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Der Thüringer Landeschef Björn Höcke soll Geld gesammelt haben.

Gruppe um Höcke

AfD droht neue Parteispenden-Affäre

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Die Gruppe "Der Flügel" rund um den Thüringer Landeschef Björn Höcke soll nach einem Bericht Geld an Parteigremien vorbei gesammelt haben.

Die Rechtsaußen-Gruppe innerhalb der AfD, der „Flügel“, sorgt weiter für Sorgen in der Partei. Dieser informelle Zusammenschluss von rechtsaußen stehenden Parteimitgliedern um den Thüringer Landeschef Björn Höcke hatte bereits zu einer Teil-Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz geführt. Nun könnte der „Flügel“ den Rechtspopulisten eine neue Parteispenden-Affäre einbrocken: Nach einem Medienbericht hat der „Flügel“ die offiziellen AfD-Gremien gezielt umgangen, um Geld für seine Aktivitäten zu sammeln.

So habe unter anderen Höcke selbst zu Spenden an den externen Verein „Konservativ!“ aufgerufen, mit denen jedoch „Flügel“-Veranstaltungen bezahlt werden sollen. Das geht laut „Bild am Sonntag“ aus internen Unterlagen der AfD hervor. Zu den Vereinschefs zähle der frühere Vize-Bundesschatzmeister Frank Pasemann, der Verbindungen zu rechtsextremen Gruppen pflege und dem AfD-intern bereits zuvor unklare Finanzabrechnungen vorgeworfen wurden.

Wie ein internes Protokoll festhalte, hat sich der AfD-Bundesvorstand in diesem Zusammenhang unter anderem mit einer Weihnachtsmail von Landeschef Höcke beschäftigt – und sei erbost gewesen. „Der Flügel“ dürfe nämlich nur in Absprache mit den Schatzmeistern der Partei Geld sammeln. Das Vorgehen von Höcke & Co. könnte bewirken, dass der AfD direkte Spenden entgehen; laut „BamS“ gingen auf Höckes Aufruf hin mehrere Tausend Euro auf dem Konto ein. Schlimmer noch: Die Vereinseinnahmen könnten als illegale Parteispende gewertet werden, weil mit dem Geld in Wirklichkeit AfD-Veranstaltungen bezahlt werden sollten. Das ist für die AfD auch deshalb besonders heikel, weil sie sich bereits wegen dubioser Spenden in Höhe von 130 000 Euro aus der Schweiz erklären muss. Die AfD wollte sich am Wochenende zunächst nicht zu den neuen Vorwürfen äußern.

Aus BfV-Gutachten zitiert

Zudem dürfte es der Partei auch politisch schaden, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz gerade verkündete, die gesamte Partei als Prüffall und neben der AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA) eben vor allem Höckes „Flügel“ als Verdachtsfall für verfassungsfeindliche Bestrebungen einzustufen. Laut einer Emnid-Umfrage begrüßt das eine deutliche Mehrheit der Deutschen: 71 Prozent der Befragten finden die stärkere AfD-Beobachtung demnach richtig, 18 Prozent nicht.

In der Partei selbst fielen die Reaktionen geteilt aus. Gemäßigtere Parteimitglieder forderten ernste Konsequenzen und „einen Selbstreinigungsprozess“ in JA und im „Flügel“, wie etwa der AfD-Bundestagsabgeordnete Uwe Witt der Deutschen Presseagentur sagte. Sollte dies nicht gelingen, „muss es der Bundesvorstand erledigen“, betonte Witt, der zu den führenden Vertretern der AfD-internen Höcke-Gegner „Alternative Mitte“ zählt. Der niedersächsische AM-Sprecher Jens Wilharm nannte den „Flügel“ und die JA eine „existenzbedrohende Gefahr für die Gesamtpartei“.

Der AfD-Bundesvorstand hatte die Entscheidung des Verfassungsschutzes als politisch motiviert kritisiert. Zudem nannte es Co-Parteichef Jörg Meuthen einen „Riesenskandal“, dass einigen Medien das interne Gutachten des Bundesamtes für Verfassungsschutz über seine Partei zugespielt wurde. Dadurch werde das „Vertrauen in den Staat und seine Institutionen massiv erschüttert“, so Meuthen.

So hatte unter anderem der „Spiegel“ aus dem 436-Seiten-Gutachten zitiert, dass die Verfassungsschützer viele der von ihnen ausgewerteten Aussagen von AfD-Funktionären und -Mitgliedern „erste deutliche Anhaltspunkte für eine Ausrichtung der Partei gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung erkennen“ lassen. Spitzenleute der Partei benutzten kontinuierlich Begriffe, die eine „Parallele zum rechtsextremistischen Diskurs erkennen lassen“. Besonders herausgehoben wird dabei „Flügel“-Chef Höcke, dessen Reden und Mitteilungen wiederholt gegen den Grundsatz der Menschenwürde verstoßen hätten.

Hinzu kämen „klar fremdenfeindliche“ Aussagen, wenn Höcke etwa davon spreche, „multikulturelle Gesellschaften“ seien „multikriminelle Gesellschaften“. Wer zudem Moscheen als Symbole einer „Landnahme“ bezeichne, spreche dem Islam als Ganzes die Kompatibilität mit einem Rechtsstaat ab. Zugleich beziehe Höcke auch antisemitische Positionen, die sich in Verschwörungstheorien über die „Weltherrschaft über eine entkultivierte Menschheit“ äußerten.

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