Dortmund

Dortmund gegen Nazis: Eine Stadt wehrt sich

Dortmunder Bürger protestieren gegen Neonazi-Aufmärsche.

Jeden Montagabend versammeln sich Dutzende Menschen in Dortmunds Innenstadt. Seit der Eröffnung eines Thor-Steinar-Ladens im Sommer protestieren sie gegen das als bei Neonazis beliebt geltende Bekleidungsgeschäft. Fast zur gleichen Zeit ziehen Rechtsextreme durch die multikulturelle Nordstadt.

Die Aufmärsche beantworten Bündnisse der Dortmunder Stadtgesellschaft mit Demonstrationen gegen rechte Hetze, zuletzt waren es 2000 Menschen. Die Partei „Die Rechte“ kündigte an, ihre Aktionen fortsetzen zu wollen. Dortmund blickt einer unruhigen Vorweihnachtszeit entgegen. Auslöser für die andauernden Rechten-Demos war eine Graffiti-Aktion, zu der auch der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) nach Dortmund gereist war.

In Straßenzügen des Stadtteils Dorstfeld, in denen seit Jahren mehr als 20 Rechtsextreme leben, wurde der Schriftzug „Nazi-Kiez“ in einer organisierten Kunst-Aktion übersprüht. Einem örtlichen Verein war es nach längerer Zeit gelungen, dass der Hauseigentümer das Sprayen zuließ. Die Stadt Dortmund erklärt, man sei froh darüber, dass es gelungen sei, sich „gegen Menschen zu stellen, die das freie Leben der Gesellschaft einschränken wollen“.

Auch die Polizei in Dortmund greift bei Demonstrationen gegen die Rechtsextremen durch. Sie sieht sich durch Urteile von Verwaltungsgerichten gestärkt, wie eine Sprecherin erläutert. Das Skandieren von Parolen, mit denen Rechtsextreme einen Gebietsanspruch auf „ihren Kiez“ erheben, erfülle einen Straftatbestand. Die Polizei billige nicht, dass durch Nazi-Gebaren Angsträume in der Stadt entstehen.

Seit vier Jahren arbeitet die „Soko rechts“ – mit ersten Erfolgen, wie Polizeipräsident Gregor Lange mehrfach betonte. Rechtsextreme Gewalttaten seien seit Bestehen der Soko um 40 Prozent zurückgegangen. Kritiker mahnen dennoch, dass Dortmund sich zu einem zentralen Ort der Neonaziszene entwickelt habe. Vor allem autonome Gruppen warnen, dass der Thor-Steinar-Laden mehr als nur ein Geschäft sei, sondern vielmehr ein Treffpunkt der Rechtsextremen.

Die fortwährenden Aktionen der Rechtsextremen stellen Initiativen wie den Dortmunder Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus, ein Bündnis von Kirchen, Vereinen und Organisationen, vor die Frage, ob er stets zum Gegenprotest aufrufen soll. Denn es bestehe auch die Gefahr, auf diese Weise den Nazis viel zu viel Aufmerksamkeit zu verschaffen, gibt Sprecher Friedrich Stiller zu bedenken. Gleichwohl müsse aber auch aus der Mitte der Gesellschaft heraus ein klares Zeichen für Toleranz und Vielfalt gesendet werden. (epd)

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