Seenot

Dringender Appell an Macron und Merkel

Retter fordern Rückhalt für Mittelmeer-Mission

Im Streit über den künftigen Kurs der EU-Flüchtlingspolitik haben die Betreiber des Rettungsschiffs „Aquarius“ einen dringenden Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den französischen Präsidenten Emmanuel Macron gerichtet. Die Chefin der Hilfsorganisation SOS Méditerranée, Sophie Beau, sagte der Nachrichtenagentur AFP vor dem Treffen der beiden Politiker am Freitag in Marseille, nötig sei „ein Schub durch das deutsch-französische Paar“.

Ziel müsse ein „dauerhafter Mechanismus“ der EU sein, um im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge an Land bringen zu können, sagte Beau an Bord der „Aquarius“ im Hafen von Marseille. „Es ist Eile geboten“, betonte die französische Anthropologin, die die Hilfsorganisation im Mai 2013 zusammen mit dem deutschen Kapitän Klaus Vogel gegründet hatte. Derzeit sei die Lage im Mittelmeer sehr kompliziert. „Wegen der gegenwärtigen Unsicherheit ist kein einziges Rettungsboot mehr im Mittelmeer unterwegs.“ Das sei unverantwortlich, denn seit Juni gebe es einen „sehr großen Anstieg der Todesfälle im Meer“.

Trotz der Unwägbarkeiten rüstet die Regensburger Organisation Sea-Eye für eine neue Rettungsmission im Mittelmeer. Die letzte musste die Hilfsorganisation im Juni abbrechen, weil dem Schiff „Seefuchs“ die niederländische Flagge entzogen worden war. Dasselbe Problem hat die Dresdner Lifeline. Auch die Berliner SeaWatch ist seit Juni im Hafen von Malta festgesetzt. Sea-Eye hat seither Spenden gesammelt und sich mit einem Hamburger Reeder geeinigt, um mit größerem Schiff unter deutscher Flagge fahren zu können. Nun sucht die Hilfsorganisation nach einer Crew. Benötigt werden für jeden Einsatz mindestens acht ehrenamtliche Besatzungsmitglieder mit Hochseepatenten, erklärt Crewmanager Jan Ribbeck. Geplant ist, das neue Schiff Ende September von Hamburg ins Mittelmeer zu überführen.

Beim Treffen von Merkel und Macron in Marseille ist die Flüchtlingspolitik ein zentrales Thema. Der Kurs der neuen italienischen Regierung bereitet Paris und Berlin Kopfzerbrechen. Trotz eines Rückgangs der in Italien ankommenden Flüchtlinge verweigerte Lega-Innenminister Matteo Salvini immer wieder Schiffen mit geretteten Flüchtlingen die Erlaubnis, in italienische Häfen einzulaufen. afp/FR

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