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Venezolanerinnen warten auf ihre Corona-Impfung – und auf die Zukunft.
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Venezolanerinnen warten auf ihre Corona-Impfung – und auf die Zukunft.

Venezuela

Ein Funken Hoffnung in Caracas

  • Klaus Ehringfeld
    VonKlaus Ehringfeld
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In Venezuela machen Regierung und Opposition erstmals seit langer Zeit wieder Zugeständnisse und wollen gemeinsam daran arbeiten, das Land aus der Krise zu führen.

Es ist schon länger still geworden um den chronischen Machtkonflikt in Venezuela. Nicolás Maduro gegen Juan Guaidó, Chavisten gegen Opposition. Autokratie gegen Demokratie? 2019 war das Jahr, als das Ende der regierenden Linksnationalisten in Caracas nahe schien, nachdem sich der bis dahin unbekannte Parlamentspräsident Guaidó zum Übergangspräsidenten ausrief, den Sturz Maduros versprach und dafür von der halben Welt – darunter auch Deutschland – anerkannt wurde.

Wochenlang gingen seinerzeit Hunderttausende Venezolanerinnen und Venezolaner auf die Straßen. Lang ist das her, Maduro sitzt aber weiterhin so fest im Sattel wie eh und je. Und Guaidó? Von dem sind die Venezolaner komplett enttäuscht. Er kommt derzeit gerade noch auf eine Zustimmungsrate von elf Prozent, wie das Meinungsforschungsinstitut Datanalísis im März ermittelte. Vor drei Jahren waren es noch 77 Prozent.

Es drangen zuletzt vor allem erschreckende Nachrichten aus dem südamerikanischen Land: prekäre Nahrungsmittelversorgung, Hungersnot, Impfstoffknappheit, kollabierende Krankenhäuser. Während sich die Konfliktparteien in ihren politischen Schützengräben eingerichtet haben, leidet wie immer in diesen Konflikten die Bevölkerung am meisten. Die Corona-Pandemie hat ein Land im permanenten Krisenmodus in einen internationalen Notfall verwandelt.

In diesem Panorama wundert es nicht, dass die Venezolaner keine Zeit und keine Nerven mehr haben, um für einen Regierungswechsel zu demonstrieren. Das tägliche Überleben ist aufreibend genug.

„Essen und Covid-19 überleben“, das seien seit langem die Hauptprobleme der Venezolaner, sagt José Gregorio Ochoa, Aktivist in dem Armenviertel Carapita im Westen der venezolanischen Hauptstadt. Die Verschärfung der Hyperinflation und die schleichende Dollarisierung der Wirtschaft haben die Ungleichheit noch mal verschärft. Neben der ständigen Suche nach Arbeit, um an Geld zu kommen, müssen sich die Menschen jetzt auch noch um die Beschaffung von Treibstoff und Kochgas kümmern. Und sich vor der Pandemie schützen.

Aber auch die Regierung kommt nicht weiter und ist wirtschaftlich am Ende, fördert immer weniger Öl und ist international isoliert. Die Sanktionen lassen den Machthabern in Caracas kaum noch Luft zum Agieren. Vor allem deshalb wollen die Chavisten jetzt wieder an den Verhandlungstisch zurück und willigen in einen entsprechenden Vorschlag Guaidós von Mitte Mai ein.

Gegenwärtig laufen Sondierungsgespräche unter Führung Norwegens zwischen den Konfliktparteien. Das Misstrauen bei der Opposition ist riesig, denn in den vergangenen Jahren verliefen alle Annäherungs- und Gesprächsversuche im Sand. Die Chavisten wollten nie Zugeständnisse machen, sondern immer nur Zeit gewinnen. Aber jetzt könnte es sein, dass es Maduro und Co. ernst meinen.

Die Unregierbarkeit droht

Der Schriftsteller Alberto Barrera Tyzka hält die Rückkehr an den Verhandlungstisch für die einzig mögliche Chance auf einen Ausweg. „Beide Seiten sind mit ihren Alles-oder-nichts-Strategien gegen die Wand gefahren.“ Jetzt müssten Opposition und Regierung tun, was sie am meisten hassen: sich gegenseitig anerkennen. Verhandlungen seien nicht „ideal, aber möglich“, betont Barrera Tyzka. Und sie müssten sich darauf konzentrieren, Verbesserungen und Erleichterungen für die Bevölkerung zu vereinbaren.

Tatsächlich kann das der einzige Leitfaden sein. Denn Venezuela leidet unter gleich mehreren Krisen auf einmal: einer politischen mit Parallelregierungen und Parallelparlamenten sowie einem fast absoluten wirtschaftlichen Debakel mit der annähernd vollständigen Zerstörung des produzierenden Industrie. Als sei das nicht genug, schlittert das einst wohlhabende Ölland immer weiter in eine Unregierbarkeit, die gepaart ist mit starker Präsenz des Organisierten Verbrechens, Drogenhandel und illegalem Bergbau in der Amazonasregion.

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