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Mehr als 120 Demonstranten wurden nach Aktivistenangaben in St. Petersburg festgenommen.

Russland

Dutzende Festnahmen bei Anti-Putin-Protesten

Trotz eines Demonstrationsverbots gehen in Russland Hunderte Russen gegen Präsident Putin auf die Straße. Während es in Moskau friedlich bleibt, greift die Polizei in St. Petersburg durch.

Hunderte Demonstranten haben am Samstag in mehreren russischen Städten gegen Präsident Wladimir Putin protestiert. Unter dem Motto "Wir haben ihn satt" wandten sie sich gegen eine erneute Kandidatur des Staatschefs bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr.

Während die Proteste in der Hauptstadt Moskau ohne Zwischenfälle verliefen, wurden in St. Petersburg nach Angaben von Aktivisten dutzende Demonstranten festgenommen. Einige der rund 200 Teilnehmer der Kundgebung wurden von der Bereitschaftspolizei auseinander getrieben, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Zu der Protestaktion "Nadojel" (deutsch: Wir sind es leid) hatte die oppositionelle Bewegung Offenes Russland von Kremlkritiker Michail Chodorkowski aufgerufen. In einigen Provinzstädten wurden die Kundgebungen genehmigt, in Moskau und vielen anderen Orten aber nicht.

Nach Angaben von Offenes Russland wurden am Samstag etwa 50 Demonstranten in St. Petersburg festgenommen. "Wir werden Anwälte wegen der Festnahmen einschalten",sagte die Moskauer Organisatorin Maria Baronowa Agenturen zufolge.

Die Menschenrechtsgruppe OVD-Info sprach von rund 125 Festnahmen. Die Polizei gab zunächst keine Zahlen bekannt. Die Polizei hatte am Donnerstag die Büroräume von Open Russia durchsucht.

"Putin ist ein Usurpator", sagte ein Demonstrant. "Wir haben genug von ihm." In Russland sei alles schlecht, "die Bildung, das Gesundheitssystem - alles wurde zerstört", klagte eine Mitstreiterin. "Ich will Veränderungen."

Polizei warnt über Lautsprecher

In Moskau versammelten sich etwa 200 Demonstranten vor der Präsidialverwaltung, um dort Petitionen gegen eine erneute Kandidatur Putins abzugeben. Der Präsident sei schon zu lange an der Macht, sagte der Organisator der Proteste, Jakow Jermakow. "Unser Land entwickelt sich nicht weiter."

Die Polizei warnte die Demonstranten über Lautsprecher, dass die Protestaktion nicht genehmigt worden sei, griff aber nicht ein.

 Dass es in Moskau friedlich blieb, während anderenorts Dutzende Menschen von der Polizei
abgeführt wurden, könnte Beobachtern zufolge eine Maßnahme sein, vor den Maifeiertagen und wenige Wochen vor dem Anstoß zum Confederations Cup, dem Testlauf für die Fußball-WM 2018, wenig Aufsehen zu erregen.

 

Putin hat sich noch nicht offiziell für die Wahl 2018 beworben, es wird aber damit gerechnet, dass er für eine weitere Amtszeit kandidieren wird.

Der ehemalige Oligarch Chodorkowski gilt als Erzfeind des russischen Präsidenten. Etwa zehn Jahre lang saß er wegen Betrugs im Gefängnis. Nach seiner Begnadigung und Entlassung aus der Haft 2013 ging er ins Ausland. Heute lebt Chodorkowski  in Europa. (afp/dpa/FR)

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