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Besuch in Israel

Angela Merkel auf Abschiedsbesuch: Israel huldigt der „lieben Freundin“

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Angela Merkel, die ausgewiesene Freundin des Staates Israel, besucht ein letztes Mal offiziell Jerusalem und Yad Vashem. Dort hinterlässt sie einen langen Gästebucheintrag.

Jerusalem – Allzu gefühlig wird es nicht, bei ihrem Abschiedsbesuch. Das entspricht nicht Angela Merkels Art. Nach ihrer Gefühlslage befragt, kommt die Kanzlerin bei ihrem Pressetermin am Sonntagmittag in Jerusalem lieber schnell auf den Wunsch zu sprechen – sie nennt es „den zentralen Punkt“, dass Israels Sicherheit als jüdischer demokratischer Staat gewährleistet sein muss. Für sie bleibt das „Teil unserer Staatsräson“. In der Frage betont sie, „ist Deutschland nicht neutral“.

Am Herzen liegen ihr mithin auch die „vielfältigen breiten Beziehungen“ in Wissenschaft, Sport, Kultur und im politischen Austausch. „Ein Glücksfall“ angesichts der deutschen Geschichte, hebt sie hervor. Kontroverses streift Merkel eher am Rande. Etwa Israels Siedlungspolitik, über die sie wahrscheinlich im Laufe des Tages noch mit ihrem Gastgeber, Premier Naftali Bennett, sprechen werde. Oder die Zwei-Staaten-Lösung, die Merkel eigentlich befürwortet, „auch wenn sie derzeit aussichtslos erscheint“. Nicht zuletzt deshalb verzichtet sie diesmal auf ihren früher obligatorischen Abstecher nach Ramallah, zum palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas.

Angela Merkel in Israel: Ganz großer Bahnhof für die „liebe Freundin“

Die deutsch-israelische Harmonie soll keine Dissonanz stören. Israel huldigt der „lieben Freundin“, so Bennett, mit ganz großem Bahnhof. Das gesamte Kabinett kommt zu ihr ins Hotel, um die sonntägliche Sitzung mit Merkel im Prunksaal des „King David“ zu veranstalten. Der Ehrengast zeigt sich beeindruckt angesichts dieser Koalition aus acht Parteien. „Ein solches Maß an Vitalität“ habe sie noch nicht kennengelernt.

Angela Merkel ist auf Abschiedsbesuch in Israel.

Der Premier hält sich gar quasi den ganzen Tag für sie frei. Natürlich nutzt Bennett die Gelegenheit, den Iran-Konflikt in den Vordergrund zu rücken. „Die Welt wartet ab, die Iraner zögern die Sache hinaus, während ihre Zentrifugen sich drehen“, sagt er. „Für uns ist das kein strategisches, sondern ein existenzielles Problem.“ Merkel äußert Verständnis. „Uns stehen sehr entscheidende Wochen bevor.“ Zumal der Iran keine Anzeichen mache, an den Verhandlungstisch zurückkehren, aber weiter Uran anreichere. Den Atomdeal mit Teheran habe auch sie nie „für ideal gehalten“, jedoch immer noch besser als gar keine Vereinbarung.

Angela Merkel besucht Israel: Sympathiebekundung für die neue Regierung

Dass Angela Merkel, obgleich nur noch übergangsweise im Amt, zu einem mehrtägigen Besuch hergekommen ist, wird denn auch nicht nur als Bekenntnis zu Israel verstanden, sondern als Sympathiebekundung für dessen neue, höchst ungewöhnliche Regierung. Merkels Verhältnis zu Bennetts Vorgänger Benjamin Netanjahu war nicht gerade das Beste. Bei ihren Telefonaten soll es mitunter recht laut zugegangen sein. Die Kanzlerin werde darüber sicher kein Wort verlieren, meint Moshe Zimmermann, Professor Emeritus für deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität. Aber ihre Gespräche mit der Bennett-Regierung seien „eine indirekte Ohrfeige für Netanjahu“. Ein Treffen mit ihm ist im dreitägigen Programm der Kanzlerin ebenfalls nicht vorgesehen.

Unter Netanjahu hatten die deutsch-israelischen Regierungskonsultationen – die letzten von insgesamt sieben fanden 2018 statt – auch an Impetus verloren. Ursprünglich geplant waren sie als Jahrestreffen, wechselweise in Jerusalem und Berlin. So hatten es 2008 Merkel und Israels damaliger Premier Ehud Olmert ausgemacht, die sich besonders gut verstanden. Die Kanzlerin hofft, dass Bennett daran anknüpft.

Israel: Angela Merkel war lange die populärste ausländische Politikerin

Nicht wenige Israelis sind schon jetzt überzeugt, sie sehr bald zu vermissen, die Pfarrerstochter aus der DDR, die die Lektion aus dem Zweiten Weltkrieg verinnerlicht habe. Die von Deutschland gelieferten und mitfinanzierten U-Boote der Dolphin-Klasse tragen zu der Wertschätzung selbstredend bei.

Links von Angela Merkel und Naftali Bennett passiert wohl manch Interessantes.

Lange Zeit sei Merkel in Israel die „populärste ausländische Politikerin“ gewesen, sagt Zimmermann. Zumindest bis 2015, als sie die Grenzen für syrische und andere Flüchtlinge öffnete. Eine Entscheidung, die vor allem im rechten israelischen Lager wenig Anklang fand. Andere Israelis sahen gerade in dem Merkel-Satz „Wir schaffen das“ einen Beweis, dass sie aus der deutschen Vergangenheit gelernt habe.

Auch bei ihrem sechsten Besuch in Yad Vashem nimmt sie sich am Sonntagnachmittag ausgiebig Zeit. Begleitet von Bennett sowie von Dani Dayan, dem Chef der nationalen Holocaust-Gedenkstätte und dem früheren Oberrabbiner Israel Meir Lau, ein Überlebender der Shoah, lässt sich Merkel durch die aktuelle Ausstellung führen – Momentaufnahmen aus den Ghettos und Konzentrationslagern vom Leiden der Inhaftierten aber auch der Propaganda der NS-Vernichtungsmaschinerie.

Angela Merkel besucht Yad Vashem: Langer Eintrag ins Gästebuch

Besonders bewegend gerät Merkels Begegnung mit dem bald 90-jährigen Henry Foner. Sechs war er, als sein Vater Max Lichtwitz, ein jüdischer Berliner Anwalt, ihn, der damals noch Heinz hieß, 1939 auf den Kindertransport nach England schickte. Es hat ihm das Leben gerettet, die meisten seiner Angehörigen wurden von den Nazis umgebracht. Bis zur Deportation schickte der Vater dem Jungen noch bunte Postkarten nach Wales, wo der kleine Henry alias Heinz bei Pflegeeltern aufwuchs. Henry Foner hat die Karten vor einigen Jahren für ein Buch über seine Geschichte, herausgegeben von Yad Vashem, zusammengestellt. Die einzigen Erinnerungsstücke an seine Familie, abgesehen von den 2015 vor ihrem früheren Haus in der Charlottenburger Kantstraße 30 verlegten Stolpersteinen.

„Jeder Besuch in Yad Vashem berührt mich aufs Neue im Innersten“, schreibt Merkel nach Kranzniederlegung und Anzünden des „ewigen Feuers“ in der Halle der Erinnerung ins Gästebuch. Es wird ein langer Eintrag und ein bisschen auch ihr politisches Vermächtnis hinaus. „Die Verbrechen gegen das jüdische Volk sind uns Deutschen immerwährende Verantwortung und Mahnung“, notiert sie da. Dass jüdisches Leben nach der Shoah wieder in Deutschland eine Heimat fand, sei ein Vertrauensbeweis, der entschiedenes Angehen gegen Antisemitismus, Hass und Gewalt verlangt. „Dies ist Verpflichtung für jede Bundesregierung.“ (Inge Günther)

Rubriklistenbild: © Ilia Yefimovich

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