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Sturm auf das Kapitol

Donald Trump beschimpft Polizei: „Alles Weicheier“

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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Donald Trump spielt den Sturm auf das Kapitol schon seit Monaten herunter. Für die Polizei in den USA hat er kein gutes Wort übrig.

Washington D.C. – Es waren ergreifende Bilder. Als der Sonderausschuss zum Sturm auf das US-Kapitol am 27. Juli 2021 in den USA seine Arbeit aufnahm, traten vier Polizisten in den Zeugenstand und berichteten in bewegenden Worten, was am 6. Januar 2021 in der US-Hauptstadt Washington D.C. wirklich vorgefallen war. Immer wieder kämpften Aquilino Gonell, Michael Fanone, Daniel Hodges und Harry Dunn dabei mit den Tränen, konnten ihre Gefühle kaum unterdrücken. Ihre Erzählungen vom „Terrorangriff weißer Rassisten“ ließen aber auch Sitzungssaal niemanden kalt.

Da war zum Beispiel der republikanische Abgeordnete Adam Kinzinger, der ebenfalls den Tränen nahe war, als er sich mit brüchiger Stimme an die Polizisten wandte: „Wir sitzen heute nur hier, weil ihr Jungs da wart“, sagte Kinzinger, der einer der wenigen verbliebenen Trump-Kritiker in den Reihen der Republikaner ist. „Wir mögen in anderen politischen Fragen Differenzen haben. Aber heute sitzen wir hier alle als Amerikaner. Ich danke euch, dass ihr die Stellung gehalten habt.“ Adam Schiff von den Demokraten nannte die vier Beamten „wahre Helden“, ehe ihm am Ende dann auch die Stimme versagte.

Donald Trump zieht über die Polizisten her

Donald Trump sieht das allerdings ganz anders. Der damals noch amtierende US-Präsident, der den Angriff auf das Kapitol in den vergangenen Monaten stets heruntergespielt hat, hat für diese Männer der völlig unterbesetzten Kapitolspolizei, die sich dem Trump-Mob entgegenstellten, im Grunde nur Verachtung übrig. So soll Trump sie in privaten Gesprächen mit ihm nahestehenden Personen kurz und knapp als „Pussies“ abgetan haben, als Waschlappen, Weicheier und Feiglinge also. Dies berichtet zumindest das US-Portal The Daily Beast unter Berufung auf zwei anonyme Quellen, die auch verlauten ließen, dass die Polizisten für Trump „gebrochene“ Männer seien, die nicht über die notwendige Härte oder den Charakter eines normalen Strafverfolgungsbeamten verfügen würden.

Dass Trump in der Tat nicht viel von der Kapitolspolizei hält, wird schon daraus ersichtlich, dass er sie öffentlich mehr oder weniger totschweigt. Ganz anders zum Beispiel als die Randaliererin Ashli Babbitt, die während des Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 erschossen wurde und später von Trump als „unschuldige, wundervolle, unglaubliche Frau“ bezeichnet worden ist. Und in einem Interview mit Carol Loennig und Philip Rucker von der Washington Post sprach Trump von einer „liebevollen Menge“, die von der Polizei umarmt und geküsst worden sei. Alles gut also in Trumps Augen.

Donald Trump hält nicht viel von der Kapitolspolizei.

Für die beteiligten Polizisten sind solche Aussagen ein weiterer Stich ins Herz. „Für mich ist das beleidigend“, sagte Sergeant Aquilino Gonell bei der Anhörung am 27. Juli. „Einfach nur demoralisierend wegen all der Dinge, die wir getan haben, um zu verhindern, dass Menschen im Kapitol verletzt werden.“

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Donald Trump hat seine Partei weiter fest im Griff

Doch wer hinter Donald Trump steht, kann auch einen solchen Satz einfach abtun. Als Beispiel sei nur der Kongressabgeordnete Jim Banks genannt, den die Demokratin Nancy Pelosi als Mitglied des Untersuchungsausschusses abgelehnt hatte. Banks reagierte in einem Interview mit dem TV-Sender Fox News auf seine Weise und klagte die Sprecherin des Repräsentantenhauses an, im Vorfeld der Anhörung so eine Art Drehbuch entworfen zu haben: „Alles, was wir heute gesehen haben, ist von Sprecherin Pelosi und ihren Mitarbeitern vorher sorgfältig schriftlich ausgearbeitet worden.“

Die meisten anderen Republikanerinnen und Republikaner hielten sich mit ihren Kommentaren zurück oder behaupteten schlicht, sie hätten sich die Anhörung nicht angeschaut. Das mag sogar stimmen. Hätten sie es nämlich getan, wären sie aufgrund der aufrüttelnden Videos, Bilder und Aussagen kaum darum herumgekommen, die Polizisten als Helden zu bezeichnen. Doch das würde bedeuten, Donald Trump zu verärgern. Und das trauen sich in den USA derzeit nur sehr wenige Vertreter:innen der republikanischen Partei. (Christian Stör).

Rubriklistenbild: © BRANDON BELL/afp

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