+
Der Nächste, der fliegt: Andrew McCabe.

USA

Donald Trumps nächster Rauswurf

Unter Donald Trump rollen so viele Köpfe, dass es schon fast eine Ausnahme ist, wenn mal eine Woche ohne Entlassung vergeht. Nun muss FBI-Vize McCabe zwei Tage vor der Pensionierung gehen - offenbar aus reiner Rachsucht.

Unter Donald Trump rollen so viele Köpfe, dass es schon fast eine Ausnahme ist, wenn mal eine Woche ohne Entlassung vergeht. Andrew McCabe zählt auch nicht zur allerersten Garde der Opfer des Präsidenten, der gnadenlos Leute aus dem Job entfernt, die ihm nicht bedingungslos Treue schwören. Aber diese Entlassung hat trotzdem ein besonderes Kaliber.

Nicht, weil der frühere Vizedirektor des Federal Bureau of Investigation erst aus einer Pressemitteilung des Justizministeriums erfuhr, dass er gefeuert ist – da ging es dem gerade auch geschassten Außenminister Rex Tillerson kaum besser. Auch nicht, weil Trump in einem Tweet regelrecht über den Schritt jubilierte: In der Vergangenheit hat er via Twitter schon viel Schlimmeres losgelassen.

Andrew McCabes Rauswurf ist besonders brutal

Aber dass McCabe praktisch am Vorabend seines ohnehin geplanten vorzeitigen Ruhestands gefeuert wurde, mit vermutlichen Pensionsverlusten als Folge, ist besonders brutal – selbst für einen Mann, der für alles andere als Zartfühligkeit bekannt ist. Und dieses Vorgehen offenbart in aller Deutlichkeit den Grad der Besessenheit, die Trumps Vendetta gegen das FBI mittlerweile erreicht hat – in seinen Augen eine Art fünfte Kolonne, die ihm in Zusammenarbeit mit den Demokraten durch die Russland-Ermittlungen die Legitimation als Präsident nehmen will.

Indem er McCabe nur zwei Tage vor dessen endgültigem Ausscheiden durch seinen – selber vom Fallbeil bedrohten – Justizminister Jeff Sessions feuern ließ, konnte Trump das Augenmerk erneut auf das Sinistre lenken, was sich in seinen Augen im FBI tut. Von „undichten Stellen, Lügen und Korruption“ bis hinauf in die FBI-Spitze sprach er am Samstag auf Twitter. Ein perfide Verschwörung gegen ihn: Das ist so etwas wie Trumps Mantra geworden, seit FBI-Ermittler schon kurz nach seinem Amtsantritt seinen Sicherheitsberater Michael Flynn zu Fall brachten.

Und es hat sich seitdem wie eine Kette fortgesetzt, zunehmend befeuert durch Zorn und Frust, dass er die Russland-Ermittlungen einfach nicht loswerden kann. Zweifellos hatte Trump gehofft, sie mit der Entlassung von FBI-Chef James Comey zumindest langsam zum Ausklingen zu bringen. Aber damit schoss er sich selber ins Knie: Mit Robert Mueller übernahm ein unerschrockener Mann die Untersuchungen, an dem Einschüchterungsversuche bisher völlig abgeprallt sind.

Seitdem hat Trump zunehmend auf republikanische Gefolgsleute im Kongress zurückgegriffen, um die Ermittlungen zu torpedieren. Er und seine Verbündeten auf dem Kapitol versuchten zusammen „die einzige Institution der Regierung zu untergraben, die bisher von den Konservativen in der Regel als Bastion der Integrität und von Recht und Ordnung angesehen wurde“, schrieb das Magazin „Politico“ kürzlich.

Das war nach der von Trump gebilligten Veröffentlichung eines äußerst umstrittenen Republikaner-Memorandums über vorgeblich widerrechtliche FBI-Abhörpraktiken bei den Russland-Untersuchungen. Aber auch diese Attacke gegen das FBI und die Ermittlungen, bei denen es unter anderem um eine mögliche Zusammenarbeit zwischen Moskau und dem Trump-Lager zur Beeinflussung der US-Wahl 2016 geht, verpuffte ziemlich wirkungslos.

Und nun McCabe. Eingeschossen hatte sich Trump schon seit langem auf ihn, auch wegen der Rolle, die McCabe neben Comey bei den Ermittlungen in der E-Mail-Affäre um seine demokratische Wahlrivalin Hillary Clinton gespielt hat. Die haben aber zu keiner Strafverfolgung geführt – und das bringt Trump heute noch immens in Rage. Und wer – wie Comey und McCabe – bei beidem, den Russland-Untersuchungen und dem „Freispruch“ Clintons die Finger im Spiel hat, kann sich Trumps Hass sicher sein.

Freilich kann nicht ausgeschlossen werden, dass an den Vorwürfen gegen McCabe, die das Justizministerium für den Rauswurf anführte, irgendwas dran ist. Er soll hinter der Versorgung von Medien mit heiklen Informationen stecken und später bei Untersuchungen darüber „unaufrichtig“ gewesen sein, was er bestreitet. Aber schon bei der Formulierung „unaufrichtig“ darf man sich wundern, denn sie kommt mit Sessions von einem Mann, der sich bei Fragen nach Russland-Kontakten Dutzende Male an nichts erinnern konnte und sich später korrigieren musste.

Die offizielle Begründung für McCabes Entlassung klinge schon allein merkwürdig, weil „Wahrheit keine Anforderung der Trump-Regierung ist“, kommentierte denn auch Autor Michael d’Antonio („Die Wahrheit über Donald Trump“) bei CNN und sprach von „Scheinheiligkeit“. Auch auf der Nachrichtenwebseite Vox.com wurde gefolgert, Trump habe McCabe schlicht weghaben wollen, weil der in die Russland-Ermittlungen involviert war. „Trump glaubt, dass McCabe ein Demokrat auf der Linie Comeys ist, der voreingenommen gegen ihn war.“ Und er habe sich persönlich an ihm rächen wollen.

Aber vielleicht geht der Schuss auch diesmal nach hinten los. Denn wie zuvor Comey soll auch McCabe Notizen über Gespräche mit Trump gemacht haben, die jetzt angeblich Mueller vorliegen. Der Inhalt könnte Vorwürfen Nahrung geben, nach denen Trump systematisch versucht, die Ermittlungen zu untergraben und sich damit vielleicht der Justizbehinderung schuldig macht. Und jetzt kann McCabe ohne Amtszwänge auspacken. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion