Donald Trump und Chinas Vizepremier Liu He vor der Unterzeichnung des Handelsabkommens im Januar 2020
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Donald Trump und Chinas Vizepremier Liu He vor der Unterzeichnung des Handelsabkommens im Januar 2020

Finanz-Deals

Donald Trumps geheimes Konto in China

  • vonSebastian Richter
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Donald Trump zahlte 200.000 Dollar Steuern – aber nicht in den USA. Als Präsident ist er gegen China, aber wie verhält es sich im Privaten?

  • Donald Trump wettert regelmäßig gegen chinesische Politik und wirft Joe Biden vor, mit China zusammen zu arbeiten.
  • Dabei machte Trump selbst eine Vielzahl von Geschäften in China.
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Washington - China ist einer der Lieblingsgegner Donald Trumps: Der US-Präsident führt nicht nur einen Handelskrieg gegen das bevölkerungsreichste Land der Welt, auch die Verantwortung für die Coronavirus-Pandemie und damit über 220.000 Tote in den USA gibt er gerne an China ab. Denn China hätte „die Seuche herausgelassen“, die Verbreitung des von Trump genannten „China-Virus“ sei damit auch deren Schuld. Im Wahlkampf nutzt Trump das Land gerne als Sündenbock, und den braucht er dringend: In Umfragen sehen seine Chancen, als Präsident wiedergewählt zu werden, ziemlich düster aus. In Trumps Welt ist China böse, er selbst ist der starke Mann, der hart gegen dagegen vorgeht. So macht er es immer wieder im Wahlkampf deutlich.

Im Zuge dessen setzt er wiederholt seinen Gegenkandidaten Joe Biden und dessen Familie in Verbindung mit China und wirft ihnen Korruption vor. Vor allem Joe Bidens Sohn Hunter steht damit im Fokus Trumps und anderen Republikanern. Hunter Biden soll ein Bankkonto bei einem chinesischen Geschäftsmann eröffnet haben, was als Anbandelung mit China kritisiert wurde. Dass Trump selbst finanziell bei seinem Gegner in Fernost involviert war, wurde allerdings verschwiegen.

Donald Trumps Projekte in China

Das berichtete jetzt die „New York Times“, die schon vor ein paar Wochen bekannt machte, dass Trump 2016 und 2017 nur 750 Dollar Steuern in den USA zahlte. Die „New York Times“ setzte ihre Analyse der Steuerunterlangen des Präsidenten fort und stellte unter anderem fest, dass Trump indirekt neben Großbritannien und Irland auch ein Konto in China unterhalten haben soll.

Ein Jahrzehnt lang soll Trump damit verbracht haben, unerfolgreiche Projekte in China verfolgt zu haben. Während seiner ersten Amtszeit soll er dort auch ein Büro betrieben haben – und eine Partnerschaft mit einem großen, von der chinesischen Regierung kontrollierten Unternehmen angestrebt haben. Da das dafür in China geführte Konto nicht von Trump selbst, sondern von seinem Unternehmen „Trump International Hotels Management L.L.C.“, geführt wurde, war es nicht in den Finanzangaben enthalten, in denen er seine persönlichen Vermögenswerte auflisten muss.

Wie viel Geld über die Konten im Ausland gelaufen ist, ist nicht mehr feststellbar. „Trump International Hotels Management“ meldete einige tausend Dollar den Behörden. An Steuern zahlte er allerdings 188.561 US-Dollar.

Donald Trumps Kontakte zu chinesischen Banken

Alan Garten, Anwalt der Trump Organization, erklärte, dass der Standort in China eröffnet wurde, „um das Potenzial für Hotelangebote in Asien“ zu erkunden. Das Konto diente damals nur für die Zahlung der lokalen Steuern, die für das Büro anfielen. „Es wurden nie Geschäfte, Transaktionen oder andere Geschäftsaktivitäten getätigt, und seit 2015 ist das Büro inaktiv geblieben“, sagte Garten weiter. „Obwohl das Bankkonto offen bleibt, wurde es nie für andere Zwecke verwendet.

Bei welchem Institut das Konto geführt wird, wollte Garten nicht preisgeben. Über Kontakte zu chinesischen Banken verfügt die Trump-Organization zweifellos, mietete bis zum letzen Jahr doch die größte staatlich kontrollierte Bank Chinas drei Stockwerke im Trump Tower in New York. Zu lukrativen Preisen.

Die „New York Times“ hat auch weitere Beweise aus den Steuerunterlagen Trumps erhalten, die belegen, dass Trump versucht hat, auf dem chinesischen Markt Geschäfte zu machen. Seit 2006 soll er Marken in China angemeldet haben, viele Gehnehmigungen gingen erst ein, als er schon Präsident war. 2008 soll Trump ein Großprojekt in Guangzhou angestoßen haben, bei dem er Bürotürme bauen wollte, was aber nie richtig in Gang kam. 2012 strengte er einen weiteren Anlauf an. Steueraufzeichnungen zeigen, dass eines der mit China verbundenen Unternehmen von Trump, THC China Development L.L.C., in diesem Jahr Abzüge in Höhe von 84.000 USD für Reisekosten, Rechtskosten und Bürokosten geltend machte. Trump verpartnerte sich mit der State Grid Corporation, einem der größten vom Chinesischen Staat kontrollierten Unternehmen. Die Geschäftsbeziehungen sollen noch Monate nach Trumps ersten Präsidentschaftskampagnen weiter gelaufen sein, wurden wegen Korruptionsuntersuchungen der chinesischen Behörden bei State Grid aber aufgegeben worden.

Donald Trumps Deals in China

Wie viel Geld Trump in seine Unternehmungen gesteckt hat, kann man nicht genau bestimmen. Mindestens 192.000 US-Dollar soll er laut den Aufzeichnungen, die der „New York Times“ vorliegen, selbst in fünf kleine Unternehmen investiert haben, die nur für seine Projekte in China gegründet wurden. Insgesamt haben diese Unternehmen seit 2010 Ausgaben in Höhe von 97.400 US-Dollar geltend gemacht.

Statt Trump selbst ist „Trump International Hotels Management“ aber eng mit der chinesischen Wirtschaft vernetzt. Die abzugsfähigen Ausgaben werden jährlich ausgewiesen, meistens gibt das Unternehmen ein paar Millionen US-Dollar an.

2017 gab es allerdings einen ungewöhnlich hohen Anstieg der angegebenden Umsätze: 17,5 Millionen US-Dollar, mehr als in den letzten fünf Jahren zusammen. Die hohen Einnahmen sollen durch „Verwaltungsgebühren“ und „Vertragszahlungen“ entstanden sein, wie der Präsident in seinen öffentlichen Finanzangaben mitteilte. Tatsächlich verkaufte die Trump Organisation in diesem Jahr den Managementvertrag für das SoHo-Hotel in New York, der laut Dienstleistungsunternehmen Bloomberg etwa 6 Millionen US-Dollar eingebracht haben soll. Dieser Verkauf soll einen erheblichen Teil der Unternehmenseinnahmen im Jahr 2017 ausgemacht haben. Die übrige Differenz stehe nicht mit China in Verbindung, so Garten. Im selben Zeitraum buchte Trump 15,1 Millionen US-Dollar vom Konto des Unternehmens ab.

Donald Trump ist weltweit mit chinesischen Investoren verbunden

Außerhalb Asiens ist Trump mit chinesischen Geschäftsleuten erfolgreicher. Zahlreiche chinesische Investoren kauften Hotels und Türme Trumps in Las Vegas, Vancouver und British Columbia. Reibungslos verliefen diese „Deals“ aber auch nicht immer, einmal soll sich das Federal Bureau of Investigation (FBI) eingeschaltet haben. Von der falschen Verwendung von Büroadressen ist die Rede, was aus der Untersuchung wurde, ist nicht bekannt.

Kurz nach Trumps Wahl zum US-Präsidenten 2016 gab er an, ein Penthouse an eine chinesische Geschäftsfrau für 15,8 verkauft zu haben. Ihr Name ist Xiao Yan Chen, sie leitet eine internationale Beratungsfirma und soll Verbindungen zu hochrangigen Eliten in Chinas Regierung pflegen.

Trump steht offensichtlich in enger Verbindung mit einigen chinesischen Geschäftsleuten, verdient dort Geld und hatte Pläne, seinen Einfluss in Fernost noch weiter auszubauen. Als Präsident agiert er trotzdem immer wieder gegen China. Vielleicht differenziert Donald Trump sehr genau zwischen Politik und seinen eigenen „Deals“. (Sebastian Richter)

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