Es gehe um die Frage „Wer stellt den Kanzler?“ sagt Söder vor einem Treffen des CSU-Präsidiums.
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Es gehe um die Frage „Wer stellt den Kanzler?“ sagt Söder vor einem Treffen des CSU-Präsidiums.

Union

Er drängt, erklärt und mahnt

  • Daniela Vates
    vonDaniela Vates
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In der Diskussion über CDU-Leitung und die K-Frage positioniert sich CSU-Chef Markus Söder überraschend eindeutig.

Seine Panik versteckt Markus Söder in einem seiner letzten Sätze. Das CSU-Präsidium kommt in München zusammen, auf der Tagesordnung stehen die offenen Führungsfragen der Union. Der CSU-Chef mahnt seine Parteikollegen drinnen zur Zurückhaltung. Draußen vor den Mikrofonen sagt er vorher, die CSU werde auf jeden Fall den Kanzlerkandidaten der Union mitbestimmen.

Eine Viertelstunde nimmt er sich Zeit für diese Positionierung, er drängt. erklärt und mahnt. Und es dauert einige Fragen, bis er zur Begründung kommt – und die hat es in sich. „Es wird nicht nur um Schwarz-Grün gehen, sondern um Schwarz oder Grün“, so Söder. Es gehe um die Frage: „Wer ist die Nummer 1? Wer stellt den Kanzler?“

So offen hat in der Union selten einer die Befürchtung formuliert, dass die Grünen die eigene Partei nicht nur bedrängen, sondern sogar überflügeln könnten. Baden-Württemberg mit seinem grün-schwarzen Bündnis unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann würde dann vom Sonderfall zur Normalität.

Söder sagt, die Union müsse Faszination ausüben. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hat er formuliert, man müsse „cool und sexy statt altbacken und müde“ wirken. In der ARD-Talkshow „Anne Will“ sagt er, die Union müsse „Lebensfreude und Optimismus“ ausstrahlen. „Man braucht nicht das Triste, das Negative, das Maulende, das Kaputtmachende.“ Er sieht das als Abgrenzung zur AfD. Es ist gleichzeitig eine Distanzierung von der eigenen Giftigkeit im Unions-Flüchtlingsstreit.

Das hat auch diesen Grund: Den Erfolg der Grünen führen sie in der Union auch auf die positive Ausstrahlung von deren Vorsitzenden zurück, auch bei der bayerischen Landtagswahl verbreiteten die Grünen-Kandidaten Frohsinn – trotz Klimakrise. Söder ist gut unterwegs, um seine Botschaft zu verbreiten. Die CDU hat ja auch die politischen Bühne frei gemacht, die möglichen Kandidaten drängen sich vor allem hinter dem Vorhang.

Mehrere führende CDU-Leute haben sie zur Zurückhaltung gemahnt. Am Dienstag will die scheidende CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer erstmal mit dem ehemaligen Unions-Fraktionschef Friedrich Merz sprechen. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bekommen wohl einen Termin.

Die weitere Strategie soll das CDU-Präsidium am kommenden Montag beschließen, dem Tag nach der Hamburg-Wahl. Söder bremst bis dahin die Euphorie: Die CDU könne natürlich über ihren Parteivorsitzenden bestimmen, aber eben nicht über den Kanzlerkandidaten. „Sollte ein Plan ohne die CSU versucht werden, wird es konzeptionell schwierig“, sagt er. Selten hat Söder eine Drohung so diplomatisch formuliert. Er drängt auf eine Präsidiumssitzung von CDU und CSU, die gemeinsame Strategie müsse besprochen werden.

Die Union soll sich nach Söders Vorstellungen darauf verständigen, den Kanzlerkandidaten erst Ende des Jahres zu bestimmen. Oder gar Anfang 2021. Man müsse schließlich „den Spannungsbogen halten“, bis zur Bundestagswahl im Herbst 2021. Eine frühere Wahl lehnt er ab: „Es wäre nicht gut, aus taktischen Erwägungen, die Regierungszeit der Bundeskanzlerin zu verkürzen.“ Angela Merkel sei die „mit Abstand angesehenste Politikerin“ in Deutschland.

Dem Kanzlerkandidaten empfiehlt Söder ein Zukunftsprogramm, „kein Programm von gestern“. Und er müsse sich von der AfD abgrenzen. Da dürfe es „kein Wackeln, kein Zaudern, kein Zögern“ geben. „Wir können nur jemanden zum Kandidaten machen, der klar den Trennstrich zieht.“ Es klingt zumindest nicht, als empfehle Söder da Friedrich Merz, den Kandidaten, der sein Renommee zu einem guten Teil aus seiner Politik-Zeit vor 20 Jahren zieht und der als Merkel-inkompatibel gilt. Söder sagt, er halte alle Kandidaten für gut.

Aber es gehe nun erst einmal um den CDU-Vorsitz – ohne weitere Automatismen. „Wer führt, muss sich darüber klar sein, dass am Ende ein anderer Kanzlerkandidat werden könnte“, sagt er. „Vielleicht lichtet das schon das Kandidatenfeld.“ Und für Söder bliebe Zeit, sich die Kanzlerkandidatur doch nochmal zu überlegen.

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