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Donald Trump.

USA

Donald Trump verdirbt die Sitten

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Trumps Minister verursachen enorme Reisekosten: Sie nutzen ausgiebig Regierungsjets – teils zu fragwürdigen Zwecken.

Der Feldzug gegen Filz und Korruption in Washington gehörte zu den zentralen Versprechen von Donald Trump im Wahlkampf. Kein Auftritt verging, ohne dass der Milliardär den Slogan „Drain the swamp!“ (Legt den Sumpf trocken!) angestimmt und Tausende Zuhörer mitgegrölt hatten. Im Amt nimmt Trump die Parole nicht mehr so genau: Nicht nur verquickt er nach Einschätzung amerikanischer Ethikexperten private und öffentliche Interessen – etwa bei der Unterbringung von Staatsgästen im Trump-Hotel. Auch sollen die Wochenendausflüge auf seine Golfplätze schon mehr als 30 Millionen Dollar an Sicherheits- und Reisekosten verschlungen haben.

Vor allem aber verdirbt Trump die Sitten: In seinem Kabinett ist offenbar eine extrem laxe Einstellung verbreitet, wenn es um den Umgang mit dem Geld des in Sonntagsreden stets hochgehaltenen Steuerzahlers geht. Vor einer Woche erst musste Gesundheitsminister Tom Price zurücktreten, weil er mehr als eine Million Dollar für private Charter- und Militärflüge verpulvert hatte, statt eine Linienmaschine zu nutzen. Nun kommt heraus, dass Finanzminister Steven Mnuchin bereits 800.000 Dollar für Militärflüge verbraucht hat – oft mit seiner frisch angetrauten Frau und nicht selten zu touristisch attraktiven Zielen. Innenminister Ryan Zinke nutzte die Dienstreisen mehrfach, um Wahlkampf für die Republikaner zu machen.

„I’m not happy, ok?“ („Ich bin nicht glücklich“), hatte Trump am vorigen Freitag gesagt, als es um die luftigen Aktivitäten seines Gesundheitsministers ging. Ähnlich dürfte der Präsident auch die täglich neuen Berichte über teure Flüge anderer Kabinettsmitglieder sehen. Die Begründungen ähneln sich: Entweder sind die Linienverbindungen zu unbequem. Oder die Sicherheitschecks dauern zu lange. Oder das Ziel ist angeblich nicht anders zu erreichen.

Das erklärt allerdings kaum, weshalb zum Beispiel Mnuchin am 15. August für 15.000 Dollar eine luxuriöse Gulfstream-Maschine charterte, um von Washington nach New York zu fliegen, wo es stetige Linien- und auch Zugverbindungen gibt. Zwar wurden bislang keine Rechtsverstöße festgestellt, aber an Trumps Basis gibt es wenig Verständnis für solche teuren Luftnummern.

Price hatte es mit 24 Charter- und zahlreichen Militärflügen – oftmals zu Überseezielen – auf die Spitze getrieben. Vielfach flogen seine Frau und die engsten Berater mit in den bequemen Maschinen, während weitere Beamte mit Linie hinterherreisten. Nachdem das Insidermagazin „Politico“ die Trips akribisch nachgezählt und ihre Kosten auf mehr als eine Million Dollar beziffert hatte, gab sich Price reumütig: „Es ist mir klar, dass ich nicht sensibel genug gegenüber dem Steuerzahler war.“ Er versprach, die Kosten zu erstatten. Tatsächlich zahlte er nur 51 000 Dollar zurück.

Wenig Sensibilität zeigte auch Finanzminister Mnuchin, als er im Weißen Haus nachfragte, ob man ihm eine Militärmaschine für seine Flitterwochen in Europa bereitstellen würde. Das Ansinnen wurde abgelehnt. Das hinderte den vermeintlichen Sparkommissar aber nicht daran, im August mit seiner Frau in einer Militärmaschine nach Fort Knox zu fliegen, um die dort lagernden Goldreserven zu besichtigen. „Toller Tagesausflug nach Kentucky“, schwärmte seine Frau, die Schauspielerin Louise Linton, und postete Fotos in Designerklamotten. Zufälligerweise konnte man am frühen Nachmittag dieses Tages von Fort Knox aus die Sonnenfinsternis optimal beobachten. Laut „New York Times“ kostete der Trip in der Gulfstream-550-Maschine die US-Steuerzahler 26.900 Dollar.

Im Vergleich dazu wirkt Innenminister Ryan Zinke wie ein kleiner Fisch. Die Gesamtkosten seiner Charterflüge liegen nach US-Medienberichten nur im fünfstelligen Bereich. Dafür ist ein 12.000 Dollar teurer Flug in seinen Heimatstaat Montana besonders pikant. Ziel der Reise war ein Abendessen zu Ehren des kommerziellen Hockey-Teams eines bedeutenden Parteispenders. Auch einen Trip auf die Virgin Islands in der Karibik Ende März, bei dem er am Rande von offiziellen Terminen um Spenden für die Republikaner warb, ließ Zinke vom Staat bezahlen. Inzwischen haben sich 26 demokratische Abgeordnete des Repräsentantenhauses über die Vermischung der Interessen beschwert. Dazu Zinkes kurzer Kommentar: „Bullshit!“

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