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Ukraine-Krieg: Russland tötet eigenen Deserteure

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Von: Lucas Maier

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An der russischen Front gibt es kein Zurück für die Soldaten. Wer es versucht, wird an der zweiten Front getötet. Telefonat enthüllt dramatische Situation.

Moskau – Immer wieder werden Vorwürfe laut, dass Russland auch Gewalt gegen die eigenen Soldaten anwenden soll. Ein abgefangenes Telefonat zwischen einem Soldaten und seiner Frau, zeigt nun, wie dramatisch die Lage wirklich ist.

Der Gesprächsmitschnitt wurde vom Nachrichtendienst der Ukraine am Donnerstag (27. Oktober) veröffentlicht. Bisher konnte der Inhalt nicht unabhängig verifiziert werden.

Russland im Krieg gegen die Ukraine: Wer die Front verlässt, wird getötet

In dem Telefonat, welches mit englischen Untertiteln veröffentlicht wurde, erzählt der Soldat seiner Frau, dass er sich keineswegs in einem Trainingslager befinden würde, sondern im Ukraine-Krieg. Er und seine Einheit befinden sich nach seiner Darstellung in einer zweiten Linie, hinter der eigentlichen Front, wie der Gesprächsmitschnitt belegt.

Ich habe eine neue Jacke gefunden, sie ist voller Blut, aber hält mich warm – was für ein Alptraum.“

Auszug aus dem Mitschnitt des Telefonats

Der Soldat kritisiert die Versorgungslage vor Ort, er berichtet davon, dass es häufig nichts zu essen gebe. Manchmal würden sie in die Stadt gefahren werden, wo sie von ihrem privaten Geld Wasser und andere Dinge kaufen könnten, so der Mann.

Telefonat mitgeschnitten: Ein russischer Soldat spricht von einer katastrophalen Situation im Ukraine-Krieg

Wo sich die Einheit des Soldaten genau befindet, ist nicht bekannt. Der Mann spricht davon, dass immer wieder Gefangene gebracht werden. Sie würden jedoch nicht bei der Einheit bleiben, sondern an die Front gebracht werden.

Telefonat zwischen Soldat und seiner Frau abgefangen: Er muss alle töten, die zurückwollen.
Telefonat zwischen Soldat und seiner Frau abgefangen: Er muss alle töten, die zurückwollen. (Symbolbild) © Yegor Aleyev/IMAGO

Die Aufgabe seiner Einheit beschreibt der russische Soldat wie folgt: „Wenn jemand zurückläuft, ersticken wir ihn.“ Hinter ihnen sei eine weitere Linie gezogen, sollte es jemand an seiner Einheit vorbeischaffen, werde er spätestens an dieser erschossen, so der Soldat.

Beschwerden in Russland unmöglich: Einheit nicht auf Territorium der Ukraine gelistet

In dem Telefonat mit dem russischen Soldaten beschwert sich seine Frau darüber, dass sie sich schon bei allen erdenklichen Stellen gemeldet hätten, um Beschwerde über die Bedingungen einzulegen, ohne jeglichen Erfolg. Die Einheit des Soldaten sei zudem lediglich als „im Training“ gelistet und nicht als im „Fronteinsatz“, wie der Soldat hinzufügt.

Berichte der US-Nachrichtenseite The Daily Beast, nach denen ukrainische Truppen russische Soldaten mit Schusswunden im Rücken gefunden hätten, untermauern das Bild, welches in dem Telefonat dargestellt wird. In den russischen Gefängnissen soll die Söldnergruppe Wagner immer wieder Gefangene rekrutieren, gelockt werden diese demnach mit der Aussicht auf Begnadigung.

„Für die Mehrheit der Insassen, die sich Wagner anschließen, es (jedoch) keine Gnadenfrist ist, sondern ein Todesurteil“, schreibt Yellow Folder, ein Kanal, der von ehemaligen Mitgliedern des russischen Bundesschutzdienstes betrieben werden soll. Es ist nicht der erste Fall, in dem russische Soldaten sich beschweren. (Lucas Maier)

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