Proteste gegen die Zustände in Schlachtbetrieben - ein Peta-Aktivist gibt den Sensenmann.
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Proteste gegen die Zustände in Schlachtbetrieben - ein Peta-Aktivist gibt den Sensenmann.

Tönnies

Ins eigene Fleisch geschnitten

  • Marina Kormbaki
    vonMarina Kormbaki
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Boykottaufruf und Lockdown-Forderung: Fleischproduzent Tönnies gerät unter Druck.

Angesichts des heftigen Corona-Ausbruchs beim Fleischproduzenten Tönnies verlangt der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach die umgehende Verhängung eines regionalen Lockdowns durch den Landkreis Gütersloh. Beim Fleischproduzenten in Rheda-Wiedenbrück war am Wochenende die Zahl der positiv auf das Virus getesteten Mitarbeiter auf mehr als 1000 angestigen.

„Bund und Länder haben Kontakt- und Ausgehbeschränkungen für den Fall von mehr als 50 Neuinfektionen pro Woche bei 100 000 Einwohnern vereinbart. Wann soll diese Regelung zur Anwendung kommen, wenn nicht jetzt im Landkreis Gütersloh?“, sagte Lauterbach auf Anfrage. Die Quarantäne der Beschäftigten könne nicht sauber überwacht werden, es fehlten zunächst Adressen Betroffener, und „das Unternehmen zeigt sich wenig kooperativ“, beklagte der SPD-Bundestagsabgeordnete. Er forderte die komplette Stilllegung der Arbeit in Deutschlands größtem Fleischbetrieb. „Der Betrieb müsste stillstehen, bis akzeptable Hygienebedingungen herrschen“, so Lauterbach. Nach Angaben des Landkreises wurde die Fabrik in Rheda-Wiedenbrück für 14 Tage geschlossen. Nachlaufarbeiten seien unter Arbeitsquarantänebedingungen allerdings noch möglich.

„Ich halte die Situation für brandgefährlich; die Eindämmung des Virus wird verschleppt“, sagte der Sozialdemokrat. „Es muss in dem Betrieb erhebliche Verstöße gegen Hygieneregelungen gegeben haben. Andernfalls wäre ein Ausbruch in dieser Größenordnung undenkbar“, sagte Lauterbach. Er rief die Führung des Fleischkonzerns Tönnies zur Zusammenarbeit auf: „Volle Kooperation ist angesichts dieser vollkommen unkalkulierbaren Gefährdungslage das Mindeste“, sagte Lauterbach.

Der Kreis Gütersloh und der Arbeitsschutz hatten sich in der Nacht zum Samstag Zugriff auf die Personalakten der Firma verschafft. „Das Unternehmen hatte es nicht geschafft, uns alle Adressen zu liefern“, sagte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) am Samstag bei einer Pressekonferenz. Daraufhin seien die Behörden am Freitagabend schließlich in die Konzernzentrale gegangen. Nun liegen 1300 Adressen von Wohnungen allein für den Kreis Gütersloh vor, wie der CDU-Politiker sagte.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sprach sich am Wochenende für einen Boykott von Produkten des Fleischkonzerns aus. „Es ist an der Zeit, dass die großen Supermarktketten sich nicht länger mitschuldig machen“, sagte er in der „Bild am Sonntag“ und forderte: „Sie sollten Tönnies-Produkte aus ihrem Angebot nehmen.“ Das „Gebaren der Fleischbarone, die nur auf Profit setzen“, und meinten, sich an keine Regeln halten zu müssen, sei ein Skandal. (mit epd)

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