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Journalistin Dunja Hayali.

Internationale Tage gegen Rassismus

Dunja Hayali: „Wer wegguckt, macht sich mitschuldig“

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Die Internationalen Tage gegen Rassismus sind wichtig – aber jeder Tag muss so einer sein. Ein Gastbeitrag von Dunja Hayali.

Internationale Tage gegen Rassismus, Integrationsgipfel… Seit Jahren – nein: seit Jahrzehnten findet all das statt. Und tief im Herzen der Idee steckt ja auch ein wunderbarer Gedanke. Nur müssen wir uns nicht langsam mal fragen, was das alles bringt? Sind nicht die, die eh von einer klaren, menschenfreundlichen, pluralistischen, humanistischen Grundstruktur geprägt sind, überzeugt von all dem, was an diesen Tagen gesagt, gefordert, erbeten wird?

Dunja Hayali setzt sich mit Verein gegen Rassismus in Deutschland ein

Da ich mit dem Verein „Gesicht zeigen für ein weltoffenes Deutschland“ in Schulen gehe, um dort mit Klassen über Rassismus, Antisemitismus, Diskriminierung, Xenophobie, Homophobie, Islamfeindlichkeit zu sprechen, weiß ich natürlich, dass es wichtig ist, sich auszutauschen, über eigene Erfahrung zu sprechen, zu informieren und sich gegenseitig zu bestärken. Um vor allem auch präventiv zu handeln.

Oder glaubt jemand, dass Kinder irgendeine Abneigung hegen in Bezug etwa auf Herkunft, Religion, Hautfarbe, sexuelle Orientierung, Behinderung? Wenn man frühzeitig mit Kindern und Jugendlichen über diesen Hass spricht, kann man jegliche Form von Ausgrenzung und das Erhöhen des eigenen Seins auf Grund von Nationalität, Hautfarbe oder Religion minimieren. 

Aufgeklärte Menschen, die frühzeitig erkennen, dass wir zwar nicht alle gleich sind, aber doch gleiche Rechte haben, werden eher selten zu Rassisten. Sie lernen sich nicht aufzuwerten, indem sie andere abwerten. Sie werden auch verstehen, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, und nicht nur die des Deutschen.

Es ist wichtig, an die Mitläufer heranzukommen, findet Dunja Hayali 

Mindestens genauso wichtig ist doch aber die Frage, wie wir an diejenigen rankommen, die sich im Kreise von Neonazis und Faschisten zu Hause fühlen. Manche von diesen „Mitläufern“ stellen ihr Hirn und ihr Herz ab, nicht etwa weil sie dort ideologisch beheimatet sind, sondern schlicht, weil sie dort eine Heimat finden: Struktur, Halt, Arbeitsplatz, Freunde, klare Ansagen, Hierarchien. In der auserwählten Gruppe der Vielen werden sie gesehen, wahrgenommen, wertgeschätzt, solange sie im Gleichtakt ticken. Selbst das letzte Weichei fühlt sich in dieser abartigen Gruppe stark. 

Journalistin Dunja Hayali.

Und was haben wir – diejenigen also, die offen, tolerant, flexibel sind, die Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt schätzen, was haben wir denen anzubieten? Wie und womit wollen wir sie dort rausholen? Wie kommen wir überhaupt an sie ran? Wir, die Rassisten ja sonst zu Recht ausgrenzen …

Dunja Hayali: Jeder von uns muss Gesicht zeigen – und wer wegguckt, macht sich mitschuldig

Solange wir auf diese und andere Fragen keine Antworten haben, heißt es: Jeder von uns muss Gesicht zeigen – und wer wegguckt, macht sich mitschuldig. Es fängt schon im Kopf an. Aus Gedanken werden Worte, aus Worten werden Taten. Halle, Hanau waren große, einschneidende Schläge. Aber diese Schläge erfahren viele Menschen in unserem Land tagtäglich. Auf der Straße, in der U-Bahn, in den sozialen Medien, bei der Arbeit, beim Sport, in der Kneipe.

Die unterschiedlichen Formen sind Beleg für die sehr unterschiedlichen Akteure rechtsextremen Hasses. Jeder Demokrat ist aufgerufen, sich mit klaren Positionen schützend vor und hinter sie zu stellen und dabei auch die eigene Angst zu überwinden. Weggucken, mitschwimmen, verstecken, schweigen, verniedlichen, relativieren – das geht nicht mehr! Die Mehrheit darf sich nicht von ein paar Zersetzern treiben lassen! Und Gemeinsamkeit macht stark. Nicht nur während der Internationalen Tage gegen Rassismus.

Zur Sache: Der 21. März – Internationale Tag gegen Rassismus

Der Internationale Tag gegen Rassismusan jedem 21. März bezieht sich auf eine Demonstration von rund 20 000 Menschen an jenem Tag im Jahre 1960 im südafrikanischen Sharpeville. Die Menge protestierte friedlich gegen die unmenschlichen Apartheid-Gesetze des weißen Buren-Regimes. Die Polizei feuerte wild in den Demonstrationszug. 69 Menschen kamen ums Leben, mindestens 180 wurden verletzt. 1966 reagierten die UN auf das Massaker und erklärten den Jahrestag zum globalen Tag gegen Rassismus. 

1979luden die UN ihre Mitgliedstaaten dazu ein, um den Termin herum eine Aktionswoche zu organisieren. In Deutschland übernimmt das seit 1994 der Interkulturelle Rat. 

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Rassismus an Schulen ist keine Seltenheit. Immer wieder äußern Jugendliche sich im Unterricht rechtsextrem. Dann sind die Lehrer gefordert – und wissen manchmal auch nicht weiter.

Bildungsexperte Peter Struck erläutert in seinem Gastbeitrag, was religiöse Gewalt und Rassismus an Schulen mit der vernachlässigten Pädagogik zu tun hat.

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