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Aufräumen nach der Wahl: Anhänger des Siegers hängen Plakate der Konkurrenz ab.
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Aufräumen nach der Wahl: Anhänger des Siegers hängen Plakate der Konkurrenz ab.

Afrika

Dritter friedlicher Machtwechsel in Sambia

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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In Sambia gibt es zum dritten Mal seit der Unabhängigkeit einen friedlichen Machtwechsel - anders als in anderen afrikanischen Staaten.

Der sudanesische Milliardär Mo Ibrahim kann aufatmen. Der Stifter des mit fünf Millionen US-Dollar höchstdotierten Preises der Welt hat einen neuen Kandidaten für seine Auszeichnung „vorbildlicher afrikanischer Staatschef“ bekommen. Deren Voraussetzung ist unter anderem, dass der Preisträger sein Amt widerstandslos geräumt hat. Ständig kommt es vor, dass die jährliche Ehrung gar nicht vergeben werden kann: Der Kontinent ist eher für sich mit allen Mitteln an die Macht klammernde Autokraten als für faire Wahlverlierer bekannt.

Viele befürchteten, dass auch der bisherige Chef des südafrikanischen Staats Sambia, Edgar Lungu, zur ersten Kategorie zählt. Doch der 64-jährige Jurist hat sich im letzten Moment für die Chance entschieden, Mo Ibrahims Preisgeld zu kassieren. Anfang dieser Woche räumte Lungu seine Niederlage gegen Hakainda Hichilema ein, nachdem er zuvor von Wahlbetrug gesprochen und das Militär in die Straßen der Hauptstadt Lusaka beordert hatte. Dass er mit seinen gut 38 Prozent der Stimmen weit hinter Hichilema (fast 60 Prozent) abgeschlagen war, trug zu seiner Entscheidung sicherlich bei.

Machtwechsel in Sambia: Schon der Gründungspräsident trat friedlich ab

Damit kann sich Sambia einmal mehr als Champion der Demokratie in Afrika präsentieren. Der 18-Millionen-Menschen-Staat erlebte in den vergangenen drei Jahrzehnten bereits drei unblutige Machtwechsel. Kaum ein anderes Land des Kontinents kann auf eine derartige Bilanz verweisen. Sambia war der erste Staat im südlichen Afrika, in dem eine nach der Unabhängigkeit an die Macht gekommene Befreiungsbewegung abgewählt wurde. Noch heute ist es das einzige Land in der Region, in der die Befreiungskämpfer nach einer verlorenen Abstimmung ihre Regierungsämter abgaben.

Womöglich hängt Sambias Sonderstellung damit zusammen, dass das Land als erstes im südlichen Afrika 1965 seine Unabhängigkeit erlangte – die anderen waren mindestens zehn (Angola und Mosambik) oder fast dreißig Jahre (Südafrika) später dran. In Angola und Mosambik brachen mit der Unabhängigkeit zudem Jahrzehnte lange Bürgerkriege aus. Eine Rolle spielte allerdings auch, dass Sambia mit Kenneth Kaunda über einen außergewöhnlichen Befreiungsführer verfügte. Der vor wenigen Wochen verstorbene Gründungspräsident räumte nach verlorenen Wahlen 1991 kampflos und unverbittert seinen Posten. Nicht zuletzt diesem Vorbild verdankt Hakainda Hichilema, dass er kommende Woche sein Amt antreten kann.

Was nicht heißen soll, dass dem 59-jährigen Geschäftsmann und Chef der „United Party for National Development“ (UPND) sein Wahlsieg in den Schoß gefallen wäre. Die Abstimmung am vergangenen Mittwoch war der sechste Anlauf Hichilemas, das höchste Amt des Staates zu ergattern. Dass er nicht aufgab, ist neben seinem Sendungsbewusstsein und dem Ehrgeiz seinen fast unerschöpflichen finanziellen Ressourcen und dem Umstand zu verdanken, dass sein Abstand zum Sieger von Wahl zu Wahl kleiner wurde. Die Abstimmung vor vier Jahren habe er nur durch Wahlbetrug verloren, sagt der Marathon-Kandidat. Damals hatten ihm zum Triumph über Lungu nur 100 000 Stimmen gefehlt.

Machtwechsel in Sambia: Der neue Präsident spricht auch Jüngere an

Dieses Mal trat Hichilema den Wettkampf im Wissen um Lungus Schwächen an. Dessen „Patriotische Front“ kann sich zwar auf ein stabiles Wähler:innen-Fundament verlassen. Doch die riesige Zahl vor allem jüngerer Sambier:innen, die sich aus Enttäuschung an keinen Wahlen beteiligen, erreichte der Staatspräsident nicht. Sie wurden zur Zielgruppe des Herausforderers, die der mit Beiträgen in den sozialen Netzwerken und Jeans statt Anzug umwarb. Hichilemas Botschaft: Als einer der erfolgreichsten Geschäftsleute des Landes sei er wie kein anderer geeignet, die havarierte Wirtschaft Sambias wieder seetüchtig zu machen.

Sie war von Lungu auf Grund gesteuert worden. Er regte zahllose große Infrastrukturprojekte wie den Bau von Straßen, einer Flughafenerweiterung und eines Staudamms an, die vor allem aus China finanziert wurden – allerdings nicht zum Nulltarif. So häufte der Präsident eine Schuldenlast von zwölf Milliarden Dollar an. Inzwischen muss Sambia ein Drittel des Staatsbudgets für die Schuldentilgung ausgeben.

Man müsse ihm Zeit geben, bat Hichilema in seiner Siegesrede. Ein derartiges Schlamassel könne nicht vom einen Tag zum anderen beseitigt werden. Eines sollten sich seine Landsleute allerdings sicher sein: Dass ihr neuer Präsident keine Mühen scheut. Schließlich war er vor 59 Jahren in einem abgelegenen Dorf unter einem Grasdach geboren worden, zur Schule musste er ohne Schuhe gehen und nachmittags Kühe hüten. Noch Ende dieser Woche soll Hichilema zum Präsidenten vereidigt werden.

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