Bangladesch

Dutertes Antidrogenkrieg macht Mode

  • Willi Germund
    vonWilli Germund
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Nach Indonesien folgt nun auch Bangladesch dem zweifelhaften Vorgehen des philippinischen Präsidenten.

Rund 20 000 Menschenleben hat der Antidrogenkrieg bis Ende vergangenen Jahres gefordert, den Rodrigo Duterte seit seinem Amtsantritt vor gut zwei Jahren als Präsident der Philippinen führt. Während der Internationale Gerichtshof in Den Haag erwägt, ein Ermittlungsverfahren gegen den brutalen „Punisher“ (Bestrafer – so der Spitzname des Staatsoberhaupts) erwägt, finden seine brutalen Methoden in Asien zunehmend Nachahmer. Dabei zeigt nicht zuletzt das Beispiel Thailand, dass die Methode „erst töten, dann fragen“ nicht funktioniert.

Indonesien begann schon im vergangenen Jahr damit, die Duterte-Methoden zu imitieren. Nun rief Bangladeschs Premierministerin Sheikh Hasina einen eigenen, rücksichtslosen Antidrogenkrieg aus, „der sich nicht von dem Kampf gegen islamische Extremisten unterscheiden wird“. Bisherige Bilanz: 89 Tote und 7000 Verhaftete. 

Das sind bislang zwar weitaus weniger Opfer als auf den Philippinen. Doch wie Menschenrechtler bestätigen, hat das Klima des Terrors bereits um sich gegriffen. Der Grund: Die Methoden gleichen in erschreckender Weise den Mitteln, mit denen die Polizei der Philippinen vorgeht. „Unsere Leute haben das Recht, sich zu verteidigen“, stellt sich Mufti Mahmud Khan, der Chef von Bangladeschs „Rapid Action Bataillon“, schützend vor seine Polizei und beruft sich auf das Prinzip der Notwehr. 

Die Sondereinheit war für nahezu alle der 89 Toten verantwortlich. Verwandte von Opfern berichten, dass ihre Angehörigen lebend aus den Häusern geholt wurden und anschließend in einiger Entfernung Schüsse zu hören waren. Die lebend Verhafteten wurden später tot gefunden. 

Mit ähnlich dünnen Vorwänden agiert die Polizei auf den Philippinen. Abgesehen von der Verwerflichkeit der Methode ist überdies zweifelhaft, ob das vor allem auf Slums beschränkte Massaker bleibende Konsequenzen hat. In Thailand wurden im Jahr 2003 unter dem gewählten Premierminister Thaksin Shinawatra 3000 angebliche Drogenhändler getötet. Die Zahl der Drogenabhängigen stieg seither in dem südostasiatischen Königreich weiter. Die seit 2014 amtierende Militärjunta sucht mittlerweile nach Wegen der Prävention als Alternative. Der Südostasienvertreter der UN-Drogenorganisation UNODC sagt: „Das Beispiel Thailand zeigt, dass Eliminierung und Todesstrafe für Drogendealer nichts bringen.“ 

Der mangelnde Erfolg der gesetzlosen Jagd auf vermeintliche Drogenkriminelle ist dennoch bei Politikern und Polizei gefragt. „Erschießt sie! Habt keine Gnade!“, forderte Indonesiens Präsident Joko Widodo im vergangenen Jahre seine Polizisten auf. Die Bilanz des Jahres 2017: 79 angebliche Drogendealer fielen Polizeikugeln zum Opfer. „Wir haben 79 erschossen und 58 000 verhaftet“, brüstete sich Budi Waseso, der frühere Chef von Indonesiens Drogenbehörde, „wir hatten genug Munition für die 58 000. Aber sie hatten Glück. Wir hatten gehofft, sie würden sich wehren. Leider ergaben die meisten sich sofort.“ 

Nach dem Motto „schießen statt verhaften“ reagieren auch in Myanmar die Behörden auf ihre eigene Hilflosigkeit gegenüber den Drogenmassen, die seit Jahren das Land überschwemmen. Seitdem die Rauschgiftkönige Myanmars in den 90er Jahren vom wetterabhängigen Opium auf synthetische Amphetamine namens „Ya Ba“ (dumme Medizin) umsattelten, steht der Kontinent von Japan über China bis nach Südasien hilflos der Pillenflut gegenüber. Geschätzter Gesamtwert des illegalen Handels laut der UN-Drogenagentur UNODC im Jahr 2013: etwa 31 Milliarden US-Dollar. 

In Bangladesch trat „Ya Ba“ seinen Siegeszug im Jahr 2007 an, nachdem Thailand und China ihre Grenzkontrollen zu Myanmar verstärkt hatten. Konsumenten sind vor allem Menschen unter 40 Jahren. Rund 300 Millionen der angeblich seligmachenden Pillen mit einem Wert von etwa drei Milliarden US-Dollar sollen jährlich aus Myanmar über die Grenze nach Bangladesch kommen. 

Dhakas Innenminister Asaduzzaman Khan rechtfertigt den Kurs seiner Regierung: „Wir sind entschlossen, unsere junge Generation zu retten.“ Mit den angewandten Methoden wird dies kaum gelingen. Auch in Indonesien helfen bislang weder Todesstrafe auf Drogenhandel noch Schusswaffengebrauch, das Problem in den Griff zu bekommen. Nach Angaben der Drogenbekämpfungsbehörde des Landes gelten etwa sechs Millionen der geschätzten 250 bis 260 Millionen Einwohner als drogenabhängig. „Indonesien hat derzeit den größten Drogenmarkt Asiens“, räumt Sulistiandriatmoko ein, der Sprecher der Drogenbehörde des Landes. 

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