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Chefärztin Hiyam Marzouqa hat in Würzburg studiert.
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Chefärztin Hiyam Marzouqa hat in Würzburg studiert.

Bethlehem

Ein Ort für die kleinsten Kranken

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Ein Besuch in der Kinderklinik von Bethlehem.

Yazan befand sich in besorgniserregendem Zustand, als er, ein zwölfjähriger palästinensischer Flüchtlingsjunge, im Juni in das Caritas Baby Hospital (CBH) in Bethlehem eingeliefert wurde. Die Eltern hatten ihn zuvor bereits in zwei Kliniken in Hebron gebracht, nachdem er unter starken Kopf- und Bauchschmerzen und hoher Temperatur litt. Man hatte ihm fiebersenkende Mittel verabreicht, aber es ging ihm immer schlechter.

Auch den Ärzt:innen im CBH, dem einzigen Kinderspital im Westjordanland, gab der Fall zunächst Rätsel auf. Yazans Infektionsindikator schlug hoch aus. Eine MRI-Untersuchung deutete auf Hirnhautentzündung hin. Doch der Verdacht auf Meningitis bestätigte sich im Test nicht. Derweil ging es Yazan immer schlechter, er musste auf die pädiatrische Intensivstation.

Erst eine zusätzliche Blutuntersuchung, bei der Covid-19-Antikörper entdeckt wurden, ergab die richtige Spur. Der Junge war an MIS-C erkrankt (Multisystem Inflammatory Syndrom in Children), bekannt auch als Pims (das P steht dabei für pädiatrisch): Ein Entzündungssyndrom, das diverse Organe in Mitleidenschaft zieht und nach einer Corona-Infektion auftreten kann. Bis dahin hatte Yazans Familie keine Ahnung, dass der Junge zuvor unbemerkt eine zunächst harmlos verlaufende Covid-Infektion überstanden hatte.

Virus grassiert in Schulen

Mindestens drei Fälle von Pims hat das Bethlehemer Hospital inzwischen erfolgreich behandelt. Der jüngste wurde Ende November diagnostiziert und betraf ein elf Monate altes Baby, berichtet Chefärztin Hiyam Marzouqa. Weitere werden vermutlich folgen. Die Geburtsstadt Christi zählt auch heute wieder zu den Spitzenreitern in der Corona-Statistik der palästinensischen Autonomiegebiete.

Gerade in den Schulen Bethlehems grassiert Covid-19. Ganze Klassen sind wegen der hohen Infektionsrate derzeit dicht. Nach ihrem Eindruck, so die CBH-Chefärztin, „bringen die Kinder das Virus nach Hause“. Ein Grund mehr, warum „Doktor Hiyam“, wie sie genannt wird, den Eltern empfiehlt, sich und ihre Kinder impfen zu lassen. Genug Vakzine gibt es nun auch in den palästinensischen Gebieten. Aber die Vorbehalte, auf die Marzouqa stößt, sind groß: „Viele denken, wir haben hier mehr Probleme, als uns mit Corona zu beschäftigen.“

Niedrige Impfquote

Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation von Mitte November sind 53 Prozent der Palästinenser:innen über 16 Jahren geimpft. Im benachbarten Israel haben mehr als 67 Prozent im Alter ab fünf Jahren mindestens zwei oder, zum geringeren Teil, drei Biontech-Spritzen erhalten. Allerdings schützt erst der dritte Booster-Shot laut aktueller Studie des Sheba Medical Centers in Tel Aviv halbwegs effektiv vor der besonders infektiösen Virus-Variante Omikron.

Dabei ist auch in Israel die Impfquote unter den Jüngsten am geringsten, während mehr als die Hälfte der Neuansteckungen derzeit Kinder betrifft. Das Risiko, an Long Covid oder Pims zu erkranken, ist für sie zwar klein. Das lebensgefährliche Syndrom betrifft offenbar nur 0,1 Prozent der infizierten Kinder. Trotzdem wird Covid-19 inzwischen zu den Top Ten der Todesursachen unter den Fünf- bis Elfjährigen gerechnet.

Der kritische Zustand von Yazan, bei dem infolge des PIM-Syndroms Herzmuskel und Nieren zu versagen drohten, besserte sich durch intravenös verabreichtes Immunglobulin. Nachuntersuchungen ergaben keine Langzeitschäden. Nicht zuletzt scheint seine Therapie vom inoffiziellen Austausch zwischen israelischem und palästinensischem Medizinpersonal profitiert zu haben. „Man vergisst da die Politik“, sagte Marzouqa, die in Würzburg studiert hat. Das Gesundheitsministerium in Ramallah hat 100 Covid-Testproben nach Israel geschickt, um sie auf Omikron hin analysieren zu lassen. Ein Verfahren, das es in Palästina noch nicht gibt.

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