Konnte Bedingungen stellen für ihren Eintritt in die französische Regierung: Barbara Pompili.
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Konnte Bedingungen stellen für ihren Eintritt in die französische Regierung: Barbara Pompili.

Barbara Pompili

Eine Frau mit starker Position

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Frankreichs neue Umweltministerin Barbara Pompili weiß, was sie will – ein Porträt.

Barbara Pompili ist Frankreichs neue Umweltministerin und, was fast noch wichtiger ist, Nummer drei der neuen Regierung von Emmanuel Macron. Diesen Rang soll sie selber verlangt haben. Und zwar nicht aus Anmaßung: Die Nordfranzösin will nicht bloß ein ökologisches Aushängeschild oder gar Alibi eines Präsidenten sein, der die Klimapolitik auch aus innenpolitischen Gründen zur Chefsache erklärt hat.

Seine Chefin in Sachen Klimapolitik ist nun Barbara Pompili. Allein schon der Umstand, dass sie Bedingungen an den Eintritt in die Regierung knüpfen konnte, zeigt ihre starke Stellung. Die 45-jährige Politologin gehört zu den wenigen landesweit bekannten und politisch erfahrenen Grünen Frankreichs. Ihre Ernennung hat niemanden überrascht.

Aus einem kleinen Dorf an der Grenze zu Belgien stammend, liegt die „Realo“-Grüne auf Macrons Linie. So tritt sie, wie der Staatschef, für den Abbau des Atomstromanteils am französischen Energiemix ein; anders als die Grünen verlangt sie aber keinen sofortigen Ausstieg ihres Landes aus der Atomkraft.

Kampf gegen Sexismus

Schwerer Vorwurf

In Frankreich gibt es Kritik an der Ernennung des bisherigen Haushaltsministers Gérald Darmanin zum neuen Innenminister. Die Justiz ermittelt gegen den 37-Jährigen wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung. Vor der Amtsübergabe protestierten rund 20 Frauenrechtlerinnen vor dem Innenministerium. Sie skandierten „Ein Vergewaltiger im Innenministerium, ein Komplize der Justiz“.

Aus dem Umfeld Macrons hieß es, die Ermittlungen seien „kein Hindernis“, da Darmanin nicht offiziell von der Justiz beschuldigt sei. Der Minister selbst bestreitet die Vorwürfe einer früheren Prostituierten.

Diese und andere Fragen hatten dazu beigetragen, dass Pompili die grüne Partei EELV (Europe Ecologie les Verts) 2015 verließ. Mit anderen Dissidenten trat sie in die kleine „Parti Ecologiste“ über. Richtig glücklich wurde sie da aber auch nicht, zumal Parteivorsteher François de Rugy später wegen Luxusausgaben mit Hummer-Dîners als Umweltminister zurücktreten musste. Vor der Präsidentschaftswahl 2017 schloss sie sich als eine der ersten Macrons neuer Bewegung „en marche“ an. In der Folge wurde sie selber in die Nationalversammlung gewählt, wo sie sich als Leiterin des Ausschusses für nachhaltige Entwicklung einen Namen machte.

Jetzt soll sie das grüne Credo des Präsidenten in die Tat umsetzen. Schon am Tag nach dem grünen Wahlsieg bei den Gemeindewahlen hatte Macron vor Wochenfrist versprochen, er werde die 150 Klimavorschläge einer Bürgerkonvention fast vollumfänglich einhalten. Der zweite Streich der „ökologischen Rückeroberung“, wie sie die Pariser Medien nennen, ist nun die Ernennung Pompilis.

Als Nummer drei der Regierung verkörpert die neue Ministerin auch die Parität von Frauen und Männern in der französischen Führung. Die geschiedene Mutter einer Tochter kämpft an vorderster Front gegen Sexismus in der Politik – etwa, wenn sie selbst als „Barbie“ verspottet oder von grünen Ex-Kumpels des „politischen Recyclings“ bezichtigt wird.

Ihre gute Laune verliert Pompili selten. Einmal geschah dies, als Pariser Medien mutmaßten, die Nordfranzösin sei von ihrem grünen Parteifreund Denis Baupin wie andere Frauen begrabscht worden. „Ich bin kein Opfer“, twitterte sie in ihrer bekannten Offenheit. Später ärgerte sie sich darüber, dass sie mit dieser Klarstellung ungewollt zur Helferin des Sextäters gestempelt worden sei. Wie man sich in solchen Affären auch positioniere, sei man als Frau „entweder Opfer oder Komplizin“, beklagte sie sich.

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