US-Wahl 2020

Donald Trump: Wo er die Wahl wirklich verloren hat - und warum

  • vonMirko Schmid
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Lange galt das Gesetz: Die Demokraten gewinnen Städte, die Republikaner Vororte. Doch wie so vieles hat sich das unter Donald Trump geändert.

  • Donald Trump hat die US-Wahl 2020 gegen Joe Biden verloren.
  • Überraschender Weise legte Joe Biden ausgerechnet in typischen Bastionen der Republikaner zu.
  • Trump News: Alle Neuigkeiten rund um den scheidenden Präsidenten der USA.

Washington D.C. - Donald Trump hat die US-Wahl 2020 gewonnen, Joe Biden hat krachend verloren - die Wahrheit des Donald J. Trump ist so klar wie falsch. Trotzdem klammert sich der abgewählte Präsident verbissen an seinen Sessel im Weißen Haus und streut Vorwürfe, falsche Anschuldigungen, Lügen und Hass per Twitter in die Welt. Dabei übersieht Trump, dass er nicht das Opfer eines erfundenen „Wahlbetrugs“ ist - sondern vor allem eine ehemals republikanischen Bastion ihm die Liebe entzog - die idyllischen Vorstädte der USA.

Ein typischer Vorort in den USA: Hier verlor Donald Trump die Wahl.

Donald Trump macht „Wahlbetrug“ für seine Niederlage gegen Joe Biden verantwortlich

Schon vor der Präsidentschaftswahl sorgten Trumps Parteikollegen dafür, dass Briefwahlstimmen in entscheidenden Swing States nicht vor dem Wahltag ausgezählt werden durften. So wurde es Donald Trump gestattet, sich in der Nacht der US-Wahl im Rahmen eines „Superspreader-Events“ vor seine engste Anhängerschaft zu stellen und sich zum Sieger der US-Wahl zu erklären - wohlwissend, dass die Republikaner dafür gesorgt hatten, dass die Briefwahlstimmen erst später ausgezählt werden als die vor Ort an der Wahlurne abgegebenen Stimmzettel.

Donald Trump hatte im Vorfeld der Wahl alles dafür getan, seinen Fans einzutrichtern, nur ja keine Briefwahl zu tätigen, diese sei nämlich gefälscht. Und seine treue Anhängerschaft folgte ihrem Präsidenten zu großen Teilen brav, weswegen eine übergroße Anzahl der Briefwahlstimmen von Biden-Wähler:innen abgegeben wurde. Trump hatte sein Narrativ, wonach vor allem in den mehrheitlich demokratisch regierten Großstädten der USA massiv betrogen werde, sorgfältig vorbereitet.

Gerade die Großstädte nimmt Donald Trump ins Zentrum seiner Klagen

Die Bewohner:innen dieses Vorort-Hauses lassen keinen Zweifel daran, wen sie nicht gewählt haben.

Ein genauer Blick aber zeigt, dass Donald Trump in den Großstädten, die er so gerne verteufelt, sogar Zugewinne verzeichnen konnte. In Philadelphia (Pennsylvania) und Detroit (Michigan) konnte Trump seinen Rückstand im Vergleich zu 2016 verringern, schnitt also besser ab als vor vier Jahren. Lag Trump gegen Clinton noch mit 15,37 zu 82,53 Prozent hinten, legte der scheidende Präsident vier Jahre später knapp drei Prozentpunkte auf 18,03 Prozent zu. Joe Biden hingegen holte mehr als ein Prozent weniger Wählerstimmen (81,32 Prozent) in Philadelphia, als die Trump 2016 unterlegene Hillary Clinton.

Ein ähnliches Bild bietet sich in Detroit, der größten Stadt im Swing State Michigan. Biden konnte den Arbeiterstaat, den Hillary Clinton 2016 an Donald Trump verloren hatte, mit seinem Sieg dort zurück in die „Blue Wall“, die „Wand“ aus traditionell demokratisch geprägten Staaten im Nordosten der USA, holen. Doch in Michigan legte Trump im Vergleich zu 2016 um 5.000 Stimmen zu, Joe Biden verlor im Vergleich mit Hillary Clinton 1.000 Stimmen.

Donald Trump kann in einigen Großstädten zulegen, Joe Biden gewinnt abseits des Lärms

In Milwaukee, der bevölkerungsreichsten Stadt des Bundeslandes Wisconsin, ebenfalls ein im Vorfeld der Wahl besonders umkämpfter „Swing State“, den Joe Biden von Donald Trump zurückgewinnen konnte, sieht es zwar anders aus: Hier hat Joe Biden im Vergleich zu Hillary Clinton leicht zugelegt. Aber eben nur 3.000 Stimmen - dennoch wurde Wisconsin ebenfalls wieder ein Stein in der „Blue Wall“. In der Großstadt Atlanta im Staat Georgia, dem vierten Bundesstaat, den Biden seinem Rivalen Trump im Osten abnehmen könnte, konnte Biden hingegen deutlich zulegen.

Diese Menschen in einem Vorort wählen „irgendeinen geistig gesundenden Erwachsenen“. Das Biden-Schild lässt vermuten, dass sie damit nicht Donald Trump meinen.

Die Frage aber bleibt: Wie gelang es Joe Biden trotz nur kleiner Zugewinne in den demokratischen Hochburgen - den Großstädten - mindestens drei, vielleicht sogar vier Swing States im Osten der USA zu gewinnen, die 2016 noch an Donald Trump gegangen waren? Die Antwort liegt in den Vororten. In den oft idyllischen Städtchen und Landkreisen, die wie wenig sonst für das Bild der typischen USA stehen. Dort, wo die Republikaner ihre Stammwählerschaft erwarten. Wo nur ganz selten ein Präsidentschaftskandidat oder gar Präsident vorbeikommt. Wo man seinen Garten pflegt, das Auto putzt und die Nachbarn grüßt.

Joe Biden gewinnt dort, wo Hillary Clinton ihre Wahl gegen Donald Trump verlor

Und genau in diesen Weiß geprägten Vororten gelang es Joe Biden, Donald Trump empfindliche Stimmverluste zu bescheren. Obwohl Donald Trump in seinem Wahlkampf nicht müde wurde, zu betonen, Biden würde „die schönen Vororte zerstören“, ließen sich die abseits des Lärms der großen Städte wohnenden Amerikanerinnen und Amerikaner nicht davon abhalten, dem Demokraten entgegenzukommen.

In den Vorstädten um Philadelphia etwa. Dort gewann Joe Biden die Grafschaften Montgomery, Delaware (nicht zu verwechseln mit Bidens Heimatstaat) und Chester und baute allein in diesen drei Orten einen Vorsprung von 269.000 Stimmen auf - ein Nettogewinn von 83.000 Stimmen im Vergleich zu Clinton 2016. Auch um Detroit herum legte Biden zu, während der neu gewählte Präsident in den Vororten im Oakland County drei Prozent im Vergleich zu Clinton zulegen konnte, verlor Donald Trump die gleiche Anzahl an prozentualen Wählerstimmen. Bidens Nettogewinn: 54.000 Stimmen. Weitere 23.000 Stimmen netto sammelte der Demokrat im Washtenaw County westlich von Detroit ein.

Sollte Donald Trump Georgia an Biden verlieren, dann aufgrund der Vororte

Dasselbe Bild rund um Milwaukee: In Madison, der Hauptstadt des Bundeslandes Milwaukee, eine beschauliche Universitätsstadt, konnte Joe Biden sieben Prozent und 16.000 Stimmen Vorsprung auf das Ergebnis von Clinton 2016 drauflegen. Das Dane County, in dem sich Vororte rund um die Hauptstadt sammeln, erschloss Biden weitere 19.000 Stimmen mehr Vorsprung auf Donald Trump als Hillary Clinton.

In Georgia, wo Joe Biden besonders eindrucksvoll von Hillary Clinton verlorenen Boden auf Donald Trump gutmachen konnte, sieht die Tendenz ähnlich aus. In der Nähe von Atlanta gewann Biden das DeKalb County mit 50.000 Stimmen mehr als Clinton im Jahr 2016, das Clayton County mit 14.000 Stimmen zusätzlichem Vorsprung. Noch deutlicher wird der Trend in Gwinnett und Cobb, einen Steinwurf weiter. Zusammengerechnet schlug Biden Trump in diesen Landkreisen mit 132.000 Stimmen Vorsprung, während Clinton 2016 beide Countys mit einem Gesamtvorsprung von nur 26.000 Stimmen gewann. Das ist ein Nettogewinn von 106.000 für Biden.

Für die Republikaner sind die Vororte essentiell - auch nach Donald Trump

Das sollte Donald Trump und vor allem den Republikanern zu denken geben, schlägt doch das Herz ihrer Basis in den Vororten - und nur selten in den Großstädten, die der abgewählte Präsident gemeinsam mit seinem Märchen vom „Wahlbetrug“ für seine Niederlage verantwortlich macht. Und im Gegensatz zu Donald Trump werden die Republikaner noch lange um die Gunst der Vorstädter und Vorstädterinnen kämpfen müssen. Das erste Mal schon im Januar, wenn die für die Mehrheitsverhältnisse im US-Senat entscheidenden Nachwahlen in Georgia ausgetragen werden. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Uwe Kraft via www.imago-images.de

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