Heimlich gefilmte Videoaufnahmen von Donald Trump könnten Ärger für den US-Präsidenten bedeuten.
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Heimlich gefilmte Videoaufnahmen von Donald Trump könnten Ärger für den US-Präsidenten bedeuten.

Videomitschnitt

Heimliche Videoaufnahmen zeigen: Donald Trump schüchtert Richter und NGOs ein

  • Daniel Dillmann
    vonDaniel Dillmann
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Donald Trump wird bei einem Gespräch mit seinem Anwalt gefilmt. Die Aufnahmen zeigen den US-Präsidenten, wie er abseits des Rampenlichts agiert.

  • Videoaufnahmen zeigen Donald Trump beim Gespräch mit seinem Anwalt - kurz vor den Wahlen in den USA
  • Donald Trump berät sich mit seinem Anwalt - und legt sich eine rassistische Theorie gegen den Richter zurecht
  • Die Aufnahmen entstanden während des Präsidentschaftswahlkampfs im Jahr 2016 – und zeigen, wie sich Trump hinter den Kulissen verhält

Washington - Mitten im Wahlkampf zu den US-Wahlen 2020 tauchen bislang unveröffentlichte Videoaufnahmen von US-Präsident Donald Trump auf. Die Videomitschnitte sind offensichtlich ohne das Wissen Trumps entstanden. Sie stammen laut Zeitstempel des Videos vom 10. Dezember 2015. Sie zeigen Donald Trump, wie er sich anscheinend im Gespräch mit seinem damaligen Anwalt Daniel Petrocelli befindet. Was die beiden besprechen, hat es in sich.

Donald Trump gibt an, wie er Richter und NGOs einschüchtert

In den 13 Minuten Videomaterial gibt Donald Trump damit an, wie er die Nichtregierungsorganisation „Better Business“ bedroht habe, damit sie seiner „Trump Universität“ eine bessere Bewertung geben würde. „Better Business“ hatte der vermeintlichen Hochschule Trumps ein „D“ gegeben. Erst nachdem er sie mit Klagen bedrohen ließ, hätten sie das „D“ in die Bestnote „A“ umgeändert. Doch das ist längst nicht alles.

Donald Trump - Video birgt Brisanz.

Mit seinem Staranwalt Petrocelli beratschlagt Donald Trump, wie man Richter Gonzalo P. Curiel im laufenden Verfahren einschüchtern könnte. Seine Idee: die vermeintliche lateinamerikanische Herkunft des Richters gegen ihn zu verwenden.

Aufnahmen von Donald Trump stammen aus dem Wahlkampf 2016

Die Aufnahmen entstanden in einer Zeit, als Donald Trump sich mitten im Wahlkampf zu den Präsidentschaftswahlen 2016 befand. Seine Reisen durch das ganze Land mit Auftritten vor frenetischen Anhängerinnen und Anhängern musste er im Dezember 2015 unterbrechen, um in New York gemeinsam mit seinem Anwalt eine eidesstattliche Erklärung aufzuzeichnen.

Es ging um verschiedene Verfahren gegen ihn, die in Zusammenhang mit Betrugsvorwürfen gegen die „Trump Universität“ standen. Die Einrichtung, die keine Universität war, hatte Donald Trump im Jahr 2005 gegründet. Dort boten angeblich von Trump handverlesene Dozenten Kurse an, die der Studentenschaft das Immobiliengeschäft beibringen sollten. Oder wie Trump es in eine der vielen Werbefilmchen für die „Universität“ sagte: „Wir unterrichten Erfolg. Das ist alles, worum es geht. Erfolg.“ Bis zu 30.000 Dollar Studiengebühren kostete das.

Gespräch von Donald Trump mit seinem Anwalt geht um Prozess gegen die „Trump Universität“

Zahlreiche Studentinnen und Studenten verklagten Donald Trump. In den Prozessen kam ans Licht, dass viele der Dozenten keinerlei Erfahrungen im Immobiliengeschäft hatten. Ein ehemaliger Mitarbeiter gab vor Gericht an, das Ganze sei „ein Witz gewesen, eine Fassade. Dort wurden falsche Hoffnungen und Lügen verkauft“. In den Mitarbeiterschulungen der Einrichtungen wurde den Angestellten beigebracht, denen als „Käufer“ titulierten Studentinnen und Studenten die teuersten Kurse anzudrehen. Falls sie sich über den Preis beschwerten, sollte man sie daran erinnern, dass „Trump der Beste ist“. Im Jahr 2010 schloss die Universität ihre Türen.

Daniel Petrocelli, hier in Washington DC nach einem anderen hochrangigen Prozess, war Donald Trumps Verteidiger in den Anklagen rund um die Trump-Universität.

Seinem Verhalten in dem Video merkt man an, dass es für Donald Trump keine Seltenheit ist, vor Gericht zu stehen. Laut der US-Zeitung „USA Today“ waren er und seine Firmen in mehr als 3.500 Prozesse in den vergangenen 30 Jahren verwickelt. Doch der Prozess um die „Trump Universität“ wurde 2016 zum Wahlkampfthema - zunächst im Vorwahlkampf der Republikaner.

Donald Trump weist im Vorwahlkampf jegliche Schuld von sich

Donald Trump wies in den Debatten mit den anderen Kandidaten der republikanischen Partei jegliche Schuld von sich und seiner Universität. Man solle die Urteile abwarten, sagte er, und schwor, dass er niemals einem Vergleich zustimmen werde. Genau das tat er aber zwei Wochen nach der Wahl. Trump zahlte 25 Millionen Dollar und musste dafür öffentlich keine Schuld eingestehen.

Im Vorwahlkampf, als der Prozess noch lief, thematisierte Donald Trump ihn wiederholt auf seinen Zusammenkünften. Er attackierte vornehmlich den zuständigen Richter, Gonzalo P. Curiel. „Er hasst Donald Trump und wie es der Zufall will, ist er Mexikaner, glauben wir“, sagte der heutige US-Präsident. Was das bedeutet, führte er in einem Interview mit CNN aus: „Ich baue eine Mauer. Er ist Mexikaner. Wir bauen die Mauer zwischen uns und Mexiko.“ Dass Curiel eigentlich im US-Bundesstaat Indiana geboren ist, störte Trump bei seiner Argumentation nicht.

Donald Trump scheint rassistische Verleumdungen mit seinem Anwalt zu besprechen

Die veröffentlichten Videoaufnahmen scheinen den Beweis zu erbringen, dass Donald Trump diese rassistischen Verleumdungen gegen einen Richter bereits im Vorfeld geplant hatte.

Petrocelli erläutert Donald Trump, dass er Richter Curiel für einen Demokraten hält, was ein Problem in dem Fall darstellen würde. Trump fragt daraufhin: „Was ist mit dem Spanisch-Ding?“ Wochen später starteten die rassistischen Attacken gegen den Richter.

Laut „Mother Jones“-Reporter David Corn hätten er und sein Team sowohl Donald Trump als auch Daniel Petrocelli um ein Statement zu den aufgetauchten Videoaufnahmen gebeten. Geantwortet habe nur die Rechtsabteilung der Anwaltskanzlei Pertocellis. Sie hätten ihn aufgefordert, die Aufnahmen nicht zu veröffentlichen und umgehend zu vernichten, so Corn.

Dass das Video so kurz vor Trumps Duell mit Joe Biden an den Wahlurnen von der Internetseite „Mother Jones“ veröffentlicht werden konnte, ist kein Zufall. Die Aufnahmen seien ihnen von Art Cohen, einem der Kläger in den Prozessen, zugespielt worden. Cohen sagte der Seite, er wolle mit den Aufnahmen den „Leuten helfen, zu verstehen, wie Trump sich hinter den Kulissen benimmt“. „Wie ein Gangster“ nämlich. (Von Daniel Dillmann)

Das Video in voller Länge:

Insbesondere in den Swing States können schon kleine Skandale eine Änderung der Mehrheiten bewirken. Eine Auswertung zeigt aber auch: Schon lange verschieben sich Gewissheiten für Republikaner und Demokraten im US-Wahlkampf. Außerdem gab es mal wieder einen peinlichen Fauxpas. Donald Trumps Corona-Schecks gehen an Österreicher*innen und Tote.

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