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Donald Trump Jr. im Januar im Trump Tower in New York.

USA

E-Mail belastet Trump Junior

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In einem bislang unveröffentlichten Schreiben, dass der New York Times vorliegt, soll dem Präsidentensohn ein Treffen mit einer russischen Anwältin angeboten worden sein.

Kurz nachdem Donald Trump die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner gesichert hatte, erhielt sein ältester Sohn und Wahlkampfmanager elektronische Post von einem alten Bekannten. Der britische Boulevard-Journalist Rob Goldstone, der Trump mit seinen Kontakten half, „Miss Universe 2013“ nach Moskau zu bringen, meldete sich mit einem kompromittierenden Angebot.

In der E-Mail vom 3. Juni, die der „New York Times“ exklusiv vorliegt, schlug Goldstone ein Treffen zwischen der mit dem Kreml assoziierten Anwältin Natalia Veselnitskaya und Donald Trump Junior vor. Er glaube, so Goldstone, die Putin-Aktivistin habe Informationen „die Hillary und ihre Geschäfte in Russland belasten und sehr hilfreich für ihren Vater sind“. Die „hochkarätigen und sensiblen Informationen“ seien „Teil der Unterstützung Russlands und seiner Regierung für Mr. Trump“. Donald Trump Junior antwortete darauf mit dem Satz: „Wenn es so ist, wie sie sagen, finde ich das klasse vor allem später im Sommer“.

Der „rauchende Colt“ in der Russland-Affäre

Sollte es sich nicht um eine Fälschung handeln, wäre die publizierte Goldstone-E-Mail nach Einschätzung von Experten so etwas wie der „rauchende Colt“ in der Russland-Affäre. Der ältester Trump-Sohn hätte damit willentlich an einem Treffen mit der Vertreterin einer gegnerischen Macht teilgenommen, deren Ziel es war die Präsidentschaftswahlen der USA zu beeinflussen.

Der Kreml beeilte sich am Montag zu versichern, ihm sei Veselnitskaya nicht bekannt. Der Sprecher Wladimir Putins, Dmitry Peskov, sagte, die russische Regierung könne „nicht jeden russischen Anwalt und seine Treffen im Ausland verfolgen“. Eine Aussage, die Kreml-Kenner angesichts des Bekanntheitsgrads Veselnitskayas für eine Schutzbehauptung halten. Die Anwältin selbst erklärte in einem Interview mit dem Fernsehsender NBC, sie habe niemals über belastende Informationen über Clinton verfügt. „Es ist gut möglich, dass sie solche Information wollten“, fügte Veselnitskaya hinzu.

Die Anwältin machte sich einen Namen als Aktivistin gegen Sanktionen, die der US-Kongress nach dem gewaltsamen Tod des Moskauer Anti-Korruptions-Anwalts Sergei Magnitsky beschloss. Putin reagierte darauf mit dem Verbot der Adoption russischer Waisenkinder durch US-Bürger. Es sei um Adoptionen gegangen war denn auch die erste Erklärung, mit der Donald Jr. das Treffen mit Veselnitskaya rechtfertigte. Weil dies Fragen aufwarf, warum dann Wahlkampfmanager Paul Manafort und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner bei dem halbstündigen Treffen am 9. Juni im Trump-Tower mit von der Partie waren, reichte er eine zweite Erklärung nach. „Die Frau sagte, sie hätte Informationen, dass Individuen mit Kontakten zu Russland die Demokratische Partei finanzieren und Frau Clinton unterstützen“, erklärte Trump. Juristen bewerteten diese Stellungnahme als unbeabsichtigtes Eingeständnis der Bereitschaft Trumps, sich von den Russen helfen zu lassen.

Der Kolumnist Eugene Robinson bringt die Einschätzung vieler Analysten auf den Punkt, wenn er in der Washington Post von einem „Game-Changer“, also einem Wendepunkt in der Russland-Affäre spricht. Sonderermittler Robert Mueller sei garantiert hellhörig geworden. Dazu gehört auch die Rolle des Absenders der E-Mail, der ein enger Vertrauter Aras Agalarovs ist, ein Oligarch aus dem Putin-Orbit, der wie Trump im Baugeschäft tätig ist. Agalarov gehörte zu den russischen Geschäftspartnern, die Trumps „Miss Universe“ 2013 nach Moskau holten. Goldstone räumte am Montag in einem Interview ein, Agalarov habe ihn um Vermittlung des Treffens mit der Kreml-Anwältin gebeten.

Es reiht sich ein in eine Reihe anderer fragwürdiger Begegnungen von Mitgliedern des inneren Zirkels Donald Trumps mit Emissären Wladimir Putins im Sommer 2016. Wikileaks begann am 22. Juli Material zu publizieren, das russische Hacker von den Servern der Präsidentschaftskandidatin gestohlen hatten.

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