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Hauptsache ein Fernseher ist in der Nähe: US-Präsident Trump in der Air-Force One.

Donald Trump

Luftiger Terminkalender

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Donald Trump beschäftigt sich die meiste Zeit des Tages mit fernsehen, twittern und telefonieren.

Den Morgen nach dem Super-Bowl-Wochenende mit dem Finale der amerikanischen Football-Liga ließ Donald Trump ruhig angehen. Für 11.45 Uhr listete der offizielle Plan des US-Präsidenten am gestrigen Montag den ersten Termin auf – die turnusmäßige halbstündige Unterrichtung durch seine Sicherheitsberater. Um 12.45 Uhr stand ein Mittagessen mit Vizepräsident Mike Pence auf dem Programm. Der anschließende Nachmittag war komplett frei. Das sage wenig aus, betont das Weiße Haus regelmäßig: Schließlich gebe es viele Verpflichtungen des Präsidenten, die nicht publik gemacht werden könnten.

Diese Behauptung wird nun durch eine spektakuläre Enthüllung der Nachrichtenseite Axios widerlegt. Das Onlinemedium hat den streng vertraulichen persönlichen Kalender des Präsidenten für die vergangenen drei Monate zugespielt bekommen und veröffentlicht. Er zeigt so gut wie keine Termine vor elf Uhr morgens, und auch der Rest der Tage wirkt sehr luftig. An manchen Tagen hat der Präsident nur einen einzigen Termin. Vor elf Uhr ist er nach Berichten seiner Mitarbeiter selten im Oval Office, gegen 18 Uhr zieht er sich wieder in seinen Privattrakt des Weißen Hauses zurück. Rund 60 Prozent der Arbeitszeit war im vorigen Quartal für unspezifische „Executive Time“ (etwa: „Zeit für Geschäftsführung“) geblockt. Nach amerikanischen Medienberichten schaut Trump dann vor allem fern, twittert und telefoniert.

Trump-Sprecherin Sanders: „Resultate sprechen für sich“

Die Echtheit des Kalenders wird von seiner Sprecherin Sarah Sanders gar nicht bestritten. „Präsident Trump hat einen anderen Führungsstil als seine Vorgänger, und die Resultate sprechen für sich“, kontert sie und behauptet, die „kreativere Umgebung“ habe ihn zum produktivsten Regierungschef der Geschichte gemacht.

Kritische Beobachter sehen den luftigen Kalender hingegen eher als Beleg, dass Trump immer weniger Austausch sucht und vorwiegend um sich selbst kreist. In der vergangenen Woche hatte er dem Urteil seiner Geheimdienste zur Lage in Nordkorea, Iran, Russland und Syrien widersprochen und den Experten empfohlen, wieder in die Schule zu gehen. Am Sonntag warf er den Geheimdiensten in einem Fernsehinterview erneut vor, die Lage im Iran zu verharmlosen. Er sei zu hundert Prozent anderer Meinung: „Wenn meine Geheimdienstleute mir erzählen, wie wunderbar der Iran ist, folge ich einfach meinem eigenen Urteil.“

Der Präsident befinde sich in einem Zustand der „absichtlichen Unwissenheit“, schlagen nun Geheimdienstmitarbeiter im Magazin „Time“ lautstark Alarm. Sie beschreiben, wie die tägliche Unterrichtung zur Sicherheitslage auf wenige Punkte und kurze Sätze reduziert wird, damit Trump folgen kann. Außerdem versuche man durch Grafiken und Bilder sowie die häufige Wiederholung seines Namens die Aufmerksamkeit des Narzissten zu erlangen. Der Erfolg hält sich in Grenzen: Bei einem Vortrag zur Sicherheitslage im Indischen Ozean soll sich Trump erkundigt haben, ob es da schöne Strände gebe. Ein anderes Mal behauptete er angeblich, Nepal gehöre zu Indien.

Intensiv beschäftigt sich Trump hingegen mit seinem Ego. So hat sich der Milliardär laut „New York Times“ darüber beklagt, dass seine Gesichtshaut im Fernsehen immer gelblich-orange wirke. Seither, berichtet das renommierte Blatt, werde das Licht bei offiziellen Terminen im Weißen Haus heruntergedimmt, und Trump trete immer häufiger draußen im Rosengarten vor die Presse – zuletzt während des Shutdowns bei kühlen fünf Grad Celsius.

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