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Könnte Präsident von Ecuador werden: Andres Arauz radelt zur Macht.
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Könnte Präsident von Ecuador werden: Andres Arauz radelt zur Macht.

Ecuador

Präsidentschaftswahl in Ecuador: Linker Kandidat könnte über fragwürdige Spenden stolpern

  • Klaus Ehringfeld
    vonKlaus Ehringfeld
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Der linke Kandidat Arauz hat gute Chancen, bei der Wahl am Sonntag Präsident von Ecuador zu werden. Anscheinend helfen ihm dabei auch fragwürdige Spenden.

  • Der linke Kandidat Andrés Araus kann laut Umfragen am Sonntag die Wahl zum Präsident von Ecuador gewinnen.
  • Möglicherweise könnte ihm jedoch ein Medienbericht über Spenden für seinen Wahlkampf zum Verhängnis werden.
  • Die Bevölkerung von Ecuador hat jedoch andere Sorgen als die Wahl: Sie leidet stark unter der Corona-Pandemie.

Wenn Andrés Arauz in den vergangenen Wochen zu den wenigen öffentlichen Wahlkampfauftritten kam, war meist jemand dabei, der am Sonntag gar nicht zur Abstimmung steht. Von Plakaten, auf Fotos oder als lebensgroßer Pappkamerad auf den Lkw des Wahlteams grüßte Rafael Correa mit erhobenem Daumen. Der kontroverse ehemalige Staatschef, der von 2007 bis 2017 regierte, wollte eigentlich mit dem jungen Linken Arauz als Vizepräsident zurück an die Macht. Aber dem schob die Justiz einen Riegel vor.

Correa, der in Belgien lebt, wurde wegen Bestechlichkeit zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Aber in weiten Teilen der Bevölkerung gilt der Politiker noch immer als guter Staatschef, weil es vielen Menschen während seiner Amtszeit besser ging. Über die längste Zeit von Correas Regierung spülten die hohen Erdölpreise viele Dollars in die Staatskasse. Inzwischen allerdings ist der kleine Andenstaat hoch verschuldet und muss ständig seine Auslandskredite umschulden, um nicht bankrott zu gehen.

Wahl-Umfragen: Andrés Arauz könnte Präsident von Ecuador werden

Und so hat der 36-jährige Präsidentschaftskandidat Arauz, zwischen 2015 und 2017 Minister unter Correa, die virtuelle Begleitung und politische Nähe zu seinem Mentor mehr genützt als geschadet. Eine Woche vor der Wahl führte er in den Umfragen deutlich das Feld der 15 Männer und einer Frau an, die dem scheidenden Staatschef Lenín Moreno nachfolgen wollen.

Außer Arauz haben nur der konservative Banker und Unternehmer Guillermo Lasso sowie der Indigenen-Kandidat Yaku Pérez Chancen auf den Sieg. Laut jüngsten Umfragen wollen 37,4 Prozent der Wähler:innen für Arauz stimmen, 24,3 Prozent für Lasso und 15,1 Prozent für Pérez. Das würde bedeuten, dass die Menschen im April ein zweites Mal an die Urnen müssten, denn zu einem Sieg in erster Runde sind 40 Prozent der Stimmen bei einem gleichzeitigen Vorsprung von zehn Prozent auf den Zweitplatzierten nötig. Aber bei der hohen Zahl der Unentschlossenen von rund 50 Prozent und der chronischen Unzuverlässigkeit von Umfragen in Lateinamerika ist auch ein Sieg des linken Kandidaten am Sonntag möglich.

Präsidentschafts-Kandidat Andrés Arauz könnte über Spenden-Nachricht stolpern

Allerdings veröffentlichte das kolumbianische Wochenmagazin „Semana“ jetzt eine Meldung, wonach die linke Guerilla ELN den Wahlkampf von Arauz mit umgerechnet 66 000 Euro unterstützt habe. Welche Auswirkungen diese unbestätigte Nachricht auf die Wahlentscheidung der Ecuadorianer:innen haben wird, ist unklar.

Die Menschen ängstigen andere Themen – vor allem Corona. Covid-19 hat den Staat vor allem zu Beginn der Pandemie schwer gezeichnet. Die chronisch katastrophale Situation der dollarisierten Wirtschaft, die sich durch die Pandemie noch verschärfte, besorge die Bürger:innen am meisten und sei ausschlaggebend für ihre Wahlentscheidung, sagt Ruth Hidalgo, Politologin an der Universidad de las Américas in Quito. Nach Angaben der Weltbank fiel das Bruttoinlandsprodukt Ecuadors vergangenes Jahr um 9,5 Prozent, nur Peru (minus zwölf Prozent) und Argentinien (minus 10,6 Prozent) waren in Südamerika härter getroffen.

Für den Schriftsteller Iván Ulchur-Rota ist das politische Ambiente in seinem Land von Resignation und Desinteresse gezeichnet. Das Vertrauen in die politische Klasse, die Dinge nachhaltig zum Besseren verändern zu können, sei dahin, sagt er. Die aktuelle konservative Regierung habe weder die gesundheitlichen noch die wirtschaftlichen Aufgaben meistern können.

Bereits mehrere Präsidenten mussten aus Ecuador fliehen

Ecuador hat tatsächlich eine sehr fragile Demokratie und Erfahrung damit, ungeliebte Präsidenten zu stürzen. Abdalá Bucaram (1997), Jamil Mahuad (2000) und Lucio Gutiérrez (2005) mussten nach Protesten fliehen oder wurden vom Parlament abgesetzt. Auch Moreno sah sich im Oktober 2019 gewalttätigen Protesten gegenüber, als er auf Druck des Internationalen Währungsfonds zahlreiche Subventionen, darunter vor allem die für Benzin, strich. Der Präsident musste die Kürzungen am Ende rückgängig machen.

Die aktuellen Kandidat:innen verfielen „in Demagogie“, kritisiert der Autor Ulchur-Rota. Arauz wolle je 1000 Dollar an eine Million bedürftige Familien verschenken und die Corona-Tests gratis vergeben. Lasso, Mitglied des konservativen katholischen Laienordens Opus Dei, macht sich für das Recht auf Waffentragen in ländlichen Gebieten stark. Und der Indigene Yaku Pérez hat zwar eine umweltfreundliche Regierung versprochen, will aber die Benzin-Subventionen beibehalten. (Klaus Ehringfeld)

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