Transplantation

Druck bei Organspende nimmt zu

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Prominente fordern Widerspruchslösung.

In der Debatte um eine Reform des deutschen Transplantationsrechts formieren sich zunehmend auch gesellschaftliche Kräfte. Für die Einführung einer Widerspruchslösung setzt sich eine Initiative von Politikern, Medizinern und Betroffenen ein, die sich jetzt in Berlin gegründet hat.

Der Zusammenschluss „Leben spenden - Bündnis für Organspenden“ erklärte, man unterstütze ausdrücklich die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach angestoßene überparteiliche Initiative zur Einführung einer doppelten Widerspruchsregelung. Sie besagt, dass jeder als Organspender gilt, wenn er oder seine Angehörigen nicht ausdrücklich widersprechen. Im Bundestag gibt es aber auch kritische Stimmen dagegen.        

In der letzten Woche hatte auch die Deutsche Transplantationsgesellschaft auf die Einführung der Widerspruchslösung gedrungen. Von den 10.000 Kranken, die teils bis zu zehn Jahre auf ein Organ warten müssen, schafft es den Fachmedizinern zufolge ein Drittel nicht bis zur Transplantation – sie sterben vorher oder sind nach langer Wartezeit in so schlechter Verfassung, dass sie nicht mehr transplantiert werden können. Ende Oktober hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf beschlossen, der zunächst die Ausstattung und die Abläufe in den Entnahmekliniken verbessern und so den eklatanten Organmangel mildern soll. Kritiker wie „Leben spenden“ halten das für unzureichend. 

Zu den Gründern und Unterstützern der Initiative zählen der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm, Ex-Außenminister Klaus Kinkel, Bundestagsabgeordnete verschiedener Parteien, führende Mediziner der Berliner Charité, Ex-DGB-Chef Michael Sommer, der seiner Frau eine Niere gespendet hat, und der Schriftsteller David Wagner. Er verarbeitete seine Erfahrungen als Lebertransplantierter im Buch „Leben“ und erhielt dafür den Preis der Leipziger Buchmesse 2013. Auch Vertreter der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) sind dabei. 

Die Initiative verwies darauf, dass inzwischen in mehr als 20 Ländern Europas eine Widerspruchsregelung gilt. In den Niederlanden etwa seien in den letzten Jahren Abläufe und Infrastruktur in den Kliniken stark verbessert worden, ohne dass die Spenderzahlen nennenswert gestiegen seien. Deshalb hat das Parlament in Den Haag Anfang 2018 die Widerspruchsregelung beschlossen. 

In Deutschland stehen 84 Prozent der Bundesbürger Organspenden positiv gegenüber. Diese „grundsätzlich zustimmende Haltung“ greife die Widerspruchslösung auf, so „Leben spenden“-Vorsitzende Jutta Falke-Ischinger. Sie sei ebenso dringlich wie Strukturreformen in den Kliniken.
www.leben-spenden.org

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