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Gefangen in Europa: Ein geflüchteter Junge im Lager Moria auf Lesbos.

Flüchtlinge auf Lesbos

Eine Dusche für 84 Menschen

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Die Verzweiflung der Flüchtlinge auf Lesbos in den überfüllten griechischen Lagern schlägt in Gewalt um.

Die Situation in den Flüchtlingslagern auf den ostägäischen Inseln entspannt sich nicht, im Gegenteil: Sie wird schwieriger. Die Frustration der Migranten, die teils seit mehr als einem Jahr in den Lagern festgehalten werden, entlädt sich immer häufiger in Gewalt. Die örtliche Bevölkerung klagt über eine Welle der Kriminalität. 

Im September werde alles besser werden, versprach der griechische Migrationsminister Dimitris Vitsas Anfang Juli. Dann werde es in den Hotspots, den Aufnahmezentren in der östlichen Ägäis, nur noch 10 000 Flüchtlinge und Migranten geben. Der September ist da, aber sein Versprechen hält der Minister nicht. Während Anfang Juli 17 771 Menschen in den Insel-Lagern lebten, waren es Mitte dieser Woche 19 237. Besonders krass ist die Situation im Lager Moria auf Lesbos. Dort waren Anfang Juli 7369 Personen untergebracht, jetzt sind es fast 8200. Sie hausen in einem Lager, das für 3000 Menschen ausgelegt ist.

„Ist das die Erleichterung, die uns die Regierung versprochen hat?“ fragt Christiana Kalogirou, Regionalpräfektin der nördlichen Ägäisinseln. Die seit drei Jahren andauernde Überbelastung werde für die örtliche Wirtschaft und die Gesellschaft zu einem immer größeren Problem, sagte sie der Zeitung „Kathimerini“. Auch Spyros Galinos, Bürgermeister der Inselhauptstadt Mytilini auf Lesbos, schlägt Alarm. Die Insel mit ihren 86 000 Einwohnern beherbergt nach offiziellen Angaben zurzeit 10 410 Migranten. Bürgermeister Galinos warnt vor „tragischen Ereignissen“. Die Geduld der Bevölkerung habe wegen ständiger Diebstähle und Einbrüche „ihre Grenzen erreicht“. In einem Brief an Migrationsminister Vitsas warnte Galinos jetzt vor einer drohenden „sozialen Explosion“.

Vitsas, der am 1. März das Migrationsressort von seinem glücklosen Vorgänger Giannis Mouzalas übernommen hat, bekommt die Probleme offensichtlich nicht in den Griff. Dass die Lager auf den Inseln überfüllt sind, ist vor allem eine Folge der schleppenden Asylverfahren. Die Migranten und Flüchtlinge, die aus der Türkei auf die Inseln kommen, müssen dort so lange bleiben, bis über ihre Asylanträge entschieden ist. Doch das kann Jahre dauern. Allein zwischen dem 23. Juli und dem 26. August stellten 3651 Neuankömmlinge Asylanträge. 

Die Zustände in den Lagern sind katastrophal. Auf der Insel Samos leben 3734 Menschen in einem Lager, das für 648 Personen ausgelegt ist. In Moria auf Lesbos müssen sich 72 Menschen eine Toilette teilen, auf jede Dusche kommen sogar 84 Menschen, wie Apostolos Veizis von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) berichtet. Frustrierte Migranten verschiedener Ethnien gehen immer öfter aufeinander los – vor allem Syrer und Afghanen. Oder die Menschen demolieren in ihrer Verzweiflung die Wohncontainer. 

Vor zehn Tagen gab es schwere Unruhen in einem Lager für unbegleitete Minderjährige beim nordgriechischen Thessaloniki. Aus Protest gegen schlechtes Essen und langsame Internetverbindungen steckten die jungen Leute ihre Matratzen in Brand und zertrümmerten große Teile der Einrichtungen.

Nicht nur in den Insellagern wird die Enge immer größer. Immer mehr Flüchtlinge und Migranten kommen über den Grenzfluss Evros aus der Türkei nach Griechenland. Im ersten Halbjahr 2018 waren es bereits mehr als 10 000 auf dieser Route, nach 7500 im ganzen Vorjahr. Die Folge: Auch die meisten Flüchtlingslager auf dem griechischen Festland sind inzwischen weit über ihre Kapazität hinaus belegt.

Am schlimmsten trifft das Flüchtlingschaos in Griechenland die Kinder. In Moria behandeln die Ärzte von MSF in ihrer Krankenstation gegenüber dem Lager täglich etwa 100 Kinder. Viele würden im Lager Opfer von Übergriffen und sexueller Gewalt, berichten die Helfer. Immer häufiger sind die Ärzte aber auch mit Selbstmordversuchen Minderjähriger konfrontiert. 

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