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Während des Angriffs gehen Menschen in Deckung.

Attacke auf Militärparade

Dutzende Tote bei Terroranschlag im Iran

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Attentäter schießen im Iran bei einer Militärparade in die Menge, dutzende Menschen sterben. Teherans Führung bestellt daraufhin ausländische Botschafter ein.

Nach einem der schwersten Terroranschläge in der Geschichte des Iran, bei dem am Samstag mindestens 29 Menschen erschossen und über 60 verletzt wurden, wachsen die Spannungen in der Golfregion. Die iranische Führung beschuldigte „ein ausländisches Regime“ als Drahtzieher und zeigte damit implizit auf ihren Erzrivalen Saudi-Arabien. Eines der Länder am Südrand des Persischen Golfs habe die Attentäter politisch unterstützt sowie mit Geld und Waffen versorgt, sagte Präsident Hassan Ruhani am Sonntag, nannte aber keine Namen. Sein Land werde „die regionalen Terrorsponsoren und ihre amerikanischen Meister“ zur Verantwortung ziehen, twitterte Teherans Außenminister Mohammad Dschawad Sarif.

Nach Angaben des Innenministeriums eröffneten vier Angreifer, getarnt als Revolutionäre Garden, das Feuer auf eine Militärparade in Ahvaz, der Hauptstadt der Provinz Chusistan im Südwesten. Auf einem Handyvideo, welches das staatliche Fernsehen ausstrahlte, sind zunächst marschierende Soldaten vor der Haupttribüne zu sehen, als plötzlich Schüsse fallen, Uniformierte und Zuschauer panisch auseinanderlaufen und nach Deckung suchen.

Wie Augenzeugen berichteten, dauerte der Überfall etwa zehn Minuten. Auf späteren Aufnahmen sind Tote und Verletzte zu sehen, darunter auch Kinder. Die vier Terroristen wurden nach Angaben des Staatsfernsehens erschossen. Mit der jährlichen Parade, die parallel auch in Teheran und anderen Städten abgehalten wird, erinnert die Islamische Republik an den achtjährigen Krieg gegen den Irak von 1980 bis 1988, der auf beiden Seiten etwa 800 000 Menschen das Leben kostete.

Wer hinter dem Massaker von Ahvaz steckt, einer Stadt mit einer Million Einwohnern, blieb am Wochenende unklar. Der „Islamische Staat“ behauptete auf seiner Website Amaq, die „Soldaten des Kalifats“ hätten den Terrorangriff ausgeführt als Vergeltung für die Rolle des Iran in den Konflikten der Region. In einer ersten Version des Bekennertextes jedoch hatte es geheißen, das Attentat habe Präsident Ruhani gegolten, der gar nicht vor Ort war. Die Regierung in Teheran macht daher die Separatisten der „Ahvazi Democratic Popular Front“ verantwortlich, deren Exilsprecher in Kopenhagen die Bluttat für seine Organisation reklamierte. Noch am Samstagabend bestellte der Iran die Botschafter von Dänemark und den Niederlanden sowie den britischen Geschäftsträger ein, um dagegen zu protestieren, dass die drei europäischen Staaten Ahvazi-Vertretern Aufenthalt gewähren.

Von der Führung vernachlässigt

Die Mehrheit der Bevölkerung in Chusistan, wo sich ein Großteil der iranischen Ölvorkommen befindet, gehört der sunnitisch-arabischen Minderheit an. Sie fühlt sich von der schiitischen Führung vernachlässigt und strebt mehr Autonomie an. Seit Monaten kommt es zu Unruhen und Demonstrationen. Die Region leidet unter einer katastrophalen Dürre und wird von heftigen Sandstürmen geplagt. Haushalte haben oft tagelang keinen Strom und kein fließend Wasser.

Die chronische Umwelt- und Wirtschaftskrise könnte sich weiter verschärfen, wenn am 5. November die zweite Phase der US-Sanktionen mit dem Rohöl-Boykott in Kraft tritt. Auch in früheren Jahren gingen schwere Attentate im Iran auf das Konto sunnitischer Extremisten. 2017 stürmten kurdisch-sprechende Terroristen, die sich als Mitglieder des IS bezeichneten, in einem Simultan-Angriff das Parlament in Teheran und die Grabmoschee von Staatsgründer Khomeini vor den Toren der Hauptstadt. 18 Menschen starben, über 50 wurden verletzt.

2010 sprengte sich in der östlichen Stadt Zahedan in der Provinz Sistan-Belutschistan ein Selbstmordattentäter in einer schiitischen Moschee in die Luft und riss 27 Gläubige mit in den Tod.

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