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Wie James Bond: Putin (vorne) und Lukaschenko (hinten) im Schnee.
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Wie James Bond: Putin (vorne) und Lukaschenko (hinten) im Schnee.

Russland

Ein Bittsteller aus Minsk

  • Stefan Scholl
    vonStefan Scholl
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Belarus-Diktator Lukaschenko sucht wieder die Nähe zu Moskau – um sich wahrscheinlich einen gehörigen Rüffel und neue Instruktionen von Putin zu holen. Und neues Geld.

Wladimir Putin trug Jeans, dazu ein Hemd mit offenem Kragen. Alexander Lukaschenkos Freizeitjacke war nur halb geschlossen. „Ich hoffen sehr, wir werden gemeinsam etwas Zeit verbringen, uns erholen“, sagte Putin und lud Lukaschenko zum Skifahren ein. Der bemühte sich ebenfalls um Entspannung. „Unsere Kleidung zeigt schon, wir werden ernsthafte Verhandlungen führen, aber wir sind einander nahe Menschen.“ Putin lächelte dünn.

Am Montag empfing der russische Präsident seinen weißrussischen Kollegen im Schnee des Nordkaukasus, unweit von Putins Sommerresidenz in Sotschi. Vor den TV-Kameras plauderten die beiden über Warenverkehr und Austausch von Studierenden, Lukaschenko kündigte für den Herbst einen eigenen Impfstoff gegen Corona an, lobte gleichzeitig das russische Serum: Die ganze Welt erkenne an, es sei am effektivsten. Putin erwiderte hochzufrieden, die Infektionsraten in Russland seien siebenmal niedriger als in Südfrankreich.

Gast in Bringschuld

Dann zogen sich beide zurück, um, so Putin, ihre strategische Partnerschaft in Energie, Kultur, Wirtschaft und Regionalentwicklung zu erörtern. Lukaschenkos Pressedienst hatte vorher angekündigt, es solle auch um gemeinsame Reaktionen auf neue, auch militärische, Herausforderungen gehen.

Tatsächlich sollte es für Lukaschenko in Sotschi unangenehm werden, schätzte der Moskauer Weißrussland-Experte Andrej Susdalzew: „Bei seinem jüngsten Treffen mit Putin vergangenen September hat er sich verpflichtet, einen nationalen Dialog zu beginnen, eine Verfassungsreform und Wahlen durchzuführen. Nichts davon hat er getan, sondern die Demonstrationen seiner Gegner mit Polizeigewalt gesprengt.“ Nach dem Septembertreffen war aus dem Kreml nahe Quellen zu hören, der zuhause heftig umstrittene Lukaschenko werde seine Macht binnen ein bis eineinhalb Jahren abgeben. Anfang Februar erwiderte der Dauerpräsident, so ein Prozess werde sich bis zu fünf Jahre hinziehen. Und ließ durchblicken, er wolle auch danach die Kontrolle behalten.

Nach der ersten Unterredung verschwanden der Russe und sein Gast auf Motorschlitten im Schneetreiben. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe war Putins Reaktion bestenfalls Spekulation. Aber der weißrussische Politologe Waleri Karbalewitsch wird von dem Portal thinktanks.by damit zitiert, dass Putin Lukaschenko kaum bedingungslos unter Druck setzen werde, um dessen Abgang zu erzwingen: Die Lage in Belarus habe sich beruhigt, zudem habe Putin jüngst erst selbst Proteste niederschlagen lassen. Lukaschenko könne jetzt mit Recht sagen: „Wir zwei sitzen in einem Boot, wehren uns beide gegen Straßenrevolutionen.“

Aber Lukaschenko hatte noch ein Problem im Gepäck: „Er ist wirtschaftlich bankrott“, so Susdalzew. „Und er will von Russland wieder Geld, etwa drei Milliarden Dollar.“ Irgendetwas wird Lukaschenko bestimmt mit nach Hause nehmen. Aber Russlands Kredite, im September hatte Putin schon 1,5 Milliarden bewilligt, drohen für Belarus zum Klotz am Bein zu werden. Gerade erst verpflichtete man sich, einen Großteil des eigenen Benzins künftig statt über baltische über weiter entfernten russische Häfen zu exportieren, wie Putin es in Sotschi sagte: „Industrielle Zusammenarbeit ist wichtiger als direkte Finanzhilfe.“

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