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Ölbohrungen im Regenwald: Ecuador gibt weiteres Gebiet im Yasuní-Nationalpark frei

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Von: Delia Friess

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Die Regierung in Ecuador erteilt die Erlaubnis, weitere Gebiete des Regenwaldes im Yasuní-Nationalpark für Ölbohrungen zu erschließen. Eine Katastrophe für den Artenschutz.

Quito - Der Yasuní-Nationalpark beherbergt eine einzigartige Artenvielfalt: seltene und vom Aussterben bedrohte Säugetiere, Vögel, Insekten und Pflanzen. Immer wieder entdecken Forscher:innen hier bisher noch unbekannte Arten. Das Regenwaldgebiet sorgt außerdem auch dafür, dass der Rest der Welt atmen kann.

Eine Stichflamme schlägt am 23.10.2015 aus einer Ölförderstelle nahe des Yasuní-Nationalparks bei der ecuadorianischen Stadt Coca.
Eine Stichflamme schlägt am 23.10.2015 aus einer Ölförderstelle nahe des Yasuní-Nationalparks bei der ecuadorianischen Stadt Coca. © Georg Ismar

Yasuní-Nationalpark: Ecuador gibt Regenwald für Ölbohrungen frei

Doch das Gebiet ist bedroht: Ecuadors neuer rechtsgerichteter und neoliberaler Präsident Guillermo Lasso, ein Ex-Coca-Cola-Manager, hat nun weiteren Ölbohrungen im Ishpingo-Ölfeld, einem Biodiversitäts-Hotspot, vergangene Woche die Freigabe erteilt, wie die Regierung am Mittwoch (13.04.2022) mitteilte - pünktlich zum Erscheinen des neuen IPCC-Berichtes, der einmal mehr dringend vor den irreparablen Folgen des Klimawandels für die Menschheit und die Erde warnt. Der dazugehörige Bericht des IPBES, des Welt-Biodiversitätsrats, erschien bereits 2019, und macht deutlich, wie dramatisch die Situation ist. Nicht nur in Lateinamerika, auch in den USA und der EU sinkt die Biodiversität demnach drastisch.

Das Vorgehen von Ecuadors Regierung erinnert an den Umgang des brasilianischen Populisten Jair Bolsonaro mit dem brasilianischen Amazonasgebiet. Im Nationalpark liegen drei große Ölfelder: Ishpingo, Tambococha und Tiputini. Schon vor einigen Jahren gingen die ersten Ölplattformen des staatlichen Ölunternehmens Petroamazonas im Park in Betrieb, um zwei Ölfelder zu erschließen. Über hundert Bohrlöcher sorgen seither für Lärm im Regenwald. Dieser stört viele Tiere, die auch über Laute kommunizieren. Besonders Amphibien sind betroffen, die laut dem IPBES-Report mit am stärksten vom Aussterben bedroht sind. Zudem gehen die Ölförderungsanlagen mit Entwaldung und dem Zuzug von Menschen einher.

Ölbohrungen im Yasuní-Nationalpark: Ecuador erteilt Erlaubnis für weitere Erschließung des Regenwaldes

Die Ölplattformen sollen über Jahrzehnte in Betrieb bleiben. Man kann sich also das Ausmaß an Umweltzerstörung über die Jahre vorstellen. Zusätzlich berichten die indigenen Völker laut einem Bericht des Wissensportals Spektrum der Wissenschaft von vermehrten Krebsfällen, Leber- und Niederproblemen, Fehlgeburten und Hautausschlägen, seit die Ölplattformen da sind. Auch Fische soll es durch die Verseuchung des Wassers in einigen Gebieten kaum noch geben. Zwar arbeitet die Ölindustrie professioneller als vor einigen Jahrzehnten, dennoch werde auch mit Lecks und Unfällen gerechnet.

Das dritte von insgesamt drei Ölfeldern war bis zuletzt umkämpft. Hier leben auch die isolierten indigenen Völker Kichwa und Huaorani - größtenteils ohne jeden Kontakt zur Außenwelt. Auch deshalb steht das Ölprojekt in der Kritik: Die Stämme müssen sich wegen der Ölerschließung in anderen Gebieten bewegen.

Yasuní-Nationalpark: In der vergangenen Woche gab Ecuadors Regierung die Genehmigung das dritte Ölfeld zu erschließen.
Yasuní-Nationalpark: In der vergangenen Woche gab Ecuadors Regierung die Genehmigung das dritte Ölfeld zu erschließen. © Georg Ismar / dpa

Yasuní-Nationalpark in Ecuador: Ölindustrie darf in weiterem Gebiet im Regenwald bohren

Am Ende fiel in Ecuador mit Präsident Guillermo Lasso die Entscheidung dann ganz schnell. Der Erschließung des Ishpingo-Ölfeldes ging jedoch ein jahrelanger Streit voraus. 2007 wollte der linksgerichtete Ex-Präsident Rafael Correa die Ölförderung durch die sogenannte Yasuní-ITT-Initiative, die Zahlungen der internationalen Gemeinschaft an Ecuador vorsah, verhindern. Ecuador ist eines der ärmsten Länder Lateinamerikas und letztlich auch von den Einnahmen aus Erdöl abhängig. Den Verlust bei Verzicht auf die Bohrungen wollte man durch die Zahlung ausgleichen. Dennoch kam zum Schluss nicht genug Geld durch die internationale Gemeinschaft zusammen. Letztlich scheiterte die Initiative auch an Deutschland unter Kanzlerin Angela Merkel und Dirk Niebel, dem damaligen Entwicklungsminister der FDP.

Eine nicht unbedeutende Rolle bei Ecuadors Ölförderungen spielt China, wie Umweltorganisationen berichten. China übe Druck auf Ecuador aus: Durch die Verschuldung bei China gewährt Ecuador Peking niedrige Rohölpreise. Das chinesische Unternehmen CNPC nimmt außerdem einige Bohrungen vor, wie die AFP berichtet. Eine Entwicklung, die auch in Hinblick auf Chinas Einfluss in vielen afrikanischen Staaten Sorgen bereiten kann. Auch der Ukraine-Krieg und die angespannte Lage im Energiesektor könnte bei der jüngsten Entscheidung Ecuadors eine Rolle gespielt haben.

Ein Fluss schlängelt sich durch den Yasuni-Nationalpark in Ecuador (Luftaufnahme von November 2004). Hier befinden sich drei Ölfelder, auf denen Ölbohrungen stattfinden.
Ein Fluss schlängelt sich durch den Yasuni-Nationalpark in Ecuador (Luftaufnahme von November 2004). Hier befinden sich drei Ölfelder, auf denen Ölbohrungen stattfinden. © Georg Alexander / dpa

Yasuní-Nationalpark in Ecuador: Weiteres Gebiet im Regenwald für Ölindustrie freigegeben

In der Bevölkerung von Ecuador soll indessen das Bewusstsein für Umweltschutz hoch sein, wie Umweltorganisationen berichten. Aktivist:innen von der Organisation Yasunidos wollten deshalb 2014 durch eine Unterschriftensammlung einen Volksentscheid bewirken. Dieser scheiterte laut Behörden an zu wenig gültigen Unterschriften. Die Aktivist:innen sprechen stattdessen von Betrug und einem intransparenten Prozess.

Die Ölförderung im Yasuní-Nationalpark geht mit Biodiversitätsverlust einher und verstärkt den fortschreitenden Klimawandel, sind sich Expert:innen einig. Die Erschließung des Yasuní-Nationalpark durch die Ölindustrie bringt aber noch eine andere Gefahr mit sich: Das Eindringen des Menschen in Wildtiergebiete bedingt neue Pandemien. Auch das Coronavirus ist höchstwahrscheinlich auf eine zu große Nähe des Menschen zu Wildtieren zurückzuführen. (df)

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