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CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer fühlt sich falsch verstanden.

Bayern

Ehemalige CSU-Größen kritisieren Scheuer

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CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sorgt nach seinen Äußerungen über Flüchtlinge für Empörung. Doch der Bayer fühlt sich zu Unrecht attackiert.

SPD und Grüne zum Schäumen zu bringen, gehört zum Aufgabenspektrum eines CSU-Generalsekretärs. Dass deren Fraktionschefs im bayerischen Landtag, Margarete Bause und Markus Rinderspacher, persönlich seine Ablösung fordern, kommt dennoch nicht alle Tage vor. Doch so recht kann sich Andreas Scheuer des Erfolges seiner Rot-Grün-Reizung nicht freuen. Denn diesmal finden auch einige nicht unwichtige Herren in der eigenen Partei, er sei über das Ziel hinausgeschossen. Auch in der Katholischen Kirche, ebenfalls nicht unwichtig in Bayern, ist man „not amused“ über den forschen 41-Jährigen aus Passau.

Es geht um zwei Sätze. Scheuer hat sie in einem Polittalk des Bayerischen Fernsehens gesagt: „Das Schlimmste ist ein Fußball spielender ministrierender Senegalese, der über drei Jahre da ist. Weil, den wirst Du nie wieder abschieben.“ Da hilft es auch nichts, dass er sich hernach in allen möglichen Erläuterungen erging, er habe ja niemanden persönlich gemeint, sondern nur die Schwierigkeiten des deutschen Abschiebungsrechts samt der dazugehörigen praktischen Probleme plastisch darstellen wollen – die Empörung brach über den Parteimanager herein. So manchen erinnerte er an AfD-Vize Alexander Gauland, der gemutmaßt hatte, dass der deutsche Nationalspieler Jérôme Boateng zwar wegen seiner Fußballkunst geschätzt werde, dass ihn aber viele wegen seiner Hautfarbe nicht zum Nachbarn haben wollten.

"Futter für Rechtspopulisten"

Als Erste traten Kirchenvertreter Scheuer entgegen, an der Spitze der Vorsitzende der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx: „Diese Tonlage ist nicht hilfreich für die Integration Hunderttausender Flüchtlinge.“ Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte: „So redet man nicht über Menschen.“ Derlei Sätze seien „Futter für Rechtspopulisten“. Auch in der CSU gab es Gegrummel, wie zu hören ist, aber zunächst wagte niemand, sich öffentlich zu äußern.

Doch dann passierte, was in derlei Fällen häufiger geschieht: Zwei ältere Herren meldeten sich zu Wort, die sich keinerlei Parteidisziplin mehr verpflichtet fühlen. Jedenfalls in Fragen politischer Ethik. Der CSU-Ehrenvorsitzende Theo Waigel mahnte: „Wir müssen Obacht geben, dass wir, wenn wir konservative Wähler wollen, nicht die kirchlichen Wähler verprellen.“ Alois Glück, früherer Landtagspräsident und erfahrener CSU-Programmatiker, ging noch einen Schritt weiter. Er warnte vor einem „gefährlichen Entfremdungsprozess“ zwischen der CSU und sozial engagierten Bürgern. „Die Gesamtpartei leidet immer wieder unter der Sprache einiger ihrer Akteure.“

Es gibt durchaus auch CSU-Mitglieder, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Sie dürften von den Äußerungen nicht begeistert sein. Was Horst Seehofer seinem „General“ unter vier Augen gesagt hat, ist nicht bekannt. Öffentlich sprach er von einem Missverständnis. Nur er könnte Scheuer von seiner Aufgabe entbinden. Der CSU-Chef ist dafür bekannt, dass er bereit ist zu handeln, wenn die Lage auch für ihn ungemütlich wird. Dann nutzen Scheuer auch seine guten Nerven nichts mehr.

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