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Kämpfen gemeinsam für einen Wandel: Zepkalo, Kandidatin Tichanowskaja und Kolesnikowa (v.l.).

Belarus

Drei Frauen gegen Lukaschenko

Vor der Wahl in Belarus setzt ein Bündnis um eine Oppositionelle den Präsidenten unter Druck.

Es ist eine der meistdiskutierten Fragen vor der Wahl am Sonntag in dem von Präsident Alexander Lukaschenko mit harter Hand regierten Belarus (Weißrussland): Kann Swetlana Tichanowskaja „Europas letzten Diktator“ in die Knie zwingen? Die 37-Jährige füllt seit Tagen in den Städten im Land ganze Stadien mit ihren Anhängern. Sie gilt als große Hoffnung vieler Menschen, Lukaschenkos international wegen Menschenrechtsverstößen kritisierte Herrschaft zu beenden.

Doch Lukaschenko kämpft bis zum Letzten um seine sechste Amtszeit. „Ich gebe die Macht nicht her“, sagt der 65-Jährige. Zu Hunderten ließ er zuletzt schon Aktivisten festnehmen, die gegen ihn auf die Straße gegangen waren. Fast täglich warnt er vor der Gefahr eines Umsturzes – er droht sogar mit einem Armeeeinsatz, um eine Revolution in dem Land zu verhindern.

Nach 26 Jahren an der Macht sieht sich Lukaschenko, der so lange regiert wie niemand sonst in Europa, aus seiner Sicht umzingelt von Feinden. Sogar der Dauerverbündete Russland muss als Feind herhalten, der versuchen soll, sich die Ex-Sowjetrepublik einzuverleiben. Moskau weist das zurück.

Kremlchef Wladimir Putin weiß trotzdem, was er an Lukaschenko hat: ein Bollwerk gegen die Nato, die aus russischer Sicht von Westen her vordringt. Lukaschenko baue Druck gegen seine Gegner auf mit der These, dass ein Krieg ausbreche, wenn er nicht mehr an der Macht sei, sagte der Politologe Andrej Porotnikow.

Tichanowskaja mobilisiert

„Wir wollen nur einen Machtwechsel, ehrliche Wahlen“, sagt dagegen Tichanowskaja. Sie mahnt ihre Landsleute, keine Angst zu haben. Niemand spreche von einer Revolution – außer Lukaschenko. Die junge Frau schafft aus Sicht von Kommentatoren etwas, was bisher niemand erreicht habe im Kampf gegen Lukaschenko: die Menschen zu mobilisieren und zu begeistern. Doch der Widerstand des Machtapparats ist groß. Erst am Donnerstag musste sie auf Druck der Behörden eine Großkundgebung in Minsk absagen. Am selben Tag wurde ihre Wahlkampfleiterin vorübergehend festgenommen.

„Es gibt das erste Mal seit Jahren eine Chance für etwas Neues in Belarus“, sagt die Expertin Maryna Rakhlei von der Denkfabrik German Marshall Fund in Berlin. Nach Jahren des Stillstands unter Lukaschenko seien die Menschen „müde und hoffnungslos“, und sie hätten die Furcht verloren vor Veränderung und vor den vielen Festnahmen.

Unter den Inhaftierten ist auch der populäre Videoblogger Sergej Tichanowski. Weil er im Gefängnis ist, hat seine Ehefrau Swetlana ihre Kandidatur an seiner Stelle erklärt – und als einzige Vertreterin der Opposition eine Zulassung als Kandidatin bekommen.

Insgesamt fünf Bewerber haben die rund 6,8 Millionen Wahlberechtigten zur Auswahl – aber längst dreht sich alles nur noch um Lukaschenko und Tichanowskaja. Dabei versuchte Lukaschenko seine Konkurrentin vor allem als Frau zu brüskieren: Macht sei für Männer.

Tichanowskaja will auch die Stimmen der ebenfalls von der Wahl ausgeschlossenen Gegner Lukaschenkos auf sich vereinen: allen voran Viktor Babariko, der als früherer Chef einer russischen Bank wegen mutmaßlicher Wirtschaftsverbrechen im Gefängnis sitzt. Maria Kolesnikowa, Leiterin von Babarikos Wahlkampfstab, unterstützt Tichanowskaja ebenso wie Veronika Zepkalo, die Ehefrau des nach Russland geflüchteten Waleri Zepkalo. Markensymbol der drei Frauen gegen Lukaschenko ist eine geballte Faust, ein mit den Händen geformtes Herz und ein Victory-Zeichen.

Selbst Präsidentin werden wolle sie nicht, sagt Tichanowskaja. Ihr Ziel ist es vielmehr, nach ihrer Wahl alle Inhaftierten freizulassen und mit ihnen eine neue und ehrliche Präsidentenwahl anzusetzen. Staatschef Lukaschenko aber zeigte sich erst in einem am Donnerstag veröffentlichen Interview siegessicher – und deutete an, dass er wie in der Vergangenheit mit rund 80 Prozent Zustimmung rechne. (dpa)

Nach der umstrittenen Wiederwahl von Langzeitherrscher Lukaschenko eskalieren die Proteste in Belarus. Beendet sind die Unruhen mit dem brutalen Einsatz der Staatsmacht aber nicht.

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