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Die Latte liegt hoch: Chef Robert Habeck und Spitzenkandidatin Katharina Fegebank.

Katharina Fegebank

Eigentlich eine Grüne

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Die Hamburgerin Katharina Fegebank gibt sich betont wirtschaftsfreundlich - und klingt zuweilen wie die FDP. Ein Porträt.

Dass Bilder mächtiger sein können als Worte, das wissen auch die Grünen. Und so verlegten sie das Pressestatement anlässlich der Vorstands-Klausur am Montag flugs aus dem Tagungshotel an den Hamburger Hafen. Vor mächtigen Kränen im Hintergrund nahmen die Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck die Spitzenkandidatin bei der Bürgerschaftswahl, Katharina Fegebank, in die Mitte.

Die 42-Jährige – verheiratet mit einem Unternehmer und seit gut einem Jahr Mutter von Zwillingen – habe „eine gute Chance, das Ding nach Haus zu schaukeln“, sagte Habeck. Gemeint war: Erste Bürgermeisterin der Hansestadt zu werden und damit die erste Frau auf diesem Posten. „Die Wahl von Katharina entspricht der Dynamik von Hamburg am besten“, so der Mann aus dem benachbarten Schleswig-Holstein.

In den Umfragen liegen Hamburgs Grüne nur zwei bzw. drei Prozentpunkte hinter der SPD. Ihre Werte sind mit rund 26 Prozent mehr als doppelt so hoch wie 2015, als das Wahlergebnis 12,3 Prozent betrug. Dass die Grünen den sozialdemokratischen Bürgermeister Peter Tschentscher bei der Bürgerschaftswahl am 23. Februar als Chef der rot-grünen Koalition ablösen, ist nicht wahrscheinlich – aber auch nicht ausgeschlossen. Die Hamburger Grünen würden jedenfalls gern jenen in Hannover folgen; dort stellen sie mit Belit Onay den Oberbürgermeister.

Beim Bielefelder Grünen-Parteitag hatte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann den Ton angeschlagen. Es sei „nicht so schön, immer der einzige Grüne in der Ministerpräsidentenkonferenz zu sein“, rief er in die Halle. „Auf dieses Alleinstellungsmerkmal würde ich gerne mal verzichten.“ Darum finde er es „großartig, dass du diesen Führungsanspruch formulierst“, so der 71-Jährige an Fegebanks Adresse.

Zwar haben die Hamburger Grünen sich unter anderem gegen die Elbvertiefung ausgesprochen. Aus der öffentlichen Auseinandersetzung um die Krawalle beim G20-Gipfel hielt sich Landespartei aber weitgehend raus. Fegebank, die seit 2015 als Wissenschaftssenatorin amtiert, konzentriert sich auf die Ökonomie.

So forderte sie im kalten Wind der Hafenkulisse in Höhe von Dock elf, man müsse „noch mehr aus dieser Stadt machen, noch mehr aus ihr herausholen“. Weiter sagte Fegebank: „Wir brauchen eine starke Wirtschaft, die gemeinwohlorientiert ist und gleichzeitig klimaneutral wird.“ Diese zu schaffen, könne „aber nicht funktionieren, indem wir der Wirtschaft etwas überstülpen, unabgesprochen und undiskutiert Maßnahmen und Regularien ergreifen“. Ziel müsse vielmehr sein, „gemeinsam mit der Wirtschaft diesen Weg zu gehen“ – und zwar „aus einer Position der Stärke heraus“. Da sei Baden-Württemberg in der Tat vorbildlich. Schon beim Bielefelder Parteitag unterstrich Fegebank, entscheidend sei die Antwort auf die Frage: „Wie sichern wir die Arbeitsplätze von morgen?“

Das ist nicht der eher linke Sound der Grünen im Thüringer Landtag und schon gar nicht jener der Parteifreunde im Berliner Abgeordnetenhaus. Es klingt zuweilen nach FDP. Habeck beschloss die Klausurtagung in Hamburg mit der Bemerkung, in der Hansestadt werde politisch gerade „guter Sport“ geboten. Fegebank ließ wissen: „Wir spielen um Sieg, nicht um Platz.“

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