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Gut ein Jahr ist es her, da stand Donald Trump schon einmal Kapitol und beschrieb die Lage der Nation. Jetzt kommt er ein zweites Mal, wenn auch mit Verspätung.

Rede zur Lage der Nation

Trump verspricht Bedeutendes

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Donald Trump kündigt für seine zweite Rede zur Nation Großes an. Doch was ist zu erwarten vom Besuch des Präsidenten im Kongress?

Sie kommt verspätet, doch sie kommt: Donald Trumps jährliche Rede zur Lage der Nation. Verzögert durch die Haushaltssperre und Trumps Streit mit der demokratischen Mehrheit im Repräsentantenhaus einigten sich der US-Präsident und die Mehrheitsführerin Nancy Pelosi schließlich auf Dienstag, den 5. Februar, als neuen Termin für die Rede.

Trump wird also die knapp zwei Kilometer über die Pennsylvania Avenue vom Weißen Haus ins Kapitol hinter sich legen, umringt von Agenten des Secret Service und zur Abwechslung vielleicht in Begleitung der First Lady Melania – im Gegensatz zur ersten Rede, zu der Donald und Melania (mit Sohn Barron) noch getrennt anreisten. Der Titel seiner Rede lautet „Choosing Greatness“, „Größe wählen“, wie das Weiße Haus mitteilen ließ. Trump kokettierte in der CBS-Sendung „Face the Nation“ kurz vor dem Super Bowl damit, etwas außerordentlich Bedeutendes bekannt zu geben. Gut möglich, dass er damit das Ausrufen des nationalen Notstandes an der südlichen Landesgrenze zu Mexiko meint, was ihm den Bau einer Mauer entlang der Grenze durch das Militär – und ganz ohne Budgetierung durch den Kongress - ermöglichen würde. Vielleicht ist es für Trump aber auch schon von ausreichender Bedeutung, überhaupt etwas zu sagen.

Sarah Sanders spricht von „historischem Erfolg“

In jedem Fall wird er laut seiner Pressesprecherin Sarah Sanders über den „historischen Erfolg“ reden, den er die vergangenen zwei Jahre gehabt habe, namentlich die Steuerreform und die nach wie vor boomende Wirtschaft des Landes. „On Fire“ sei sie, diese Wirtschaft, sagt Sanders. Niedrige Arbeitslosenzahlen, steigende Löhne, zurückkehrende Unternehmen.

Trump will aber auch die Demokraten in die Pflicht nehmen. Und ihnen gleichzeitig die Hand reichen. Laut der amerikanischen Nachrichtenagentur AP sagte er am Montagmorgen zu Journalisten, ein Großteil der Rede werde das Thema Einheit behandeln. Denn der größer werdende Spalt zwischen den Gewalten in den USA wird immer mehr zum Problem für Trump. Seine Mauer bekommt er nicht bezahlt, aus dem Streit um den Haushalt ist er nach öffentlicher Meinung als Verlierer hervorgegangen. Das bestätigt zum einen die überraschend negative Berichterstattung über Trump auf seinem Hofsender Fox News. Zum anderen die Zustimmungswerte in der Bevölkerung, die für Trump ohnehin nie besonders gut waren, sich aber derzeit auf einem historischen Tief befinden.

Donald Trumps Gästeliste ist ein Spiegelbild der politischen Agenda

Bekannt geworden ist bereits die Liste der Gäste, die den Präsidenten auf persönliche Einladung hin in die Hallen des Kapitols begleiten werden. Die Auswahl spiegelt Trumps politische Agenda en détail: Hinterbliebene, deren Familienangehörige von illegalen Einwanderern oder Terroristen getötet wurden; Begünstigte der Strafrechtsreform, die Trump vor kurzem unterschrieben hatte; Opioiden-Abhängige, die sich auf Entzug befinden, und Polizeibeamte, die mit der grassiereden Opioiden-Krise in den Staaten zu tun haben (überhaupt viele Polizeibeamte und Spezialagenten des Heimat- und Grenzschutzes); eine 9-Jährige, die an Leukämie erkrankt war und den Krebs auch ohne universelle Krankenversicherung überwinden konnte; hart arbeitende Amerikaner, die dank der Steuersenkungen noch immer – oder wieder – einen Job haben.

Und Joshua Trump. Joshua geht in die sechste Klasse einer High School in Wilmington ganz im Norden des Bundesstaates Delaware und knapp 50 Kilometer entfernt von Philadelphia. Er liebt Tiere, sein Vorbild ist sein Onkel namens „Cody“, der in Diensten der US Air Force steht. Delaware wählte bei den Präsidentschaftswahlen 2016 zu 53 Prozent Hillary Clinton. Im County „New Castle“, in dem auch Wilmington liegt, waren es sogar 62 Prozent für Clinton und nur 33 für Trump. Man braucht in diesem Umfeld eigentlich nur die Erinnerung an das Paradebeispiel des High School Bullies, wie er uns in jeder Hollywood-Adaption der Probleme der Pubertät präsentiert wird, um sich vorstellen zu können, was Joshua Trump mit diesem Nachnamen alltäglich erlebt. Er wird gehänselt. So sehr, dass sein Vater Bobby Berto ihn ein Jahr zu Hause unterrichten musste, wie die rechtskonservative Internetseite „Daily Caller“ berichtete.

Joshua Trump ist ein doppelter PR-Glücksfall

Joshua avanciert mit seiner Geschichte aufgrund doppelter Symbolik zum PR-Glücksfall der Trumps. Erstens repräsentiert er schikanierte Jugendliche, denen sich Melania Trump, nach eigener Einschätzung die meistgemobbte Person der Welt, in ihrer Kampagne „Be Best“ zuwendet. Zweitens symbolisiert er die Opferrolle, in die sich Trump immer wieder selbst gerne bugsiert, wenn er die unfaire Berichterstattung der Medien beklagt.

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