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Proteste und kein Ende: Radfahrer demonstrieren während der IAA gegen die gesellschaftliche Fixierung auf Autos.

Kapitalismus

Auf in eine andere Zukunft

Was die Klimakrise mit Kapitalismus zu tun hat.

Der schwache Kohlekompromiss, der Fokus auf einen CO2-Preis und das Setzen auf „grünes“ Wachstum zeigen: Im Kampf gegen die Klimakrise soll an der kapitalistischen Logik nicht gerüttelt werden. 

Wenn wir nicht weiter ungebremst in die Klimakatastrophe rasen wollen, müssen wir die Eigentumsfrage – diese große Gretchenfrage vergangener, gegenwärtiger und zukünftiger Zeiten – stellen: Sie ist nicht nur für soziale Gerechtigkeit der entscheidende Faktor, sondern auch für ökologische Zielsetzungen. Solange die Entscheidungen, wie wir als Gesellschaft unsere Produktionsweise organisieren möchten, von privaten Wirtschafstakteuren zusammen mit einem kapitalistisch orientierten Staat getroffen werden, solange bestimmen Profit- und Wachstumsstreben diese Entscheidungen. Und genauso lange wird die Umweltzerstörung andauern. Das Roden des Amazonasgebietes zugunsten der Viehzucht oder des Palmölanbaus ist nicht der hässliche vermeidbare Nebeneffekt, sondern notwendiger und unausweichlicher Ausdruck dieser Produktionsweise. Klingt schrecklich? Ist es auch. 

Eine Vergesellschaftung, also eine De-Privatisierung und umfassende Demokratisierung des Energiesektors, aber auch anderer Wirtschaftssektoren, ist der einzige Weg, diese Entscheidungen anders zu treffen, dadurch Produktion demokratisch zu steuern und so sozial und ökologisch gerecht zu gestalten. Die erfolgreiche Kampagne „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ muss keine reine Berliner Erfahrung bleiben, die sich allein auf den Immobiliensektor beschränkt. Eine wirkliche soziale und ökologische Kehrtwende ist also möglich. Sie ist eine Frage des gesellschaftlichen Willens und nicht des technologischen Fortschritts. 

Die Klimakrise ist eng verzahnt mit Rassismus, Krieg und autoritären Entwicklungen. Die Diskussion um Klimawandel darf nicht auf ökologische Fragen beschränkt bleiben – sondern muss als Frage globaler Gerechtigkeit behandelt werden. So werden zum Beispiel schon heute Migrationsbewegungen durch die Klimakrise vorangetrieben – und zukünftig zunehmen. Die EU-Abschottungspolitik ist keine Antwort auf die historische Schuld für den Klimawandel. Während der Meeresspiegel steigt, müssen die Grenzen fallen.

In der Klimakrise liegt auch die Chance für eine tiefgreifende Veränderung. Der heutige Klimastreik weist in diese Richtung: Er unterbricht für einen kurzen Moment den kapitalistischen Alltag und lässt globale Gerechtigkeit aufblitzen. Darauf gilt es aufzubauen und die Bilder lahmgelegter Innenstädte zu multiplizieren, in denen Tausende für eine ganz andere Energie- und Klimapolitik, für eine ganz andere Mobilität und für eine ganz andere Nutzung und Verteilung globaler Ressourcen protestieren, streiken, blockieren und besetzen. Der Kampf für Klimagerechtigkeit ist der Kampf um eine andere Zukunft.

Von Felix

Felix ist bei der Interventionistischen Linken aktiv.

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