Großkundgebung in der US-Hauptstadt

Donald Trump ist nach „Million MAGA March“ im Twitter-Rausch

  • vonMirko Schmid
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Donald Trump stattet den tausenden Teilnehmer:innen des „Million MAGA March“ einen Besuch mit seiner Limousine ab. Für die Gewalt in Washington macht der US-Präsident die Antifa verantwortlich.

  • Donald Trump verweigert es weiterhin, seine Wahlniederlage gegen Joe Biden einzusehen.
  • Unterstützer:innen von Trump werden von rechten Gruppen für einen „Millionenmarsch“ mobilisiert - Zehntausende kommen.
  • Trump News: Lesen Sie hier alle Nachrichten rund um den abgewählten Präsidenten der USA

+++ 15.00 Uhr: Beim „Million MAGA March“ in Washington ist es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Zahlreiche Unterstützer:innen von Donald Trump, darunter die rechtsextremen „Proud Boys“, lieferten sich Kämpfe mit Anhänger:innen der Antifa und „Black Lives Matter“-Bewegung.

Donald Trump reagierte auf Twitter und machte die „linksradikale Antifa“ für den Gewaltausbruch in Washington verantwortlich. Spät am Abend bezeichnete er sie wiederholt als „Abschaum“, der erst mit Leichtigkeit von Trump-Fans „abgewiesen“ wurde, später aber ältere Leute und Familien angegriffen hätte. Von der Polizei forderte er härteres Vorgehen. 20 Personen wurden am Samstagabend (14.11.2020) wegen gewaltsamen Angriffen oder unerlaubten Waffenbesitzes verhaftet. Unterstützer:innen von Trump hatten zum „Million MAGA March“ in Washington aufgerufen, um gegen den Ausgang der US-Wahl und vermeintlichen Wahlbetrug zugunsten der Demokraten und Joe Biden zu demonstrieren.

Donald Trump nach Bad in der Menge wieder siegessicher: „Die Leute werden es nicht hinnehmen“

+++ 06:35 Uhr: Noch am Vortag hatte sich Donald Trump skeptisch geäußert und fast schon eingeräumt, die US-Wahl gegen Joe Biden vielleicht doch verloren zu haben. Doch der Besuch des US-Präsidenten bei seinen Fans auf dem „Million MAGA March“ scheint ihn wieder von seinem Sieg überzeugt zu haben.

Kurz darauf twitterte Donald Trump: „Die Leute werden es nicht hinnehmen, dass ihnen die Wahl von einem im Privatbesitz befindlichen radikal linken Unternehmen wie Dominion gestohlen wird.“ Trump spielt damit auf eine Software-Firma an, die ein Programm für die Stimmenauszählung betreibt, mit dem es in einem Bezirk Michigans zu Unregelmäßigkeiten gekommen war.

Donald Trump besucht erst seine Fans, dann den Golfplatz

Das Unternehmen hatte einen menschlichen Fehler eingeräumt, sich entschuldigt, die Stimmen werden nun per Hand nachgezählt. So weit, so unspektakulär. Für Donald Trump und seine Fans aber ein gefundenes Fressen und Anlass, die nach wie vor haltlosen Anschuldigungen des Wahlbetrugs gegen die US-Wahl zu wiederholen.

Mehrere 1.000 seiner Fans hatten sich am Samstag in Washington eingefunden, um gegen die vermeintlich manipulierte US-Wahl zu demonstrieren. Donald Trump hatte seiner Anhängerschaft einen Besuch abgestattet und war mit dem präsidentiellen Autokorso an dem Demonstrationszug vorbeigefahren. Anschließend war er auf seinen Golfkurs in Virginia gefahren, um dort seinen 286. Tag im Amt mit Golfen zu bringen.

Die Limousine von Donald Trump mitten in der Menschenmenge in Washington D.C.

Donald Trump zu Besuch bei seinen Fans: Pressesprecherin Kayleigh McEnany erfindet eine Million Menschen

Kayleigh McEnany, Pressesprecherin des Weißen Hauses, schrieb auf Twitter, dass „mehr als eine Million Menschen“ in die US-Hauptstadt gekommen seien, um Donald Trump zu unterstützen. Fernsehbilder und Twitter-Videos des „Million MAGA March“ beweisen jedoch, dass die Teilnehmerzahl deutlich darunter lag.

Mit ihrer Behauptung steht McEnany aber in einer langen Tradition der Pressesprecherinnen und Pressesprecher von Donald Trump. Schon zu seiner Amtseinführung hatte sein damaliger Sprecher Sean Spicer von der „größten Menschenmenge, die je eine Amtseinführung verfolgt“ habe, gesprochen. Spicer legte dafür sogar manipulierte Fotos vor. Die Originalaufnahmen bewiesen jedoch, dass die Menschenmenge deutlich kleiner war als die Zahl an Menschen, die vier Jahre zuvor der Amtseinführung von Barack Obama beigewohnt hatten.

„Million MAGA March“: Donald Trump stattet Fans einen Besuch ab

+++ 18:25 Uhr: Donald Trump macht seine Fans glücklich: Mit der gesamten präsidialen Wagenkolonne fuhr er vor kurzem durch die Reihen der für ihn Demonstrierenden und zeigte sich seinen Fans. Diese reagierten erwartungsgemäß entzückt und jubelten ihrem Idol zu. Dabei nicht zu überhören: der Schlachtruf „four more years“. Was sich Trumps Anhängerschaft wünscht ist klar, sie wollen ihren Präsidenten weiter um sein Amt kämpfen sehen, auch wenn jener die Wahl verloren hat. Die Saat von Trumps „Wahlbetrug“-Rhetorik der letzten Tage und Wochen geht auf.

Unterdessen kam es am Rande der Demonstration zu verschiedenen kleinen Scharmützeln zwischen den Fans von Donald Trump und den Gegendemonstrant:innen. Vereinzelt gab es Handgemenge. Da die meisten Trump-Gegner:innen allerdings einem Aufruf im Internet gefolgt waren, „zuhause zu bleiben und Pfannkuchen zu essen“, um den Trump-Fans keinen Anlass für Randale zu geben, blieb es bisher aber größtenteils friedlich. Ob Trump noch reden wird, ist bisher nicht bekannt.

„Million MAGA March“: Donald Trump soll höchstpersönlich vor Rechtsextremen auftreten

Update von Samstag, 14.11.2020, 15:32 Uhr: Die Organisatoren des „Million MAGA March“ kündigen an, dass Donald Trump höchstpersönlich im Rahmen der von Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern angeführten Demonstration auftreten wird. Der scheidende Präsident selbst hatte zuvor auf Twitter seiner Begeisterung Ausdruck verliehen und laut darüber nachgedacht, einen Auftritt vor seinen Fans zu geben.

„Million MAGA March“: Donald Trump bahnte sich in seinem kugelsicheren Dienstwagen eine erste Runde durch seine Fans in Washington.

Einige Stunden vor dem offiziellen Beginn des „Million MAGA March“ gibt es erste Bilder anreisender Fans, die ihre Trucks mit Trump-Fahnen geschmückt haben. Aus Washington D.C. selbst werden jedoch bisher noch keine gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Fans von Donald Trump um die rechtsextremen „Proud Boys“ und „Oath Keepers“ und den Gegendemonstrant:innen gemeldet.

Erstmeldung von Samstag, 14.11.2020, 14:09 Uhr: Washington D.C. - Donald Trump hat die US-Wahl 2020 verloren, seine Fans aber halten ihn weiter für den wahren Wahlsieger. Der abgewählte Präsident weigert sich seit der Bekanntgabe des Sieges von Joe Biden beharrlich, seine Niederlage anzuerkennen und fabuliert von einem angeblichen „Wahlbetrug“, seine treue Anhängerschaft kauft es ihm ab. Jetzt wollen die Trump-Fans gemeinsam in die Hauptstadt der USA ziehen, um dort für ihr Idol und gegen das angeblich korrupte System zu demonstrieren.

Trump-Fans in Washington D.C.: Am Samstag sollen es „Millionen“ werden.

Donald Trump und seine Fantasien vom „Wahlbetrug“ mobilisieren die Massen

Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnay, sprach am Donnerstag (12.11.2020) von einer „ziemlich großen“ Beteiligung am „Million MAGA March“, die sie erwarte. Eine genaue Einschätzung der Anzahl von Trump-Anhänger:innen, die am heutigen Samstag ab 12 Uhr Ortszeit (18 Uhr MEZ) nach Washington pilgern werden, wollte McEnay aber nicht abgeben.

Aufgerufen zum „Million MAGA March“ haben unter anderem die rechtsextremen „Proud Boys“, eine paramilitärische Schlägertruppe, die Donald Trump höchst persönlich im Rahmen des ersten TV-Duells mit Joe Biden dazu aufgerufen hatte, sich „bereitzuhalten“. Wofür, das sagte Trump nicht, allerdings empfanden die „Proud Boys“ die Worte des Republikaners als eine Art Marschbefehl und schworen umgehend, für Trump zu kämpfen, sollten die Demokraten ihm die Wahl „stehlen“.

Dies ist nun nach Ansicht von Donald Trump passiert, obwohl der 45. Präsident keinerlei Beweise dafür vorzubringen vermag. Diese sind für die „Proud Boys“ und andere Trump-freundliche Gruppierungen aber auch gar nicht nötig - wenn Trump sagt, dass es einen „Wahlbetrug“ gegeben habe, dann hat es ihn für seine Fans gegeben. Und so mobilisieren die „Proud Boys“, neben Gruppen wie „Truckers for Trump“, „Women for America First“ und den „Oath Keepers“ für den Marsch in die Hauptstadt.

Für Donald Trump fahren unter anderem die „Proud Boys“ und die „Truckers for Trump“ nach Washington D.C.

Die „Oath Keepers“ sind ähnlich wie die „Proud Boys“, die sich derzeit mit internen Machtkämpfen beschäftigen, rechtsextrem und paramilitärisch. Die „Oath Keepers“ beschreiben sich als eine „überparteiliche Vereinigung aktueller und ehemaliger Militärs, Polizisten und Ersthelfer.“ Sie behaupten, den Eid zu erfüllen, den alle Militärs und Polizisten in den USA leisten, um „die Verfassung gegen alle Feinde, ausländische und inländische, zu verteidigen.“ Diese „inländischen Feinde“ sehen sie in den Demokraten um Joe Biden und im Regierungsapparat der USA. In ihr Bild passt, dass verschiedene Behörden unlängst erklärt hatten, dass die Präsidentschaftswahl 2020 die „sicherste aller Zeiten“ gewesen sei, womit sie Donald Trumps Narrativ eines „Wahlbetruges“ deutlich widersprachen.

Ein weiterer Agitator des Protestes ist Alex Jones. Der knurrige und rechtsextreme „Infowars“-Radiomoderator ist nicht nur ein Verschwörungstheoretiker, sondern auch ein glühender Anhänger des amtierenden Präsidenten Donald Trump. Mit Hinweis auf die „Truckers for Trump“ und unterlegt von pathetischer Musik erklärt der Rechtspopulist: „Keine Sorge, Mr. Präsident. Die Kavallerie ist auf dem Weg. Sie haben die Welt für immer verändert.“

Der Gegenprotest formiert sich - gegen Donald Trump stehen „Black Lives Matter“ und die Antifa ein

Doch auch der Gegenprotest formiert sich. Unter dem Namen „Fuck MAGA“ mobilisieren Bürgerrechtsbewegungen, Anhänger:innen der Demokraten, Joe Biden, Kamala Harris, der „Black Lives Matter“ und die Antifa der USA ihre eigenen Leute, um sich dem erwartungsgemäß hasserfüllten Protest der Fans von Donald Trump entgegenzustellen. Einige politische Kommentatoren der US-Medien gehen davon aus, dass es zu schlimmen Bildern kommen könnte, sollten die sich in innigster politischer Abneigung gegenüberstehenden Gruppierungen aufeinandertreffen.

Die Bürgermeisterin von Washington D.C., Muriel Bowser, gibt sich auf die Großkundgebung vorbereitet: „Wir verfolgen diese Aktivitäten und sind vorbereitet. Unser Polizeichef wird an diesem Wochenende eine ähnliche Haltung einnehmen wie letzte Woche. Und wir werden dort sein, um die friedliche Ausübung von Demonstrationen zu unterstützen.“ In der Vorwoche hatten Tausende den Wahlsieg von Joe Biden friedlich und fröhlich in den Straßen von Washington D.C. und vor dem Weißen Haus gefeiert.

Auf Twitter formiert sich humorvoller Widerstand - unter dem Hashtag #MillionMAGAMarch gibt es Pfannkuchen

Auf Twitter reagieren die Gegner:innen des rechtsextremen Protests um Donald Trump humorvoll auf die anstehende Großkundgebung. In Bezug auf die vielen Bundesstaaten, die Joe Biden „wenden“ und sie Trump abnehmen konnte, posten sie unter dem Motto „Stay home. Eat pancakes“ Bilder von Pfannkuchen mit kleinen Seitenhieben auf den abgewählten Präsidenten. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Samuel Corum/AFP

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