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USA

Aufnahmen enthüllen: Donald Trump und sein Team haben versucht, Wahl in Arizona zu manipulieren

  • VonMirko Schmid
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Ein kürzlich aufgetauchtes Dokument zeigt, mit welcher Vehemenz Donald Trump nach der US-Wahl in Arizona das Ergebnis verändern wollte.

Phoenix - Dass Donald Trump versucht hat, in Arizona Einfluss auf das Wahlergebnis zu nehmen, ist kein Geheimnis mehr. Noch in der Wahlnacht soll er seinen Schwiegersohn Jared Kushner angewiesen haben, Fox News dazu zu bringen, den ausgerufenen Sieg von Joe Biden im Staat an der Grenze zu Mexiko zurückzunehmen. Später waren Aufnahmen eines Telefonats aufgetaucht, in dem Trump die örtlichen Verantwortlichen für die Wahl zu überreden versucht, das Ergebnis nachträglich zu ändern.

Vor allem Rudy Giuliani, ehemaliger persönlicher Anwalt des damals noch amtierenden Präsidenten Donald Trump, sowie die Landesvorsitzende der Republikaner, Kelli Ward, sollen gewählte Wahlaufseher unter Druck gesetzt haben. Die Veröffentlichung dieser Mitschnitte fallen zeitlich mitten in Ermittlungen gegen Trump. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, den Secretary of State von Georgia, Brad Raffensperger, aufgefordert zu haben, „12.000 Stimmen zu finden“, um den Wahlausgang zu verändern.

Wahlfälschungsvorwürfe von Donald Trump: Clint Hickman steht im Fokus der Kampagne in Arizona

Auch in Arizona wollte Donald Trump das Wahlergebnis nicht einfach akzeptieren. Ein Großteil der Aufmerksamkeit seiner Entourage soll dort Clint Hickman gegolten haben. Der ist 56 Jahre alt, „zeitlebens“ Republikaner und Mitglied einer alteingesessenen Familie, die Eierfarmen betreibt.

Hickmann war zur betreffenden Zeit Vorsitzender des obersten Wahlaufsichtsgremiums im Maricopa County und somit im bevölkerungsreichsten Wahlbezirk in Arizona. In dieser Rolle war es ihm möglich gewesen, Anhörungen zum Wahlprozess abzuhalten sowie Wahlergebnisse zu bestätigen oder deren Validierung zu verzögern. Am 13. November 2020 soll der Republikaner eine Textnachricht erhalten haben, die einen Anruf des damaligen US-Präsidenten Trump ankündigt. Am selben Tag starteten die Republikaner ihren ersten Versuch, alle Wahlzettel erneut und von Hand auszählen zu lassen.

Kelli Ward, Parteichefin der Republikaner in Arizona, gilt als Anhängerin von Donald Trump.

Allerdings soll Hickmann, der als ein parteiinterner Gegenspieler der Landesvorsitzenden Kelli Ward gilt, versucht haben, ein Telefonat mit Donald Trump zu vermeiden. Er habe geantwortet, dass der Wahlvorstand gerade tage, weswegen er nicht zu erreichen sei. „Ich kann nicht über Rechtsstreitigkeiten sprechen“, zitiert ihn The Arizona Republic. Ward soll erwidert haben, dass Trump nicht über laufende Gerichtsverfahren reden wolle und Hickmann den Anruf besser annehmen solle.

Arizona: Republikaner-Chefin Kelli Ward bedrängt Wahlaufseher Clint Hickman für Donald Trump

Hickmans Telefon klingelte zunächst nicht. Erst Wochen später, genannt wird der Silvesterabend, soll Trumps Nummer im Display seines Parteifreundes aufgetaucht sein. Der sei nicht rangegangen, da er die Nummer nicht habe zuordnen können. Stattdessen habe er den Anruf an seine Mailbox weitergeleitet. Die dort eingelaufene Nachricht habe er sofort abgehört. Was er zu hören bekommen habe, sei eine Aufforderung der Telefonzentrale des Weißen Hauses gewesen, zurückzurufen. Der Präsident wolle ihn sprechen, habe es geheißen.

Laut eigener Aussage habe Hickman diese Aufforderung allerdings ausgeschlagen, die Voicemail gelöscht und nicht im Weißen Haus angerufen. Drei Tage später kamen die Aufzeichnungen des Gesprächs zwischen Trump und Raffensperger aus Georgia an die Öffentlichkeit. Er sei „darüber entsetzt“ gewesen, soll Hickman der The Arizona Republic mitgeteilt haben. Doch noch in derselben Nacht summte sein Smartphone erneut. Dieselbe Nummer aus Washington D.C. – wieder ließ der Chef der Wahlaufsicht seine Mailbox den Anruf annehmen.

„Dies ist die Telefonistin des Weißen Hauses. Wir rufen Sie an, um Ihnen mitzuteilen, dass der Präsident Ihren Anruf erwartet, sobald Sie frei sind“, heißt es in der Voicemail. „Es wäre großartig, wenn Sie uns bitte zurückrufen könnten, Sir. Haben Sie einen schönen Abend.“ Doch Hickmann vermutete, dass Donald Trump versuchen würde, ihn genauso wie Raffensperger unter Druck zu setzen könnte, die Wahlergebnisse zu manipulieren. Also habe er nie auf die Anrufe geantwortet.

Arizona: Republikaner Clint Hickmann gibt Druck aus dem Team von Donald Trump nicht nach

„Diese Tür wollte ich nicht öffnen“, so Hickman. Die Anrufe seien inmitten der Auseinandersetzungen um die Legitimation der Wahlen in Arizona gefallen und er habe alles vermeiden wollen, was als unangemessene Kommunikation angesehen werden könnte. „Ich will kein Gespräch mit einem Präsidenten aufzeichnen, also werde ich nicht mit einem Präsidenten reden. Ich habe keine Lust auf einen unangenehmen Anruf aus dem Weißen Haus bei mir Zuhause an einem Sonntagabend“, will Hickmann gedacht haben.

Stattdessen ging der Chef des Wahlaufsichtsgremiums in Absprache mit den übrigen vier Mitgliedern des Vorstands an die Öffentlichkeit, verkündete die Rechtmäßigkeit des Wahlsieges von Joe Bidens im Maricopa County und schafft so Fakten, auf die Trump keinen Einfluss mehr zu nehmen vermochte. Im Januar 2021 soll sich Hickman parteiintern nach eigener Aussage immer mehr unter Druck gesetzt gefühlt haben, eine Neuauszählung anzuordnen. Stattdessen ging er an die Öffentlichkeit und rief die gewählten Abgeordneten der Republikaner dazu auf, deren „feindliche Rhetorik, Gerüchte und falschen Behauptungen“ zurückzunehmen.

Monate später setzte die Senatsmehrheit der Republikaner in Arizona dann doch eine händische Neuauszählung aller Wahlzettel im Maricopa County durch, Ergebnisse der umstrittenen Prozedur werden noch im Sommer erwartet. Wahlaufseher Hickman hat nie einen Hehl daraus gemacht, wie wenig er von der teuren Handauszählung hält. Seine erneuten Bekundungen, wonach bei der Wahl alles mit rechten Dingen zugegangen sei, brachten ihm das Attribut „unamerikanisch“ ein – verliehen von Landesparteichefin Ward.

Arizona: Landeschefin der Republikaner will Donald Trump den Wahlsieg sichern

Ward selbst soll, so dokumentieren es die neu aufgetauchten Voice- und Textmails, ihrerseits versucht haben, die drohende Wahlniederlage Trumps in Arizona aufzuhalten. Sie soll Hickmans Wahlaufsichtsgremium dazu gedrängt haben, „die Auszählung einzustellen“ die Zertifizierung der Ergebnisse zu verschieben und zu prüfen, ob die Abstimmungssoftware Stimmen für Demokraten hinzufüge.

Als sich abzeichnete, dass Donald Trump auch landesweit nach Staaten hinter Joe Biden liegen würde, soll Ward ihre Bemühungen, die Ergebnisse in ihrem Bundesstaat zu kippen, weiter intensiviert haben. Bereits am 7. November 2020 soll Ward bei Hickman vorstellig geworden sein, um über „Probleme mit Tabellenkalkulationsmaschinen“ zu berichten. „Eine Handauszählung, bevor die laufende Auszählung beendet wird, ist entscheidend“, soll sie bekräftigt und Hickmann aufgefordert haben: „Lass das geschehen!“

Hickman soll geantwortet haben, dass es republikanische Wahlbeobachter:innen in den Wahllokalen gegeben habe, dass die Wahl von Republikanern überwacht worden sei und dass alle berechtigten Interessen „abgedeckt“ worden seien. Das wiederum soll Ward erzürnt haben. Die Parteivorsitzende habe Hickman daraufhin vorgeworfen, nicht hinsehen zu wollen: „Die Menschen brauchen die Transparenz einer Auswertung von Menschenhand.“

NameKelli Ward
ParteiRepublikaner
StaatArizona
PositionLandesvorsitzende (seit 2019)
Alter52 Jahre (25. Januar 1969)
GebortsortFairmont, West Virginia, USA

Republikanerin Kelli Ward bedrängt für Donald Trump Wahlaufseher in Arizona

Nun soll Hickmann auf Einzelheiten und schlagkräftige Indizien gedrungen haben, um eine solche Entscheidung verantworten zu können. Ward habe sich daraufhin etwas Zeit erbeten. Tage vergingen. Erst knapp eine Woche später, in der Nacht zum 13. November (es begann sich gerade abzuzeichnen, dass Biden auch in Georgia gewinnen könnte), habe die Landesvorsitzende wieder angerufen. Statt der versprochenen Indizien habe sie weitere technische Nachfragen an Hickman adressiert.

Später soll Ward Hickmann diese Textnachricht geschrieben haben: „Wir wollen von euch, dass ihr das Richtige tut. Beweist Millionen von Wählern in Arizona, dass diese Wahl legitim war. Versucht nicht, uns einfach zu erzählen, dass alles glattgelaufen sei. Beweist es gegenüber Arizona und gegenüber Amerika. Ihr habt die Macht, die ihr braucht, um es geschehen zu lassen.“ Außerdem, so erzählt es Hickmann, habe Ward angekündigt, dass Donald Trump sich wohl melden werde.

Daraufhin, so sollen es die Aufzeichnungen belegen, habe Hickmann Ward nicht mehr geantwortet. Dies soll die Parteichefin nicht davon abgehalten haben, ihrerseits mehrere Textnachrichten folgen zu lassen. Einen Tag später habe Ward dann Steve Chucri, Vorstandskollege Hickmans im Wahlaufsichtsgremium des Maricopa County, eine SMS-Nachricht geschickt. „Ich möchte, dass ihr mit Informationen gut gerüstet seid“, heißt es in der Nachricht an ihren Parteikollegen, „ihr alle habt es in der Hand, echte Helden zu sein“.

Wahlaufseher Hickmann verkündet rechtmäßigen Sieg von Joe Biden über Donald Trump in Arizona

Sindey Powell, zu dieser Zeit ein führendes Mitglied der juristischen Streitkräfte im Team Donald Trump, wolle mit Chucri sprechen, soll Kelli Ward hinzugefügt haben. Sie würde Chucri Powells Nummer geben, nachdem dieser für sie noch „ein paar Daten überprüfen“ solle: „Wohin kann ich die Anfrage schicken?“

Doch auch Steve Chucri ließ Kelli Ward abblitzen. Er könne aufgrund des laufenden Rechtsstreits nichts dazu sagen. Anschließend sei er deutlich geworden: „Ich bin überrascht über die Aktionen unseres Landesvorstands, die ständigen Anrufe bei uns und anderen Republikanern. Sie legen unsere Telefonleitungen mit Forderungen lahm, für die wir keine gesetzliche Befugnis haben.“ Stattdessen ging Wahlaufsichtschef Hickman mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit und erklärte, das Abstimmungssystem des Landkreises sei zuverlässig und die Ergebnisse genau.

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Arizona: Republikanerin Kelli Ward erhöht für Donald Trump den Druck auf Parteifreunde

Nun kam der 20. November 2020, der Stichtag für die Validierung des Wahlergebnisses in Arizona. Übersetzt: Der Tag, an dem Joe Biden als offizieller Wahlsieger in Arizona verkündet werden sollte (und letztendlich wurde). Auf den letzten Drücker, gegen 6.30 Uhr an diesem bedeutenden Tag, soll Ward versucht haben, an einen dritten Wahlaufsichtsvorstand zu appellieren: Bill Gates.

Wards SMS-Nachricht an den Namensvetter des Microsoft-Gründers: „Können wir heute sprechen, nachdem der Prozess gelaufen ist? Es gibt da so viele Anomalien, über die entschieden werden muss. Wir als Vorstand der Republikaner wollen nicht als die in Erinnerung bleiben, die zugelassen haben, dass eine betrügerische Wahl bestätigt wird.“ Kurz vor der Abstimmung im Vorstand der Wahlaufsicht soll sich Ward erneut gemeldet haben. Diesmal vorwurfsvoll. Sie habe gehört, dass das Aufsichtsgremium vorhabe, die Wahl zu bestätigen. Nun das „Handtuch zu werfen“ sei „unamerikanisch“ und „sehr traurig“.

Gates antwortete nicht.

Rudy Giuliani schaltet sich in Arizona ein und will Wahl für Donald Trump kippen

Am 3. Dezember, Donald Trump spielte bereits öffentlich mit dem Gedanken einer neuerlichen Kandidatur 2024, soll Ward ein weiteres Mal ihre Appelle an ihre Parteikollegen aufgenommen haben. Chucri beispielsweise solle „verlangen, sich alle doppelten Stimmzettel anzusehen“. Denn: „Wir haben Stimmen gefunden, die geändert wurden. Sie wollen nicht, dass wir den Rest sehen. Verabscheuungswürdig.“ 

Einige Tage zuvor bereits intensivierte Trump-Anwalt Rudy Giuliani seine Anstrengungen in Arizona. Ende November soll der ehemalige New Yorker Bürgermeister eine „Handvoll“ republikanischer Amtsträger:innen durchtelefoniert und sie zu einem Meeting in ein Hotel in der Innenstadt von Phoenix eingeladen haben. Auch Chucri sei unter ihnen gewesen. Zehn Minuten habe das Gespräch mit Giuliani gedauert, an dessen Ende man sich darauf geeinigt habe, „in einigen Punkten anderer Meinung“ zu sein.

Trump-Anwalt Rudy Giuliani scheitert mit seinen Bemühungen in Arizona

Am 4. Dezember soll Giuliani auch Chefaufseher Hickman kontaktiert haben. Er habe sich „sehr gefreut, dass es eine forensische Prüfung der Maschinen geben wird“, wird Giulianis Voicemail zitiert: „Ich wollte mit dir wirklich nur ein bisschen darüber reden. Der Präsident wollte, dass ich dich anrufe. Alles klar. Vielen Dank. Rufen Sie mich zurück. Ich würde es wirklich zu schätzen wissen.“ 

Es vergingen einige Wochen, bis auch Wahlaufseher Gates eine Voicemail von Rudy Giuliani erhielt. „Wenn du die Gelegenheit hast, ruf mich bitte an“, soll Giuliani gesagt haben. „Ich habe ein paar Dinge, die ich gerne mit dir besprechen möchte. Vielleicht können wir das Ding reparieren. Ich denke, es kann einen schönen Weg geben, dies für alle zu lösen.“

Auch diesmal antwortete Gates nicht.

Die Republikaner lassen in Arizona für Donald Trump erneut auszählen

Alle Bemühungen der Protagonisten Donald Trump, Kelli Ward und Rudy Giuliani konnten den Wahlausgang nicht beeinflussen, Joe Biden wurde als Sieger im Staate Arizona und als 46. US-Präsident bestätigt. Das letzte Kapitel der Saga um die Legitimität der US-Wahl in Arizona war damit freilich nicht geschrieben.

Es gilt abzuwarten, was die aktuell laufenden Ermittlungen der von den Senatsrepublikanern in Arizona beauftragten Privatfirma „Cyber Ninjas“ ergeben. Sollten sie einen angeblichen Wahlbetrug „belegen“, würden wohl umgehend Zweifel an der Authentizität der Ergebnisse laut. Sollten selbst die von den Republikanern angeheuerten Privatermittler nichts finden, stünde die Trump-Partei vor einem Problem. (Mirko Schmid)

In einer vorherigen Version wurde Brad Raffensperger als Secretary of State von Arizona bezeichnet. Tatsächlich füllt er diese Rolle im Bundesstaat Georgia aus. Die entsprechende Passage wurde überarbeitet.

Rubriklistenbild: © Ralph Freso/AFP

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