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ILLUSTRATION - Der Schatten eines Mannes ist am 19.01.2016 hinter einer gläsernen Wohnungstür in Aufseß (Bayern) zu sehen. Foto: Nicolas Armer/dpa

Kriminalstatistik

Einbrecher scheitern oft

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Sind Einbrecher erst einmal in ein Haus gelangt, ist die Wahrscheinlichkeit für eine Aufklärung durch die Polizei gering. Allerdings scheitern die Diebe immer häufiger. In Hessen setzt die Polizei auf ein neues Abwehrkonzept.

Internationale Einbrecherbanden sind immer häufiger auf Raubzug in Deutschland unterwegs, auch in Hessen. Seit mehr als zehn Jahren lagen die Zahlen nicht mehr so hoch. Doch die Menschen sind dem nicht hilflos ausgeliefert. Auch das zeigen die Statistiken.
Denn noch nie ist es den Bösewichten so oft misslungen, in ein Haus oder eine Wohnung einzusteigen wie heute. Der wichtigste Rat der Polizei lautet daher: gute Türen, Fenster und Schlösser einbauen. Denn Einbrecher haben es meistens eilig. Wenn sie nicht gleich hereinkommen, lassen sie in vielen Fällen die Finger davon.

Man kann das an den Zahlen für Hessen gut ablesen. Dort wurden im vergangenen Jahr mehr als 11 500 Einbruchs-Straftaten registriert, die höchste Zahl seit 2004. Doch in mehr als 5000 dieser Fälle blieb es beim Versuch. Mit anderen Worten: Die Einbrecher kamen in vier von zehn Fällen nicht ans Ziel.

Der Anteil der Versuche lag hessenweit bei 43,8 Prozent, so hoch wie nie. In Frankfurt erreichte er sogar 45,8 Prozent.

Das erfreut die Polizei, während ein anderer Wert ihr seit Jahren Sorgen bereitet. Bei kaum einer anderen Straftat läuft sie den Tätern so hinterher wie beim Einbruch. In Hessen wurde im vergangenen Jahr nur jedes fünfte Delikt dieser Art aufgeklärt, in Frankfurt sogar nur jedes zehnte.
Wobei man darauf hinweisen könnte, dass sich die Lage seit 20 Jahren deutlich verbessert hat. Mitte der 90er Jahre registrierte die hessische Polizei jährlich rund 18 000 Einbrüche und Einbruchsversuche, von denen weniger als zehn Prozent aufgeklärt wurden.

Seit zehn Jahren steigt die Zahl der Wohnungseinbrüche allerdings wieder kontinuierlich an. Als Täter werden vor allem durchreisende ausländische Banden identifiziert. In Hessen hatten im vorigen Jahr die Hälfte der Einbrecher keinen deutschen Pass, in Frankfurt sogar drei Viertel.
Bei der Polizei heißt es, oft handele es sich um Gruppierungen von Bulgaren und Rumänen. Nicht selten brächen 13-Jährige die Türen auf, die daher noch nicht strafmündig seien – oder zumindest Personen mit Papieren, die sie als angeblich 13-Jährige ausweisen.

Einbrecherbanden ziehen von Stadt zu Stadt

Mit dem Zuzug von Flüchtlingen und Asylbewerbern haben die Einbrüche nach Angaben der Sicherheitsbehörden nichts zu tun. Wenn diese Menschen straffällig würden, gehe es in der Regel um ausländerrechtliche Verstöße, Schwarzfahren, Ladendiebstahl oder Körperverletzung, erläuterte der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU). Die Behörden berichten, dass Einbrecherbanden oft von Stadt zu Stadt reisten und dort von Straße zu Straße zögen. Nach einer Serie von Wohnungseinbrüchen in Frankfurt seien Banden etwa nach Hannover und Hamburg weitergezogen, hieß es bei der Frankfurter Polizei.

Als besonders gefährdet gelten dabei Gegenden, die gute Verkehrsverbindungen haben und aus denen die Täter ihre Beute schnell weiterschaffen können. Weniger stark betroffen sind ländliche Regionen, in denen es nur wenige Landstraßen gibt.

In Hessen versuchen die Beamten, Muster der Einbrecherbanden zu erkennen und damit häufiger Taten verhindern oder wenigstens Täter schnappen zu können. Das Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden hat dafür ein Verfahren mit dem Namen „KLB operativ“ entwickelt. Dabei steht KLB für „Kriminalitäts-Lagebild“.

Zu Beginn der dunklen Jahreszeit, von Oktober bis Dezember, wurde es in Wiesbaden, dem Main-Taunus-Kreis sowie in den Kreisen Main-Kinzig und Darmstadt-Dieburg ausprobiert. Täglich habe man das Lagebild analysiert, um Beamte in Gebiete zu schicken, wo es eine „erhöhte Wahrscheinlichkeit“ für Einbrüche gebe. Die Polizei spricht von „offenen Präventionsstreifen, der Einrichtung von Kontrollstellen, Personen- und Fahrzeugkontrollen sowie dem Einsatz operativer Kräfte“.

Minister Beuth sagt dazu: „Unser Ziel ist es, Einbruchsserien zu erkennen und so schnell wie möglich zu beenden. Die Experten der Polizei leisten dabei Pionierarbeit, um insbesondere professionellen Einbrecherbanden das Handwerk zu legen.“ Trotz dieses positiven Fazits entschied sich Beuth bisher noch nicht dafür, das Konzept aufs ganze Land auszudehnen. Man befinde sich noch in der Evaluierung, hieß es.

Die SPD betont, dass ausreichend qualifiziertes Personal entscheidend sei für die Prävention – etwa für die Beratung von Wohnungseigentümern und Mietern. Die hessische Polizei sei aber insgesamt nicht gut genug ausgestattet, urteilt die SPD-Innenpolitikerin Nancy Faeser. Darin stimmt sie mit der Gewerkschaft der Polizei überein.

Während die Einbrüche zunehmen, gehen die Straftaten in anderen Bereichen zurück. Raubüberfälle in aller Öffentlichkeit und andere Straßenkriminalität sind deutlich seltener geworden.

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