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Drei Kilo Sprengstoff gefunden

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Französische Spezialeinheiten haben in Marseille zwei Terror-Verdächtige festgenommen.
Französische Spezialeinheiten haben in Marseille zwei Terror-Verdächtige festgenommen. © Claude Paris (AP)

Zwei Franzosen sollen einen Anschlag kurz vor den Präsidentschaftswahlen geplant haben. Nun haben Ermittler bei einer Razzia in Marseille drei Kilo des gefährlichen Sprengstoffs TATP und mehrere Waffen entdeckt.

Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich haben die Sicherheitsbehörden mit der Festnahme von zwei Verdächtigen nach eigenen Angaben einen Anschlag vereitelt. Die "radikalisierten" Männer hätten "in den kommenden Tagen" zuschlagen wollen, sagte Innenminister Matthias Fekl am Dienstag in Paris. Mit der Festnahme sei eine "sichere Terrortat" verhindert worden. Anschlagsziel war womöglich ein Präsidentschaftskandidat oder eine Wahlkampfveranstaltung.

Nach der Festnahme haben Ermittler außerdem bei einer Razzia in Marseille drei Kilo des gefährlichen Sprengstoffs TATP und mehrere Waffen gefunden. Das teilte Anti-Terrorstaatsanwalt François Molins am Dienstag in Paris mit. TATP war auch bei den Pariser Terroranschlägen vom November 2015 von islamistischen Gewalttätern verwendet worden. Die Ziele der festgenommen Terrorverdächtigen von Marseille seien noch nicht klar, so Molins. Bei der Durchsuchung sei auch eine Fahne der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gefunden worden. In wenigen Tagen wählen die Franzosen einen neuen Staatspräsidenten.

Die 23 und 29 Jahre alten Männen, die die französische Staatsbürgerschaft haben, wurden am Dienstag im südfranzösischen Marseille gefasst, wie Innenminister Matthias Fekl sagte. Bei Wohnungsdurchsuchungen wurden nach Angaben aus Ermittlerkreisen Schusswaffen und Material zur Herstellung von Sprengstoff gefunden. Staatschef François Hollande sprach von einem "bemerkenswerten" Erfolg der Sicherheitsbehörden.

Mindestens einige der elf Präsidentschaftskandidaten waren bereits vergangene Woche gewarnt worden. Die rechtspopulistische Kandidatin Marine Le Pen und das Umfeld von Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron bestätigten der Nachrichtenagentur AFP, ihren Sicherheitsdiensten seien am vergangenen Donnerstag Fotos der beiden Verdächtigen übergeben worden.

Bei den konservativen Republikanern von François Fillon hieß es, seine Sicherheitsleute seien am Freitag über "erwiesene Risiken" für den Kandidaten informiert worden. Demnach verstärkte das Innenministerium die Sicherheitsvorkehrungen für eine Wahlkampfveranstaltung Fillons im südfranzösischen Montpellier an diesem Tag. Eingesetzt wurden unter anderem Scharfschützen.

Anti-Terror-Behörden stoßen auf Fotomontage

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen waren die Anti-Terror-Behörden auf eine Fotomontage gestoßen, auf der ein Zeitungsartikel über Fillon und ein Foto eines der Festgenommenen mit einem Schnellfeuergewehr zu sehen ist. Es ist aber noch unklar, ob der konservative Kandidat wirklich ein Anschlagsziel war.

Die französische Justiz hatte Anfang April Vorermittlungen gegen den 29-jährigen Mahiedine M. eingeleitet. Wenige Tage später wurden Vorermittlungen gegen den 23-jährigen Clément B. eröffnet. In der Folge wurde den Ermittlern klar, dass es sich um ein und dasselbe Anschlagsprojekt handelte, wie aus Ermittlerkreisen verlautete. Der Pariser Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins wollte am Dienstagabend (19.30 Uhr) weitere Angaben zum Stand der Ermittlungen machen.

Die Festnahmen fünf Tage vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am kommenden Sonntag schürten neue Sorgen vor Anschlägen. Wegen der Terrorgefahr finden die Wahlen unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Gleiches gilt für die Wahlkampfveranstaltungen. Bei den beiden Wahlrunden am 23. April und 7. Mai werden landesweit mehr als 50.000 Polizisten und Soldaten im Einsatz sein.

"Es wurde alles in die Wege geleitet, um die Sicherheit bei diesem für unsere Demokratie wichtigen Termin zu gewährleisten", erklärte Innenminister Fekl. Gleichwohl bleibe das Terrorrisiko "höher als je zuvor".

Frankreich wurde seit Anfang 2015 von einer Reihe islamistischer Anschläge mit insgesamt 238 Todesopfern getroffen. Seit den Pariser Attacken vom 13. November 2015 gilt in dem Land der Ausnahmezustand. Zuletzt wurde er bis Mitte Juli verlängert, um die Präsidentschaftswahl und die Parlamentswahl im Juni abzudecken. (AFP)

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