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Die Kandidatin ist nicht nur in Frankfurt gut vernetzt.

Linkspartei

Ein rotes Tuch für die CDU

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Janine Wissler gilt als knallharte Oppositionspolitikerin – ein Porträt

Irgendwie hat es Janine Wissler in dieser Woche auch noch geschafft, im hessischen Landtag zu reden. Die Corona-Krise treffe alle, sagte Wissler also, aber sie treffe eben nicht alle gleich hart. Solche Situationen erforderten eine gerechte Verteilung der Hilfen und auch der Kosten für diese Krise, damit die soziale Ungleichheit in diesem Land nicht immer weiter wachse, argumentierte sie am Donnerstag.

Es war wohl die leichteste Aufgabe, die die routinierte Landtagsabgeordnete in diesen Tagen zu bewältigen hatte. Sie musste nicht nur die Entscheidung treffen, als Bundesvorsitzende der Linken zu kandidieren. Die entschiedene Antifaschistin muss auch damit leben, dass widerwärtige Drohschreiben des rechtsextremen „NSU 2.0“ bei ihr eintreffen. Zudem hat sie privat eine „familiäre Notsituation“ zu bewältigen. Das ist der Grund, weshalb Wissler ihre politische Lebensentscheidung am Freitag nur über soziale Netzwerke verbreitete und nicht persönlich vor den Kameras.

Die Frankfurterin strebt nach Berlin. Zunächst will sie eine der Bundesvorsitzenden der Linken werden, voraussichtlich gemeinsam mit der Thüringerin Susanne Hennig-Wellsow. Das lässt sich mit ihrem Posten als Fraktionschefin der Linken im hessischen Landtag für eine gewisse Zeit vereinbaren. Aber 2021 dürfte sie den Weg in den Deutschen Bundestag einschlagen.

„Wir brauchen eine starke Linke, die verankert ist in Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, die innerhalb und außerhalb der Parlamente für soziale Gerechtigkeit, ökologischen Umbau, Antirassismus, mehr Demokratie und konsequente Friedenspolitik eintritt, die konkrete Kämpfe unterstützt und eine antikapitalistische Perspektive aufzeigt“, schrieb Wissler in ihrer Erklärung am Freitag.

Monatelang hat Wissler mit der Entscheidung gezögert. In Hessen ist die Marathonläuferin, Wanderin und Radfahrerin in den eigenen Reihen unangefochten. Sie zählt zu den besten Rednerinnen des Landtags, ist schlagfertig und in Sachfragen sattelfest. Zudem hat Wissler mehrfach das Zugpferd der Linken im Wahlkampf gegeben und entscheidend dazu beigetragen, dass die Partei seit 2008 immer wieder in den Landtag in Wiesbaden eingezogen ist – wenn auch mehrfach nur hauchdünn. Dort hat sich die Linke Ansehen erarbeitet, etwa durch ihren unermüdlichen Beitrag, rechten Terror aufzuarbeiten. Zugleich ist gerade Wissler, die der trotzkistischen Gruppierung „Marx 21“ (früher „Linksruck“) angehört, ein rotes Tuch für die CDU.

Wissler gilt als knallharte Oppositionspolitikerin, die keinerlei Drang verspürt, in eine Regierung zu gehen. Sperren würde sie sich aber sicher nicht. Erfahrungen mit rot-grün-roten Verhandlungen bringt sie jedenfalls mit. Die gab es 2008 und 2013 in Wiesbaden. Erst scheiterte die Zusammenarbeit an Abweichlern in der SPD, fünf Jahre später bevorzugten die Grünen die Koalition mit der CDU.

Angesichts der aktuellen Umfrage sieht es für die Linke auch im Bundestag weiter nach Opposition aus. Damit kennt sich Wissler aus, als scharfe Widersacherin der CDU-geführten Landesregierung, die Bundespolitikern bisher nur in Talkshows Kontra gegeben hat.

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