Kommentar

Eine Frage noch, Herr Bush

Das hatten sich die Schadensbegrenzer im Weißen Haus schön ausgedacht: CIA-Chef George Tenet übernimmt die Verantwortung dafür, dass George W. Bush im Januar

Von Dietmar Ostermann

Das hatten sich die Schadensbegrenzer im Weißen Haus schön ausgedacht: CIA-Chef George Tenet übernimmt die Verantwortung dafür, dass George W. Bush im Januar mit schon damals zweifelhaften und inzwischen kleinlaut zurückgezogenen Vorwürfen gegen Irak kräftig die Kriegstrommel rührte. Der angeblich irregeführte Präsident vergibt Tenet und spricht ihm sein volles Vertrauen aus. Das Weiße Haus erklärt die Sache für erledigt. Schluss, aus - keine Fragen mehr.

So einfach ist es nicht. Die CIA hatte eben doch gewarnt, lange bevor jene im Weißen Haus, die den Krieg so oder so führen wollten, Iraks angebliche Urankäufe wieder aus der Mottenkiste holten. Nicht mangelhafte Kommunikation war das Problem, sondern, dass die zum Krieg entschlossenen Hardliner fieberhaft nach Argumenten suchten. Da wurden dann halt Bedrohungen vorgetäuscht, die es nicht gab. Man darf auf neue Enthüllungen gespannt sein, denn der Versuch der US-Regierung, das Problem bei der CIA abzuladen, scheint zum Rohrkrepierer zu werden.

Wie einst bei der Suche nach Schuldigen für die Pannen vor dem 11. September 2001 kündigt sich eine aufschlussreiche regierungsinterne Schlammschlacht an. Die Öffentlichkeit könnte dabei mehr über die wahren Vorgänge erfahren, als Bush lieb sein dürfte. Denn das eigentliche Problem ist die Glaubwürdigkeit eines Präsidenten, der die größte Militärmacht der Welt kommandiert, und die Frage, ob er sich bei deren Einsatz jenseits des Völkerrechts zumindest von Fakten oder nur von reinen Machtideologien leiten lässt.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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