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Zeigt sich trotz Platz drei siegesgewiss: Senatorin Amy Klobuchar feiert in New Hampshire.

Vorwahlen der Demokraten

Drei Sieger*innen und Joe Biden

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Die Vorwahlen in New Hampshire wirbeln das Feld der demokratischen Bewerber für das Weiße Haus durcheinander.

Nicht einmal die Hälfte der Stimmen sind ausgezählt, als eine Frau im stahlblauen Kostüm auf die kleine Bühne im Konferenzzentrum von New Hampshires Hauptstadt Concord klettert. Ihre Anhänger jubeln. Doch viele Fernsehzuschauer in Texas oder Kalifornien dürften das Gesicht zum ersten Mal sehen. „Hallo Amerika!“, ruft die 59-Jährige in die Menge: „Ich bin Amy Klobuchar und ich werde Donald Trump schlagen.“

Das ist eine starke Eröffnung. Aber auch ein ziemlich ambitioniertes Ziel. Tatsächlich nämlich hat die Senatorin von Minnesota mit knapp 20 Prozent der Stimmen nur den dritten Platz bei den demokratischen Vorwahlen in dem Neuenglandstaat geholt. Doch dass die Außenseiterin, die sich als Tochter eines Alkoholikers vorstellt, überhaupt so weit kommen konnte, ist eine Sensation. Schon vor ein paar Tagen bei der Fernsehdebatte hatte die bodenständige Klobuchar einen beeindruckenden Auftritt – nicht nur, weil sie den zwei Jahrzehnte jüngeren Ex-Bürgermeister Pete Buttigieg mit der halbironischen Bemerkung „59 sind die neuen 38“ ausbremste. Sie hat ein Momentum. Und dessen Auftrieb nutzt sie.

Als anderthalb Stunden später der wirkliche Gewinner des Abends vor die Kameras tritt, ist er mindestens so euphorisch. „Dieser Sieg ist der Anfang vom Ende von Donald Trump“, verkündet Bernie Sanders. Seine Fans sind außer sich. Längst ist der 78-jährige Senator zum Popstar der jungen Linken in den USA geworden: Grantig, authentisch, kompromisslos. Seit einem halben Jahrhundert vertritt der Mann, der sich stolz einen demokratischen Sozialisten nennt, dieselben Thesen. Er will das kapitalistische System Amerikas grundlegend verändern. Davon kann ihn nicht einmal ein Herzinfarkt abhalten, der ihn im vorigen Oktober buchstäblich umwarf. Das nährt seinen Mythos.

Und dann ist da selbstverständlich noch Buttigieg, der den Caucus im Bundesstaat Iowa gewann und nun mit minimalem Abstand von nicht einmal 4000 Stimmen hinter Sanders einläuft. „Wir können einen spalterischen Präsidenten nicht besiegen, wenn wir jeden ausschließen, der nicht 100 Prozent mit uns übereinstimmt!“, lautet das Credo des einstigen Bürgermeisters von South Bend. „Präsident Pete! Präsident Pete“, skandieren seine Anhänger. Im Sanders-Lager ein paar Kilometer weiter verfolgen sie die Rede am Bildschirm. Dort ist Buttigieg verhasst, weil er Spenden von Milliardären annimmt.

Ein schwuler Afghanistanveteran und Harvardabsolvent, der eloquent Kompromiss und Versöhnung predigt. Ein knorriger Überzeugungstäter, der im Rentenalter die politische Wende ausrufen will. Und eine äußerlich biedere Politikerin aus dem Mittleren Westen, die sich vor allem am Machbaren zu orientieren scheint. Größer könnte der Kontrast kaum sein. Wer die Zwischentöne hört, der ahnt, vor welchen Problemen die Demokraten in den nächsten Wochen und Monaten stehen.

Buttigieg und Klobuchar graben sich gegenseitig die Unterstützer ab und Sanders hat mit ihnen so wenig Schnittmengen, dass er kaum eine Mehrheit der Partei hinter sich versammeln könnte. Auch hat er mit knapp 26 Prozent weniger Stimmen geholt als von den Demoskopen zuletzt erwartet.

Im Grunde hat niemand in dem Spitzentrio so richtig Grund zu feiern. Doch das ist bei weitem nicht die einzige Sonderlichkeit des Abends. Mindestens so bemerkenswert ist, dass zwei Politiker, die noch im Herbst das dicht besetzte Bewerberfeld der Demokraten anführten, plötzlich aus dem Blickfeld verschwinden. Der frühere Obama-Vize Joe Biden galt lange als Favorit, die blitzgescheite und gemäßigt-linke Senatorin Elizabeth Warren als Geheimtipp im Rennen um das Weiße Haus.

Doch in New Hampshire können beide nur einstellige Ergebnisse einfahren. Offensichtlich ist Warren das Opfer der Sanders-Polarisierung geworden. Der 77-jährige Biden aber ist an seinem Alter gescheitert. Wer ihn bei seinen schwach besuchten Veranstaltungen sah, erlebte einen sympathischen alten Mann voller Empathie, der mehr über die Vergangenheit als über die Zukunft redete und öfter seine Sätze nicht zu Ende brachte. Trotzdem wollen sowohl Warren wie Biden weitermachen. Der Ex-Vizepräsident verließ den Ort seiner Demütigung noch vor Schließung der Wahllokale und meldete sich am Abend per Video von einer Wahlparty in South Carolina. In dem Bundesstaat mit einem Schwarzenanteil von über 25 Prozent wird in zwei Wochen gewählt. Sanders setzt auf die Unterstützung der Afroamerikaner.

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