teilte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland mit, aufgrund der Vielzahl und der komplexen Inhalte der eingegangenen Stellungnahmen gebe es einen hohen Auswertungsbedarf. Den Beschluss werde der G-BA nun voraussichtlich in seiner Sitzung am 19. September fassen.

Trisomie-Bluttest soll Fruchtwasseruntersuchung ersetzen

Der Bundesausschuss hatte im März unabhängig von der im Bundestag laufenden Debatte vorgeschlagen, dass der Trisomie-Bluttest künftig bei Risikoschwangerschaften von den Krankenkassen bezahlt wird. Er soll die Fruchtwasseruntersuchung oder die Biopsie der Plazenta, die beide mit hohen Risiken für das ungeborene Kind verbunden sind, ersetzen. In dem anschließend eingeleiteten Stellungnahmeverfahren hatten wissenschaftliche Fachgesellschaften, die Bundesärztekammer, der Deutsche Ethikrat und weitere Institutionen die Gelegenheit, die geplanten Änderungen fachlich zu beurteilen. Insbesondere Behindertenverbände sehen die Tests sehr kritisch.

Der Bundestag hatte sich im April auf Anregung einer parteiübergreifenden Abgeordneten-Gruppe in einer sogenannten Orientierungsdebatte erstmals mit der Problematik beschäftigt. Dabei zeichnete sich eine Mehrheit für eine Kostenübernahme ab. Gleichzeitig sprachen sich viele Abgeordnete dafür aus, die Beratung und Aufklärung der Eltern zu verbessern. Das sieht auch der G-BA-Vorschlag vor. Danach sollen bis Herbst des kommenden Jahres neue Patienteninformationen erarbeitet werden. Erst dann soll die Kostenübernahme wirksam werden.

Grenzen und Bedingungen für molekulargenetische Testverfahren

Die Sprecherin für Behindertenpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, Corinna Rüffer, forderte den Bundesausschuss auf, zunächst keine Entscheidung zu treffen. „Ich erwarte vom G-BA ein Moratorium für das derzeitige Verfahren, bis der Bundestag zu diesen Fragen entschieden hat“, sagte Rüffer auf Anfrage.

„Es ist absurd, dass der G-BA einerseits den Bundestag aufgefordert hat, Grenzen und Bedingungen für molekulargenetische Testverfahren zu definieren, das laufende Verfahren aber dennoch durchzieht“, kritisierte sie. Wenn man wie der G-BA „fundamentale ethische Grundfragen unserer Gesellschaft“ berührt sehe, dann müsse man auch abwarten, bis der parlamentarische Prozess, der mit der Orientierungsdebatte erst begonnen habe, beendet sei.

Rüffer sagte, die interfraktionelle Abgeordneten-Gruppe berate und prüfe derzeit, welchen Regelungsbedarf und welche Regelungsmöglichkeiten es gebe, sowohl hinsichtlich des Trisomie-Bluttests als auch mit Blick auf weitere genetische Testverfahren, die in der Entwicklung seien. Daraus sollten dann parlamentarische Initiativen entstehen. „Aus meiner Sicht muss sichergestellt werden, dass im G-BA-Verfahren künftig ethische Fragestellungen berücksichtigt, die Beratung von Schwangeren verbessert und Familien mit behinderten Kindern stärker unterstützt werden“, forderte die Grünen-Politikerin.

Trisomie 21

Menschen mit dem sogenannten Down-Syndrom haben in jeder Zelle ein Chromosom mehr als andere Menschen. Das Chromosom 21 ist dreifach vorhanden, daher stammt auch die Bezeichnung Trisomie 21. Die Folge sind körperliche Auffälligkeiten und eine verlangsamte motorische, geistige und sprachliche Entwicklung. Die Ausprägungen können aber sehr unterschiedlich sein. 

Häufige organische Probleme sind angeborene Herzfehler, Schwerhörigkeit oder eine Anfälligkeit für Infekte. Statistisch gesehen kommt bei etwa 600 bis 700 Geburten ein Baby mit Down-Syndrom zur Welt. Benannt ist das Down-Syndrom nach seinem Entdecker, dem englischen Arzt John Langdon Down (1828–1896). 

Hinweise auf Trisomie 21 kann in der Frühschwangerschaft das Ersttrimester-Screening liefern. Dabei werden im Ultraschall die Nackenfalte des Ungeborenen gemessen sowie Hormonwerte im Blut der Mutter bestimmt. Daraus ergibt sich eine Risikokalkulation, in die auch das mütterliche Alter einfließt. 

Seit einigen Jahren gibt es Bluttests, die eine Trisomie 21 ebenso wie Trisomie 18 und Trisomie 13 feststellen; im Blut der Mutter wird dabei nach Erbgut des Kindes gesucht. Auch dies bietet aber keine vollständige Sicherheit. Als sicherste Methoden zur Diagnostik gelten die Fruchtwasseruntersuchung, die Nabelschnurpunktion und die Chorionzottenbiopsie, bei der Gewebe der Plazenta entnommen wird. (dpa)

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