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Berlin

Dunkelrotes Wiegenfest

Die Linke feiert sich nach einem Jahr selbst - und triezt die SPD nun auch mit dem Thema Bundespräsidentin.

Von JÖRG SCHINDLER

Berlin. Neulich ist Gregor Gysi gefragt worden, ob er schon den Sekt kalt gestellt habe für den Fall, dass seine Partei in Umfragen demnächst die SPD überholt. Da wurde der Fraktionschef, für gewöhnlich ein Mann des Humors, überraschend ernst und sprach: Die Linke wolle die SPD ärgern, nicht erledigen. Er hoffe, dass Kurt Becks Genossen beizeiten die Kurve bekämen.

Die kleine Linke in Sorge um die große SPD: So weit ist es nun schon. Unterschiedlicher könnten zwei Parteien, die - zumindest in der Theorie - für demokratischen Sozialismus eintreten, in diesen Tagen tatsächlich nicht sein. Hier ein Traditionsverein, dem nach zehn Jahren Dauer-Regierens Ziel und Richtung abhandengekommen sind. Dort ein eilig gezimmertes Neu-Konstrukt, unter dessen Dach sich immer mehr Menschen versammeln. Am Montag feierte Die Linke einjähriges Wiegenfest - und überhäufte sich dabei selbst mit Erfolgsmeldungen.

Die Fakten sind in der Tat beeindruckend: Zwölf Monate nach dem Zusammenschluss von Linkspartei/PDS und Wahlalternative (WASG) liegt die Partei in der Wählergunst zwischen elf und 14 Prozent. Bei der jüngsten Zählung kam sie auf rund 73 500 Mitglieder. Nach Angaben ihres Bundesgeschäftsführers Dietmar Bartsch ist sie damit "die einzige Partei, deren Mitgliederzahlen steigen". Vor allem aber treibe die Linke alle Konkurrenten vor sich her: "Die anderen haben ihr soziales Gewissen wiederentdeckt."

Richtig ist aber auch: Nach einem Jahr weiß keiner genau zu sagen, wohin die linke Reise geht. Ein Programm, das über sloganhafte Formulierungen hinausgeht, fehlt noch immer. Zudem verschiebt sich die Tektonik der Partei: Während alle Landesverbände im Osten wie zu PDS-Zeiten schrumpfen, explodiert die Entwicklung im Westen: In Oskar Lafontaines Saarland hat sich die Zahl der Mitglieder binnen eines Jahres verdoppelt; in Nordrhein-Westfalen wuchs sie von 4126 auf 6388.

Die Partei wird westlicher, gewerkschaftsnäher und unberechenbarer, was nicht allen gefällt. Wie sehr die unterschiedlichen Strömungen einander noch misstrauen, zeigte jüngst der Parteitag in Cottbus, wo etliche Vorstandskandidaten- darunter Parteichef Lafontaine - mit mauen Wahlergebnissen bedacht wurden.

Grund zur Beunruhigung? Ach was, sagen die Parteigranden, für die einzig der momentane Erfolg zählt. Der, da kann man sicher sein, wird auch durch kleine Pannen wie die vom Wochenende nicht gefährdet werden. Da sickerte durch, dass die Linke womöglich mit den Autorinnen Christa Wolf oder Daniela Dahn eine eigene Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl ins Rennen schicken könnte. Eine Meldung, die Bartsch eilig dementierte: Es bleibe dabei, dass sich die Partei erst nach der Bayernwahl im Herbst entscheiden werde.

Ganz unrecht wird manchem in der Parteispitze die Debatte aber nicht gekommen sein. Sorgte sie doch wieder mal für eine gewisse Aufregung aufseiten der SPD.

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