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Corona in Nordkorea: Kim Jong Uns Alleinstellungsmerkmal im Kampf gegen die Pandemie

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Von: Felix Lill

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Staatliche Bilder zeigen Machthaber Kim Jong Un beim Besuch einer Apotheke. Foto: -/KCNA/dpa.
Staatliche Bilder zeigen Machthaber Kim Jong Un beim Besuch einer Apotheke. © dpa

Das Coronavirus verbreitet sich in Nordkorea rasant, und Machthaber Kim Jong Un rügt die eigenen Behörden – es droht eine Regierungskrise. Auch Südkorea schaut besorgt gen Norden.

Die Mitarbeiter hätten versagt, lässt Kim Jong Un durch die Staatsmedien erklären. Laut der politisch kontrollierten Nachrichtenagentur Korean Central News Agency (KCNA) hat Kim „das Kabinett und den öffentlichen Gesundheitssektor stark für ihre verantwortungslose Arbeitseinstellung und Organisations- wie Durchführungsfähigkeit“ kritisiert. Medizinische Schutzvorkehrungen erreichten die Bevölkerung nicht rechtzeitig, die Verantwortlichen „verstehen die gegenwärtige Krise nicht.“

Die harschen Worte, die der Regierungschef und Diktator von Nordkorea wählt, lassen erahnen, wie rasant sich die Pandemie dieser Tage im weitgehend isolierten Land ausbreitet. Erst Mitte vergangener Woche vermeldete der abgeschottete Ein-Parteien-Staat zwischen China und Südkorea seinen ersten offiziellen Fall von Covid-19. Mittlerweile sind laut staatlichen Medienberichten 50 Personen gestorben, 1,2 Millionen haben Fiebersymptome – bei einer Bevölkerung von 26 Millionen Menschen ist das ein explosives Wachstum.

Corona in Nordkorea: Explosive Stimmung

Explosiv scheint aber auch die politische Stimmung im Land zu sein. Schließlich reagiert Kim Jong Un, der in dritter Generation die Kommunistische Partei Nordkoreas und damit den Staat anführt, ganz anders auf die Ausbreitung des Virus als Regierungschefs anderswo.

Als Corona zum Problem der öffentlichen Gesundheit wurde, erklärte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron dem Virus den Krieg. Der damalige US-Präsident Donald Trump spielte die Gefahren runter. Angela Merkel, im Frühjahr 2020 noch Deutschlands Kanzlerin, appellierte an die Geduld und Leidensbereitschaft der Nation.

Corona in Nordkorea: ein Alleinstellungsmerkmal Nordkoreas

Strategien der Krisenkommunikation hat es in den vergangenen zwei Pandemie-Jahren unterschiedliche gegeben. Öffentlich gegen die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Behörden und Gesundheitseinrichtungen zu schießen, diese quasi für das Chaos verantwortlich zu machen, ist auf diese Weise allerdings ein Alleinstellungsmerkmal Nordkoreas.

Offensichtlich fürchtet Kim Jong Un, der damit die Aufmerksamkeit von sich zu lenken versucht, um seine Legitimität als politischer Anführer eines krisenerprobten Landes. Schließlich sind auch die von Kim getroffenen Entscheidungen zumindest international umstritten.

Corona in Nordkorea: Hat der Güterverkehr das Virus eingeschleppt?

Als Ende 2019 der erste Fall von Covid-19 im benachbarten China festgestellt worden war, reagierte die nordkoreanische Regierung mit strengen Grenzschließungen. Was das Virus fernhalten sollte, schottete Nordkorea auch wirtschaftlich ab. Wichtiger Güterverkehr ins Land, das inmitten wiederholter Waffentests seit 2017 von weitreichenden UN-Handelssanktionen betroffen ist, wurde somit gestoppt. Erst seit Beginn dieses Jahres begannen Lieferungen wieder – und haben womöglich das Virus eingeschleppt.

Pandemiepolitisch schien die totale Isolation angesichts der Umstände ein sinnvoller Schritt. Schließlich dürften sich Einschränkungen wie Home-Office kaum durchsetzen lassen – was vornehmlich daran liegt, dass es außer für eine kleine Elite kein Internet gibt. Ökonomisch verschlechterte sich aber eine ohnehin schon angespannte Lage. Ein Bericht des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen befand im vergangenen Jahr, dass 42 Prozent der Bevölkerung unterernährt seien. In staatlichen Medien wird schon vermehrt von den Gefahren einer Dürre und diversen Schritten dagegen berichtet.

Corona in Nordkorea: einem Land droht die Überforderung

Kim Jong Un wiederum scheint zu verstehen, dass seine nunmehr zehn Jahre währende Regentschaft zumindest in letzter Zeit kaum noch als erfolgreich gesehen werden kann. Ende 2020 trat er unter Tränen vor die Öffentlichkeit und bat die Bevölkerung um Verzeihung, dass die Entwicklungsziele nicht erreicht wurden. Das überraschte, da sich Kim bis dato gern als starker und praktisch unfehlbarer Führer präsentiert hatte. Die offenbare Überforderung bei der Kontrolle der Corona-Pandemie wiederum scheint er sich nun nicht auch noch anlasten zu wollen.

Es ist zudem eine Überforderung, die im verfeindeten Bruderstaat Südkorea genau beobachtet wird. Seit dem Koreakrieg 1950 - 1953 befinden sich der kommunistische Norden und der liberal-kapitalistisch ausgerichtete Süden weiterhin formal im Kriegszustand. Die US-amerikanische Militärpräsenz im Süden sowie wiederholte Waffentests im Norden haben diversen Annäherungsversuchen immer wieder im Weg gestanden.

Corona in Nordkorea: Hilfe vom Klassenfeind in Südkorea unerwünscht

Humanitäre Krisen aber wirkten auch öfter schon als Anlass für Ansätze von Austausch und Hilfsbereitschaft. So sieht es zumindest seitens Südkoreas auch jetzt aus. Der dort erst seit einer Woche regierende Konservative Yoon Suk Yeol, der im Wahlkampf noch einen Konfrontationskurs gegen Nordkorea sowie die Aufrüstung Südkoreas angekündigt hatte, hat nun schon wiederholt die Lieferung von Impfstoffen und anderen medizinischen Gütern an den Nachbarn angeboten.

Aus Nordkorea wiederum ist laut dem südkoreanischen Wiedervereinigungsministerium bis jetzt jedoch keine Reaktion gekommen. Dort wendet man sich südkoreanischen Medienberichten zufolge lieber ans politisch befreundete China und bitte dort um Unterstützung, wo gerade auch mit dem Virus gekämpft wird. Vom Klassenfeind Hilfe anzunehmen würde womöglich als ein Zeichen der Schwäche verstanden, das sich Kim Jong Un gerade offenbar nicht leisten kann.

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