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Staatspräsident Jitzchak Herzog und seine Frau Michal feiern seine Wahl in der Knesset.
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Staatspräsident Jitzchak Herzog und seine Frau Michal feiern seine Wahl in der Knesset.

Israel

Ein Herzog wird Präsident

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Israels Parlament wählt einen geübten Diplomaten an die Staatsspitze.

Im Kontrast zum dramatischen Ringen um eine Regierungskoalition verlief quasi zeitgleich die Wahl des künftigen Staatsoberhaupts in Israel höchst unspektakulär. Wie erwartet, gewann der Favorit, Isaak (Jitzchak) Herzog, ehemals Chef der Arbeitspartei und zuletzt Vorsitzender der Jewish Agency, am Mittwoch eine breite Mehrheit in der Knesset. 87 Stimmen entfielen auf ihn, 37 auf die Gegenkandidatin Miriam Peretz, eine preisgekrönte soziale Aktivistin und Mutter zweier gefallener Soldaten, die dem nationalreligiösen Lager nahesteht.

Er wolle „jedermanns Präsident“ sein und „Brücken bauen“ innerhalb der zerrissenen israelischen Gesellschaft, aber auch „zu unseren Brüdern und Schwestern in der Diaspora“, betonte Herzog. Ein Rollenverständnis, das er mit Amtsinhaber Reuven Rivlin teilt, der nach sieben Jahren am 9. Juli abdankt.

Herzog werde „zweifellos einen exzellenten Job machen“, pries Rivlin seinen Nachfolger. Dieser „Job“ beinhaltet neben repräsentativen Pflichten ein Begnadigungsrecht sowie die Aufgabe, nach Parlamentswahlen den Regierungsauftrag zu vergeben. Der 60-jährige Herzog bringt dafür politische Erfahrung mit. Gratulationen erhielt er nahezu parteiübergreifend.

Gratulation von allen Seiten

Besonders herzlich würdigte ihn Oppositionschef Jair Lapid. Herzog sei ein „wundervoller Mensch, der stets auf das Wohl des Landes und des jüdischen Volkes fokussiert ist“. Im Namen aller Israelis wünschte ihm auch der geschäftsführende Premier Benjamin Netanjahu Glück. So viel Konsens gab es lange nicht im Parlament, das allein entscheidet, wer in die Jerusalemer Präsidentenresidenz Beit Hanessi einzieht.

Als Sohn von Chaim Herzog, der als Israels höchster Repräsentant von 1983 bis 1993 diente, kennt sich der frisch Gekürte dort aus. Sein Großvater war zudem erster aschkenasischer Oberrabbiner nach Staatsgründung. Die Familie Herzog zählt gewissermaßen zur „israelischen Aristokratie“.

Zu Jitzchak Herzogs Werdegang gehört denn auch der Besuch von Eliteschulen in USA während der Jahre, als sein Vater UN-Botschafter in New York war. Nach dem israelischen Militärdienst studierte er Jura in Tel Aviv, ging später in die Politik und wurde Kabinettssekretär unter Ehud Barak. Als Labour-Abgeordneter übernahm er diverse Ministerposten und 2013 den Parteivorsitz.

Sein Unterfangen, mit Zipi Livni eine linksgemäßigte zionistische Union zu bilden, um Netanjahu abzulösen, scheiterte allerdings. „Bougie“, so sein Spitzname (den, wie Herzog einmal bekannte, ihm ein französisches Kindermädchen wegen seines süßen Aussehens in jungen Jahren verpasst habe), galt vielen in der israelischen Machogesellschaft als „zu soft“, mithin ungeeignet als Premier. 2018 wurde er als Labour-Chef abgewählt.

In der Jewish Agency allerdings, wo er sich dem Kampf gegen Antisemitismus verschrieb, hatte er gerade wegen seines höflich diplomatischen Auftretens Erfolg. Qualitäten, die ihm auch als Staatspräsident zugute kommen dürften. In dieser Rolle, heißt es, könnte der nicht eben volksnahe Herzog wie einst Schimon Peres noch populär werden.

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