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Er gilt als etwas spröde, doch beim Essen mit jungen Delegierten seiner Partei gibt sich Barnier betont lässig.
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Er gilt als etwas spröde, doch beim Essen mit jungen Delegierten seiner Partei gibt sich Barnier betont lässig.

2022

Präsidentschaftswahl in Frankreich: Michel Barnier - ein Gentleman im Getümmel

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
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Mehr Taten als Worte: Der Ex-Brexit-Unterhändler der EU, Michel Barnier, will Frankreichs nächster Präsident werden.

Frankreich - Er überragt sie alle um einen Kopf und sticht auch sonst aus dem Kandidatenpulk heraus: Michel Barnier, einem breiten Publikum bekannt als Chefunterhändler des britischen EU-Austritts, tritt im kommenden April bei den französischen Präsidentschaftswahlen an. In Paris und seiner Partei „Les Républicains“ gilt der 70-Jährige als Außenseiter aus den Alpen.

Trotz einer fast 50-jährigen Politkarriere – er war 1978 der jüngste Abgeordnete der konservativen Gaullisten – zählt der Weißhaarige nicht zum inneren Kreis der Parteiapparatschiks. Seine Distanz zum Pariser Polit- und Medienzirkus gilt jedoch als Vorteil in einem Land, das keine großen Stücke auf seine Politikerinnen und Politiker hält. Barniers interne Widersacher:innen, etwa Xavier Bertrand oder Valérie Pécresse, stammen dagegen aus dem Parteikader.

Wahl in Frankreich: Internetbefragung der Mitglieder

Barnier spielt deshalb bewusst seine „alpine“ Karte: Im April hat er in einem Erinnerungsbuch beschrieben, wie er 1992 zusammen mit dem Ski-As Jean-Claude Killy die olympischen Winterspiele von Albertville organisiert hatte. Mangels konsolidierter Umfragen sind seine Chancen schwer einzuschätzen.

Die Republikaner haben am Montag mit einer großangelegten Internetbefragung ihrer Mitglieder begonnen. Sie ist an sich nicht verbindlich, doch soll sich daraus der Spitzenkandidat oder die -kandidatin herausschälen. Das ist wohl ein frommer Wunsch: Ex-Minister Bertrand hat zum Beispiel bereits erklärt, er werde sich nicht an diese verkappte Primärwahl halten und auf jeden Fall antreten.

Frankreich: Barnier und Macron können nicht miteinander

Barnier bezeichnet sich dagegen als „loyaler“ Kandidat, der die Parteibeschlüsse befolgen werde. Er setzt darauf, dass die Franzosen nicht mehr einen forschen Jungreformer wie Emmanuel Macron wollen, sondern einen besonnenen Veteranen mit Maß und Erfahrung. Einer, der die Nation nicht mit schönen Worten verführt, sondern mit Taten überzeugt – so wie er die Olympischen Spiele und den Brexit gemeistert hat.

Politisch steht Barnier für einen ähnlichen Kurs wie Präsident Macron: Er will die Arbeit aufwerten, den Klimawandel bekämpfen und die Immigration mit einem einstweiligen Moratorium stoppen. Persönlich können die beiden aber nicht miteinander. Barnier hat es Macron nicht verziehen, dass dieser für den EU-Kommissionsvorsitz 2019 nicht ihn, den erfolgreichen Brexit-Manager, vorschlug, sondern die Deutsche Ursula von der Leyen.

Wahl in Frankreich: Barnier will Präsident eines „versöhnten“ Landes sein

Barnier erklärte deshalb bei der Verkündung seiner Kandidatur, er wolle Präsident eines „versöhnten“ Landes sein. Das richtete sich direkt gegen den amtierenden Präsidenten, der trotz seines Mittekurses als Spalter der Nation wahrgenommen wird.

Ob der technokratische Barnier die Franzosen hinter sich scharen kann, ist aber unsicher. Seine spröde Gentlemanhaltung passt nicht gut ins mediale Zeitalter. Aber sie wirkt authentischer, weniger gekünstelt als Macrons telegene Wortgewandtheit, von der die Französinnen und Franzosen anscheinend genug haben.

Elysee-Palast: Bloß nicht Marine Le Pen

Viele wollen bei den nächsten Präsidentschaftswahlen vor allem eines verhindern – eine Neuauflage des von den Medien angekündigten Stichwahlduells zwischen Emmanuel Macron und der Rechtspopulistin Marine Le Pen. Aus diesem Grund wittern die bereits totgesagten klassischen Parteien Morgenluft. Laut den meisten Politikfachleute wird sich das Rennen in Frankreich in der rechten Mitte entscheiden.

Sollten sich die Republikaner aber nicht auf eine Kandidatur einigen können und intern zerfleischen, könnte auch die Linke wieder aus der Versenkung hochkommen. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo will für die Sozialisten dieser Tage ins Rennen gehen, und der Linksaußen Jean-Luc Mélenchon steht schon bereit. Ein gegenseitiger Verzicht der beiden scheint allerdings völlig unrealistisch.

Frankreich verfolgt Bundestagswahl in Deutschland

Umso genauer verfolgt man in Paris die Bundestagswahl in Deutschland. Ein Erfolg der SPD wäre ein Fanal für die französische Linke. Und ein Zeichen, dass sich auch in Frankreich die angekündigten Favoriten auf der Rechten nicht unbedingt durchsetzen müssen. Fast scheint es, als würde der französische Wahlkampf erst nach Bundestagswahl richtig durchstarten.

Derweil wird bei der Regionalwahl in Frankreich das Abschneiden von Marine Le Pens Partei mit Spannung beobachtet. In der ersten Wahlrunde hatte die Partei Rassemblement National nur wenig Erfolg – wird sich dies auch durch die zweite Runde ziehen? Das Ergebnis ist entscheidend für die Präsidentschaftswahl in Frankreich. (Stefan Brändle)

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