Hans-Jochen Vogel, ehemaliger Parteivorsitzender der SPD und Bürgermeister von München, aufgenommen bei einem Interviewtermin.
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Der frühere SPD-Chef Hans-Jochen Vogel ist tot.

Im Alter von 94 Jahren

Ehemaliger SPD-Chef Hans-Jochen Vogel gestorben – Parteigrößen betroffen

  • Tim Vincent Dicke
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Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Hans-Jochen Vogel zurückgezogen in einem Seniorenheim. Nun ist der ehemalige SPD-Chef gestorben.

  • Der SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel ist gestorben.
  • Er war Oberbürgermeister der bayerischen Hauptstadt München und später SPD-Parteivorsitzender.
  • Die letzten Jahre litt er unter einer schweren Krankheit und lebte im Seniorenheim.

München – Der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel ist tot. Er starb am Sonntag im Alter von 94 Jahren in München nach langer Krankheit, wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Umfeld der Familie erfuhr.

Ehemaliger SPD-Chef Hans-Jochen Vogel ist tot: Parteigrößen zeigen sich betroffen

Lars Klingbeil, Generalsekretär der SPD, schrieb auf Twitter: „Ich bin sehr traurig. Mit Hans-Jochen Vogel ist ein ganz großartiger Mensch von uns gegangen. Jemand der dieses Land über Jahrzehnte geprägt hat und dem wir alle viel zu verdanken haben. Seine fast wöchentlichen Briefe mit Gedanken waren ein wirkliches Highlight.“

Auch SPD-Europabeauftragter Udo Bullmann zeigte sich betroffen: „Wir trauern um Hans-Jochen Vogel. Mit seiner großartigen Persönlichkeit hat er die deutsche Sozialdemokratie geprägt.“ Katarina Barley schrieb auf Twitter: „Bis zum Schluss versorgte er uns Aktive mit Rat und Visionären Weitblick, zum Beispiel im Bereich Wohnungsbau.“

SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel: Eine Karriere mit Glanzpunkten und Niederlagen

Mit 34 Jahren wurde der 1926 in Göttingen geborene Professoren-Sohn Oberbürgermeister in München – und damit jüngstes Stadtoberhaupt einer deutschen Großstadt. Die 4444 Amtstage an der Isar prägten Vogel stärker als spätere Stationen. Er trug dazu bei, die Olympischen Spiele 1972 nach München zu holen. Wegen heftiger Auseinandersetzungen mit der SPD-Linken warf der damalige Vertreter der Parteirechten das Handtuch und ging in die Bundespolitik.

Die Karriere von Hans-Jochen Vogel war gezeichnet von vielen Glanzpunkten, aber auch Niederlagen: Bundesbau- und Bundesjustizminister, für knapp vier Monate Regierender Bürgermeister in Berlin, SPD-Partei- und Fraktionschef – und Kanzlerkandidat. Doch da unterlag er Helmut Kohl.

In der SPD galt Vogel zeitlebens als gutes Gewissen mit unerschütterlichen moralischen Grundsätzen. Abgesehen vom großen Thema „soziale Gerechtigkeit“ trieb Vogel bis ins hohe Alter aber noch ein anderes Problem um: der drohende Zerfall Europas. Schon als der Austritt Großbritanniens aus der EU sich erstmals abzeichnete, sagte Vogel, dass 70 Jahre Frieden in Europa nur durch die Überwindung des Nationalismus möglich geworden seien.

Der damalige Oberbürgermeister von München, Hans-Jochen Vogel (r), stärkt sich während der Fahrt in einer offenen Kutsche beim traditionellen Trachtenumzug zum Oktoberfest mit einem Schluck Bier aus einem Maßkrug.

Hans-Jochen Vogel: Bis zu seinem Tod verschmähte der frühere SPD-Chef Handy und Computer

Seine Parkinson-Erkrankung hatte Vogel erst wenige Jahre vor seinem Tod öffentlich gemacht, bis zuletzt lebte er mit seiner Frau Liselotte in einer Seniorenresidenz in München. Hier ließ er sich – sofern es seine Gesundheit zuließ von Freunden – von Journalisten und auch Parteifreunden besuchen. Mit ihnen diskutierte er dann auch gerne über hochaktuelle Fragen wie die Flüchtlingskrise oder die Gefahren, die rechten Strömungen ausgehen. Wer Vogel erreichen wollte, der brauchte aus heutiger Sicht viel Geduld – bis zu seinem Tod verschmähte er Handy und Computer. (tvd/dpa)

Die Arte-Dokumentation „Gerhard Schröder – Schlage die Trommel“ zeigt das Leben des SPD-Politikers aus einfachen Verhältnissen bis zum Aufstieg zur Macht und seine Aktivitäten als Alt-Kanzler.

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