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Donald Trump am Weißen Haus.
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Donald Trump am Weißen Haus.

Bericht

Heftige Beleidigungen im Weißen Haus: „Verrücktestes Treffen“ zwischen Donald Trump und Vertrauten

  • Tim Vincent Dicke
    vonTim Vincent Dicke
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Bei einem chaotischen Treffen gegen Ende der Amtszeit von Donald Trump fallen heftige Beleidigungen zwischen Vertrauten des damaligen Präsidenten.

  • Ein Meeting von Donald Trump mit der Anwältin Sidney Powell und Ex-Berater Michael Flynn läuft Ende 2020 völlig aus dem Ruder.
  • Ein Bericht enthüllt chaotische Szenen im Oval Office: Es kam zu Beleidigungen und Schreien.
  • Trump-News: Alle Neuigkeiten rund um den 45. US-Präsidenten

Washington D.C. – Zunächst meldete es die „New York Times“ unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen: Am 18. Dezember soll es im Weißen Haus ein konspiratives Treffen von Donald Trump mit Verschwörungstheoretikern gegeben haben. Trump habe unter anderem darüber gesprochen, die Anwältin und QAnon-Unterstützerin Sidney Powell als Sonderermittlerin der Regierung für angeblichen Wahlbetrug einzusetzen.

Nun hat die Nachrichtenseite „Axios“ das bizarre Meeting noch einmal aufgerollt und bezeichnet es als das „verrückteste Treffen der Trump-Präsidentschaft“. Eine Auszeichnung, die es in sich hat, schließlich war die Amtszeit von Donald Trump gespickt mit Skandalen, Dammbrüchen und denkwürdigen Momenten.

Treffen im Weißen Haus unter Donald Trump: „Wie zum Teufel ist Sidney in das Gebäude gekommen?“

Donald Trumps privater Terminkalender hatte an besagtem Dezembertag eigentlich keine Termine für Powell oder die anderen Personen vorgesehen: den ehemaligen nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn, Patrick Byrne, Ex-Chef eines Möbelhändlers, sowie eine wenig bekannte frühere Mitarbeiterin der Trump-Administration, Emily Newman. Aber alle waren nur aus einem Grund gekommen: um Trump zu überzeugen, extreme Maßnahmen für seinen Machterhalt zu ergreifen.

Sidney Powell kämpft als Anwältin für Donald Trump. Sie war bei dem „verrücktesten Treffen“ tonangebend. (Archivfoto)

„Wie zum Teufel ist Sidney in das Gebäude gekommen?“, grummelte laut „Axios“ zunächst Eric Herschmann, zum Zeitpunkt Chefberater des Weißen Hauses, als Powell und ihre Gefolgschaft ins US-Machtzentrum marschierten. Die Entourage trat ins Oval Office ein, es folgten hitzige Stunden.

Umfeld von Donald Trump wetterte seit Wochen gegen angeblichen Wahlbetrug

Donald Trump, sein persönlicher Anwalt Rudy Giuliani und zahlreiche Vertraute hatten bereits seit Wochen gegen angeblichen Wahlbetrug gewettert – mit unbelegten Vorwürfen und teils absurden Geschichten. Powell behauptete zum Beispiel öffentlich, der im Jahr 2013 verstorbene venezolanische Präsident Hugo Chavez habe Hintertüren in die Software des Wahlmaschinenherstellers Dominion Voting Systems einbauen lassen, die bei der Auszählung der Stimmen verwendet wurde.

Angeblich sei es dadurch möglich gewesen, dass eine für Joe Biden abgegebene Stimme 1,25 Stimmen wert gewesen sei. Das Unternehmen ließ die Vorwürfe nicht auf sich sitzen und verklagte später Powell sowie Giuliani auf 1,3 Milliarden US-Dollar Schadensersatz.

Mit der angeblichen Dominion-Verschwörung startete laut „Axios“ auch das konspirative Treffen im Oval Office. Chefberater Herschmann soll auf einem Stuhl neben der Tür nach draußen Platz genommen haben. Powell, Flynn, Newman und Byrne hätten dagegen in einer Reihe vor dem Resolute Desk gesessen – mit Blick auf Donald Trump.

In vielen Counties in den USA wurde per Wahlmaschine des Herstellers Dominion gewählt. (Archivfoto)

Im Weißen Haus: Powell warnt bei Donald Trumps konspirativen Treffen vor kommunistischer Weltverschwörung

Powell soll direkt zu Anfang erzählt haben, dass Dominion die Maschinen manipuliert habe, um Stimmen von Donald Trump zu Joe Biden umzumünzen. Die Aktion des Unternehmens sei Teil einer internationalen kommunistischen Verschwörung, um die Wahl für die Demokraten zu stehlen. Aufgrund dieser Erzählung habe sie vorgeschlagen, den nationalen Notstand in den USA auszurufen – und ihr streng geheime Sicherheitsfreigaben zu gewähren.

„Moment mal, Sidney“, soll Herschmann die Anwältin von der Rückseite des Ovals unterbrochen haben. „Sie sind doch Teil des Rudy-Teams, oder? Ist Ihre Theorie, dass die Demokraten sich zusammengetan und die Regeln geändert haben, oder ist es, dass es eine ausländische Einmischung in unsere Wahl gab?“

Giuliani fokussierte sich bei seinem juristischen Kampf für Donald Trump eher auf korrupte Demokraten und Wahlbeamte. „Es ist eine ausländische Einmischung“, habe Powell beharrt und hinzugefügt: „Rudy hat bis jetzt nicht verstanden, worum es in diesem Fall geht.“

Mitte Dezember kam es zum „verrücktesten Treffen“ unter Donald Trump im Weißen Haus. (Archivfoto)

Bei Treffen mit Donald Trump – Michael Flynn schreit Chefberater des Weißen Hauses an

Herschmann habe daraufhin gefordert, dass der Rechtsberater Pat Cipollone ins Oval Office kommen müsse. Bei seinem Eintreffen wenige Minuten später sah er laut „Axios“ den ebenfalls anwesenden Patrick Byrne an und fragte: „Wer sind Sie?“ Nun sei es immer chaotischer und lauter geworden, heißt es im Bericht.

Herschmann soll immer wieder dazu gedrängt haben, dass Powell Beweise für ihre Geschichten vorlegen müsse. Denn sei an den Erzählungen wirklich etwas dran, handele es sich um die größte Gefahr für die nationale Sicherheit innerhalb der US-Geschichte. Inzwischen hätten die Anwesenden geschrien und geflucht, das Oval Office sich immer weiter mit Beratern gefüllt.

Im Verlauf des Treffens sei Michael Flynn schließlich ausgerastet. „Sie geben auf! Sie sind ein Feigling! Sie kämpfen nicht!“, habe Flynn Herschmann beschimpft. Der General wandte sich nach Recherchen von „Axios“ an den Präsidenten und flehte: „Sir, wir brauchen Kämpfer.“

Die prompte Antwort von Herschmann auf Flynns Wutausbruch: „Warum stehen Sie ständig auf und schreien mich an? Wenn Sie rüberkommen wollen, komm Sie rüber. Wenn nicht, setzen Sie sich mit dem Arsch wieder hin.“

Michael Flynn wurde von Donald Trump vor Ende seiner Amtszeit begnadigt. (Archivfoto)

„Feigling“ und „Idiot“: Vertraute beleidigen sich gegenseitig vor Donald Trump

Patrick Byrne eilte Flynn laut dem Bericht zur Hilfe. Er stand demnach auf und fluchte in Richtung von Herschmann: „Sie sind ein Feigling. Sie haben sich in alles eingemischt. Sie haben uns unterbrochen.“ Der Chefberater, sichtlich angespannt: „Wissen Sie überhaupt, wer ich bin, Sie Idiot?“ Byrne habe die Frage fälschlicherweise mit „Patrick Cipollone“ geantwortet, daraufhin wieder Herschmann: „Falsch! Falsch, Sie Idiot!“, heißt es.

Das Gespräch habe sich dann vom Oval Office in die Residenz von Donald Trump verlagert, auch Rudy Giuliani sei später dazugestoßen – der optimale Zeitpunkt für Herschmann, Powell nun eins auszuwischen. „Sidney war gerade im Oval und sagte dem Präsidenten, dass Sie nicht wissen, was zum Teufel Sie tun“, so der Chefberater laut „Axios“. Im Anschluss soll er sich Powell zugewandt und hinzugefügt haben: „Stimmt’s, Sidney? Warum sagst du es Rudy nicht ins Gesicht?“ Tage später distanzierte sich Trumps persönlicher Anwalt von der Verschwörungstheoretikerin.

Nach „Axios“-Recherchen war das Treffen nach Mitternacht schließlich zu Ende. Die Berater verließen das Weiße Haus mit dem Gedanken im Kopf, Sidney Powell könnte tatsächlich Sonderberaterin der Regierung von Donald Trump werden. (Tim Vincent Dicke)

Für Erheiterung sorgte hingegen eine andere Geschichte aus dem Weißen Haus: Ein roter Knopf am Schreibtisch von Donald Trump im Oval Office sorgte für beständigen Nachschub an Diet-Coke. Nachfolger Joe Biden will ihn behalten.

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