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Duelle mit schwerem Geschütz

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Von: Peter Rutkowski

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Warum die Artillerie so wichtig ist

Die Nachrichten aus der Ukraine sind zurzeit so erwartbar wie jeden Tag aufs Neue erschreckend: Moskau behauptet am Mittwoch, Tag 140 des Krieges, man habe 350 Ukrainer auf einer Werft in Mykolajiw getötet. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagt in seiner täglichen Videoansprache, die russischen Invasoren würden „bereits sehr deutlich spüren, was moderne Artillerie ist. Und sie werden nirgends in unserem Land einen sicheren Rückzugsort haben.“ Worte und Zahlen, die so wenig überprüfbar wie aussagekräftig scheinen.

Tatsächlich bedeutet das was. Was sich am Anfang und Ende der über die Ukraine hinwegschießenden ballistischen Kurven abspielt, ist ein Spiegel der Ost-West-Konfrontation. Die russische Offensivdoktrin sieht vor, dass „Artillerie erobert“ und „Infanterie besetzt“. Das heißt, aller Widerstand wird von Kanonen pulverisiert, bevor die eigene Truppe vorgeht. Wird die zurückgeschlagen, übernehmen wieder die Geschütze. Bis nichts mehr übrig ist und das dann „besetzt“ werden kann. Ein Unterschied zwischen zivilen und militärischen Zielen ist für die russische Vorgehensweise belanglos. Zivile Verluste und Zerstörungen tragen potenziell dazu bei, die feindliche Kampfmoral zu reduzieren.

Ballistische Kurven verfolgen

Die ukrainischen Streitkräfte übernehmen westliche Artilleriekonzepte zusammen mit dem westlichen Gerät. Und das Gerät ist verbunden mit Digitaltechnik zur Zielerfassung und Gegnererkennung (durch Rückverfolgen der ballistischen Kurven zu ihrem Ausgangspunkt). Dazu kommen Satelliteninformationen und GPS-Daten via Tablet-Computer und Bilder von Beobachtungsdrohnen. Angesichts geringerer Munitionsbestände in schmaleren Arsenalen ist die Konzentration auf erwiesen militärische Ziele zwingend gegeben. Das russische Militär ist also nirgends sicher.

Zur Illustration dessen mag reichen, dass ukrainische Raketenartillerie in der Nacht zu Mittwoch eine russische Luftabwehreinheit in Luhansk zerstörte. Die russische Artillerie antwortete mit breitflächigem Beschuss der Donbass-Stadt Bachmut.

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