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Der umstrittene Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson hat sich bei Papst Benedikt XVI. entschuldigt.

Bischof Richard Williamson

Eigenartige "Entschuldigung"

Der umstrittene Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson entschuldigt sich bei Papst Benedikt XVI. - nimmt aber nichts zurück.

Rom. Der umstrittene traditionalistische Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson hat Papst Benedikt XVI. um Entschuldigung gebeten. Seine Äußerungen seien "unbedacht" gewesen und er entschuldige sich für "das Leid und die Probleme", die er damit verursacht habe, erklärte Williamson in einem Schreiben, das am Freitag im Internet veröffentlicht wurde und an Kardinal Dario Castrillon Hoyos adressiert war. Dieser war mit der Rehabilitierung Williamsons und dreier anderer Bischöfe der ultrakonservativen katholischen Bruderschaft Pius X. befasst.

Williamson hatte jüngst im schwedischen Fernsehen erklärt, es gebe Beweismaterial, das gegen die mutwillige Vergasung von sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkriegs spreche. Es seien vielleicht 200.000 bis 300.000 Juden in Konzentrationslagern umgekommen, aber kein einziger von ihnen sei vergast worden. Der Papst hatte am Wochenende dennoch nach mehr als 20 Jahren die Exkommunikation von Williamson und den anderen drei Bischöfen aufgehoben.

Angesichts des "gewaltigen Mediensturms", den seine "unbedachten Äußerungen im schwedischen Fernsehen" hervorgerufen hätten, bitte er Castrillon Hoyos sein "aufrichtiges Bedauern" zu akzeptieren, das er ihm "und dem Heiligen Vater so viel unnötiges Leid und Probleme verursacht" habe, schrieb Williamson. Er dankte dem Papst ausdrücklich für die Aufhebung der Exkommunikation. Papstsprecher Federico Lombardi wollte nichts zu der Erklärung Williamsons sagen.

Jeder könne sie sich selbst ansehen. Aus Protest gegen die päpstliche Rehabilitierung brach das israelische Großrabbinat die Beziehungen zum Vatikan ab. Jüdische Gruppen protestiert vehement und sprachen von einem deutlichen Rückschritt im Verhältnis der beiden Glaubensgemeinschaften. Auch in Deutschland kam es zu einer schweren Belastung der katholisch-jüdischen Beziehungen.

Die Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, kündigte an: "Unter solchen Voraussetzungen wird es zwischen mir und der Kirche momentan sicher kein Gespräch geben." Der Papst reagierte am Mittwoch erstmals auf die Proteste nach der Rehabilitierung von Williamson. Er empfinde "volle und unstrittige Solidarität" mit den Juden, betonte Benedikt während einer öffentlichen Audienz in Rom. Der Mord an den Juden solle jedem Mahnung gegen das Vergessen und Leugnen sein.

Wegen der Äußerungen ermittelt die Staatsanwaltschaft Regensburg gegen Williamson wegen Volksverhetzung. Denn das Interview wurde in Zaitzkofen bei Regensburg gegeben. Dort ist ein Priesterseminar der Bruderschaft Pius X., der Williamson angehört. Diese hatte schon den Papst um Vergebung für die "dramatischen Konsequenzen" der Holocaust-Äußerungen gebeten. Der Generalobere der Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay, erklärte am Dienstag, er habe Williamson verboten, öffentlich über historische oder politische Fragen zu sprechen. Seine Ansichten gäben in "keiner Weise die Position der Gemeinschaft" wieder. (ap)

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